Umfrage : Kommunen auf Kooperations-Kurs

Das Verwaltungsgebäude  in Viöl – zum Amtsbereich zählen insgesamt 13 Gemeinden.
Das Verwaltungsgebäude in Viöl – zum Amtsbereich zählen insgesamt 13 Gemeinden.

Die Gemeinden des Amtes Viöl vor der Kommunalwahl: Die Bürgermeister berichten über Probleme und Chancen.

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13. April 2018, 14:00 Uhr

Am 6. Mai sind alle Bürger dazu aufgerufen, bei der Kommunalwahl für die neue Gemeinde- oder Stadtvertretung in ihrer Kommune zu stimmen. Auch im Amt Viöl wird über die Zusammensetzung der Selbstverwaltung entschieden. Welche der Bürgermeister stellen sich erneut zur Wahl? Was hat sich in den vergangenen Jahren getan? Wo liegen die Hauptprobleme und Bedürfnisse der Gemeinden? Und welche Schwerpunkte gibt es für die Zukunft? Wir haben die Bürgermeister gefragt. Heute: Teil 1.


Eine Krippe für Ahrenviöl

20 Jahre lang hat Bürgermeisterin Edith Carstensen die Interessen der Gemeinde Ahrenviöl vertreten. „Jetzt muss mal jemand neues ran“, sagt die 70-Jährige, die nicht noch einmal zur Wahl antreten wird. Eigentlich sei alles prima in dem 519 Einwohner starken Ahrenviöl, resümiert die engagierte Pensionärin. Besonders stolz ist sie auf den Kindergarten der Gemeinde. Dennoch gebe es ein Thema, das ihr nach wie vor auf der Seele brenne: die Einrichtung einer Krippe. „Seit 2012 haben alle Eltern rechtlich einen Anspruch auf einen Krippenplatz, doch der kostet die Gemeinde bei einer ganztägigen Betreuung 8400 Euro pro Kind im Jahr“, beklagt Carstensen. „Das geht so nicht. Das ist ein Bundesgesetz und wer bestellt, muss auch bezahlen.“ Dennoch sei der Bedarf eindeutig da, und man überlege seit Jahren, in welchen Räumlichkeiten sich eine Krippengruppe unterbringen ließ. „Gott sei Dank kommt mit der neuen Landesregierung wieder Bewegung in die Sache“, sagt die Bürgermeisterin. Sie hofft auf künftig höhere Zuschüsse für die Kindertagesstätten.

Digitalisierung ist in Löwenstedt das Stichwort

Bürgermeister Holger Jensen ist stolz auf seine moderne 658-Seelen-Gemeinde: „Smart Village und Digitalisierung ist bei uns das Stichwort. Da sind wir wirklich gut dabei“, berichtet Jensen. „Aber auch die Gemeinschaft bei uns ist unheimlich eng. Alle sind sehr aktiv, und wir haben ein intensives Dorfleben.“ Der 54-Jährige will auch bei der kommenden Wahl erneut antreten. Bei so viel ehrenamtlichen Engagement mache das Bürgermeister-Sein einfach Spaß, sagt der Löwenstedter. Etwas Zähneknirschen bereitet Jensen für die Zukunft noch die L 281: „Die ist kaum noch befahrbar. Wir sind schon seit Jahren damit beschäftigt, das Thema nervt alle. Nun hoffen wir aber auf die neue Regierung“, sagt Jensen.

Viöl wächst immer weiter

„Ja, ich trete wieder als Direktkandidat an“, antwortet Heinrich Jensen auf die Frage, ob er sich am 6. Mai denn wieder zur Wahl stelle. Ob er Erfolg habe, werde sich dann zeigen. Seit 2013 ist der 62-Jährige Bürgermeister der Gemeinde Viöl. Jensen engagiert sich bereits seit 1990 im Gemeinderat, war zehn Jahre lang stellvertretender Bürgermeister. Das starke Wachstum im Zentralort Viöl erfordere auch stetigen Ausbau, ist Jensen überzeugt. 2250 Einwohner zählt der Zentralort mittlerweile. An erster Stelle stehe dabei die Modernisierung der
Infrastruktur. Dazu gehören neben dem Kita-Neubau auch Investitionen in den Schulstandort, die Abwasserbehandlungsanlage und den Glasfaserausbau. Darüber hinaus müssen Gewerbeflächen und Bauland für private Bauherren vorgehalten, gezielt Wohnungen
für Jung und Alt im Ortskern (Stichwort Nachverdichtung) gebaut sowie Sportstätten errichtet werden, zählt der Gemeinde-Chef auf. Und, nicht zu vergessen: Ihm liege sehr am Herzen, dass die beiden Ortswehren Viöl und Hoxtrup immer optimal ausgestattet und ausgebildet sind.

Sollwitt strebt neues Baugebiet an

Auch Amtsinhaber Thomas Hansen tritt wieder zur Wahl des Bürgermeisters der 290 Einwohner zählenden Gemeinde Sollwitt an. „Ich gehöre seit 1990 der Gemeindevertretung an und bin seit 1994 Bürgermeister“, erklärt er. Schwerpunkte in der nächsten Zeit werden Hansen zufolge das Feuerwehr- beziehungsweise Dörpshus sein, aber auch die eventuelle Ausweisung eines Baugebietes. Auch das Thema Wegeunterhaltung und der Neubau des Kindergartens, der gemeinsam mit Viöl und Norstedt errichtet werden soll, treibt die Gemeinde um.

Krippe steht für Schwesing im Mittelpunkt

Bürgermeister der 950-Einwohner-Gemeinde Schwesing ist Wolfgang Sokoll, der sich erneut für das Amt bewirbt.

Seit 1990 ist der 58-Jährige in der Gemeindevertretung aktiv, seit 2003 ist er das Oberhaupt der Kommune. Lange hat Schwesing auf die Erweiterung der Evangelischen Kindertagesstätte gewartet. Die Bauarbeiten für das 500.000 Euro teure Projekt (darin ist ein Zuschuss vom Land von 220.000 Euro enthalten), haben im Januar begonnen. In punkto Wünsche für die Zukunft bleibt Sokoll bescheiden: „Ich hoffe, der begonnene Krippenanbau wird fristgerecht fertig zum Herbst“, sagt er.


Behrendorf will Windkraft stärken

Jens Carstensen würde den Bürgermeister-Posten für weitere fünf Jahre gerne übernehmen, wie er sagt. Seit zehn Jahren bekleidet er in Behrendorf das Amt bereits, zuvor war er fünf Jahre stellvertretender Bürgermeister. Im Gemeinderat ist der 62-Jährige schon seit mehr als drei Jahrzehnten tätig. 560 Einwohner hat Behrendorf derzeit. Was soll die Zukunft bringen? „Für unsere Gemeinde ist es sehr wichtig, dass die Abstandsregelung im neuen Regionalplan nicht dazu führt, dass in Zukunft etliche Windkraftstandorte wegfallen werden“, macht Carstensen deutlich. „In Behrendorf haben wir zwei Bürgerwindparks und eine große Akzeptanz der Windenergie-Erzeugung“, so Carstensen weiter. Durch die Unterstützung der Bürgerwindparks sei in Behrendorf ein Glasfasernetz gebaut worden. Das sei ein wichtiger Schritt. Wahrscheinlich werde es auch ein nächstes Neubaugebiet geben, erklärt der Bürgermeister. Wichtig sei für die Gemeinde, dass die marode L 28 zwischen Viöl und Sollbrück saniert wird. „Doch darauf haben wir leider wenig Einfluss.“

Norstedt setzt auf Kita und Feuerwehr

Knapp 400 Einwohner hat die Gemeinde Norstedt, die fünf Kilometer nordwestlich von Viöl liegt. Hier ist Volker Carstensen seit 2015 das Gemeinde-Oberhaupt. Der 50-Jährige, der seit 1995 in der Gemeindevertretung mitwirkt, tritt erneut zur Wahl an. Norstedt hat ein Freibad, an dem die Bürger der Gemeinde sehr hängen. Allerdings sind die Besucherzahlen rückläufig und die Unterhaltungskosten hoch. Nun hofft die Kommune aus eine gute Saison. Was für Norstedt ganz oben auf der Agenda steht? „Der Kindergarten-Neubau, das Feuerwehrhaus und das Feuerwehrauto“, sagt Carstensen.

Gute Infrastruktur im Fokus

Die Erhaltung der Infrastruktur hat für Haselunds Bürgermeister Jan Thormählen oberste Priorität. Auch er lässt sich zur Kommunalwahl wieder aufstellen. Seit 1990 ist Thormählen Mitglied der Gemeindevertretung, seit 2003 ist er Bürgermeister der Kommune mit ihren rund 900 Einwohnern. Mit Infrastruktur meint der 52-Jährige vor allem Gemeindewege, Entwässerung, Schule, Einkaufsmöglichkeiten und das Freibad. In Haselund zählen vor allem Kinderbetreuung, Räumlichkeiten für örtliche Vereine und die Zusammenarbeit der Kommunen zu den Zukunfts-Themen.

Immenstedt: Erst Baugebiet, dann Breitband

Erst kürzlich konnte Immenstedts Bürgermeister Johannes Feddersen verkünden, dass das Baugebiet endlich genehmigt worden sei. Dafür hatte die 650-Seelen-Gemeinde lange gekämpft. „Unser nächstes Thema wird die Breitbandversorgung sein“, so Feddersen, der sich erneut zur Wahl stellt. Der 49-Jährige hat seit fünf Jahren das Bürgermeisteramt inne.













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