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Zu wenig Personal bei der Feuerwehr : Kommt es jetzt zur Zwangswehr?

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichstadt fehlen 20 Aktive zur Sollstärke. Nun hat die Stadt mehr als 800 Bürger zwischen 20 und 50 Jahren angeschrieben, um für die Wehr zu werben, denn sonst droht eine Zwangswehr.

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erstellt am 21.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Montag und Mittwoch, 27. und 29. Oktober, sind Schicksalstage für die Stadt Friedrichstadt. Denn an beiden Tagen ab 18 Uhr warten im Feuerwehrgerätehaus Wehrführer Birger Thomsen und Bürgermeister Eggert Vogt auf Bürger, die sich für die Freiwillige Stadtfeuerwehr interessieren und sich für die Mitarbeit anmelden. Sollte dies nicht geschehen, dann erwartet die Friedrichstädter im neuen Jahr die Einberufung einer Pflichtfeuerwehr. Davon betroffen sind theoretisch 800 Einwohner im Alter zwischen 20 und 50 Jahren, die dieser Tage ein Schreiben der Stadt erhielten.

Schon seit Jahren hat die Stadtwehr Probleme. Die Mannschaftsstärke war nie so, dass sie als optimal hätte bezeichnet werden können. Mittlerweile sind es aber nur noch knapp mehr als 30 Aktive, es müssen aber bei der Größe der Stadt und nach dem Feuerwehrbedarfsplan mindestens 53 sein. Also bauen die Stadt und der Wehrführer auf das Verantwortungsbewusstsein der Einwohner, schließlich sind 20 neue Mitglieder nötig, damit die Stadt an einer Pflichtfeuerwehr vorbeischrammt. Zudem seien die Frauen stark unterrepräsentiert, wie es Bürgermeister Vogt formuliert.

Dennoch brauchen sich die Einwohner von Friedrichstadt keine Sorgen um ihre Sicherheit im Falle eines Feuers zu machen. Für den sogenannten Erstangriff hat die Wehr genügend Personal – und danach rücken unterstützend die Freiwilligen Wehren aus Koldenbüttel, Seeth und Drage an. „Bislang“, so Vogt, „hat es nie Probleme damit gegeben, die Orte liegen ja alle nahe an Friedrichstadt, so dass die Wehren auch innerhalb weniger Minuten am Einsatzort erscheinen können.“

Sollte das Schreiben der Stadt an die 800 Bürger allerdings nicht fruchten, dann wird es Anfang des neuen Jahres erste Gespräche mit dem Kreis Nordfriesland und dem Kreisfeuerwehr-Verband über die Einführung einer Pflichtfeuerwehr geben. „Das möchten wir aber eigentlich gern vermeiden“, sagt der Bürgermeister, „denn ich weiß nicht, wie es dann um die Motivation der Zwangsrekrutierten stehen wird.“ Hinzu komme natürlich, dass eine Pflichtwehr auch zusätzliche Kosten verursacht. Die klamme Stadtkasse müsste nämlich für die Zwangsrekrutierten für jeden Einsatz und Übungsabend einen Obolus entrichten.

In dem Schreiben an gut 800 Bürger heißt es unter anderem: „Die Freiwillige Feuerwehr Friedrichstadt hat große Nachwuchssorgen. Gemäß des Brandschutzgesetzes hat die Stadt eine öffentliche Feuerwehr vorzuhalten, die eine angemessene und eine ausreichende persönliche und sächliche Leistungsfähigkeit besitzen muss. Diese Vorschrift sagt sogar, dass wenn die erforderliche Personalstärke um mehr als ein Drittel unterschritten wird, in der Regel eine ausreichende persönliche Leistungsfähigkeit nicht mehr gegeben ist. Dies ist in Friedrichstadt der Fall. Das bedeutet, dass die Stadt an dem Punkt steht, eventuell eine Pflichtfeuerwehr ins Leben rufen zu müssen.“

Stadtwehrführer Birger Thomsen: „Ich hoffe, dass wir an einer Zwangswehr vorbeikommen, doch es wird schwer werden, noch 20 Leute für die Mitgliedschaft zu gewinnen.“ Wer neu eintritt, das würde übrigens auch für die Mitglieder der Zwangswehr gelten, der muss als erstes den sogenannten Truppmannkursus absolvieren. Dieser läuft über drei Monate. Erst dann können die Neuen auch bei Einsätzen mitarbeiten.

„Unsere Hardware ist gut, sie reicht auch für eine mehr als 50-köpfige Truppe“, sagt Thomsen und verweist darauf, dass die Gemeinschaft in der Wehr sehr gut sei. „Ich bin überzeugt, dass es vielen Spaß machen wird“, so der Stadtwehrführer. Den Grund für die schwierige Situation sieht Birger Thomsen darin, dass seiner Ansicht nach die Bereitschaft für das Ehrenamt allgemein abnehme.

Technisch ist die Wehr gut ausgerüstet, im Haushalt 2015 soll zudem auch das Geld für die Anschaffung eines weiteren neuen Fahrzeugs eingestellt werden. Geliefert werden könnte es dann frühestens in den Jahren 2016/17. Gegenwärtig lässt die Stadt auch nach einem Standort für ein neues Gerätehaus suchen. Denn das alte Gebäude erfüllt zwar noch seinen Zweck, ist mittlerweile aber viel zu eng, besonders für die neuen Einsatz-Fahrzeuge. Für eine Erweiterung steht nicht genügend Raum zur Verfügung. Die Dringlichkeit sei erkannt, so das Stadt-Oberhaupt, doch noch sei kein Ausweichstandort gefunden worden.

An zwei Tagen, am Montag (27.) und Mittwoch (29.), können sich die Bürger ihre Feuerwehr ab 18 Uhr an einem Tag der offenen Tür anschauen und sich ausführlich über deren Aufgaben informieren lassen.

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