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Info-Veranstaltung geplant : Kommt ein Bürgerentscheid zur Hähnchenmast?

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Viele Fragen zur geplanten Mastanlage in Langenhorn sind noch offen. Jetzt fasst der Fachausschuss nach - eine Informations-Veranstaltung mit Experten und dem Unternehmer selbst soll Klarheit bringen.

Die alten Wunden, die beim Thema „Bürgerwindpark“ in Langenhorn entstanden waren, sind noch nicht ganz verheilt – und schon steigt die Gemeinde wieder in den Ring, um einen neuen Kampf auszutragen. Nun steht der geplante Bau von vier Mastställen für insgesamt 160 000 Hühnchen bei der örtlichen Biogasanlage zur Debatte.

Die Anlage war in der Hand der Gemeinde und wurde 2012 aufgrund einer drohenden Insolvenz an einen dänischen Unternehmer verkauft. Der denkt wirtschaftlich und möchte mehr Auslastung erzielen. Sein Antrag zur Einleitung eines Bauleitverfahrens wurde jetzt im Bau- und Umweltausschuss beraten. Weil noch Hintergrundwissen fehlte, änderte das Gremium den Tagesordnungspunkt in „Beratung mit eventueller Beschlussempfehlung“.

Was folgte, war eine rege Diskussion, gespickt mit persönlichen Empfindlichkeiten in alter Manier und der Erkenntnis, dass die Verantwortlichen wirklich noch nicht viel über das Vorhaben und seine Tragweite wissen.

Auf die Frage von Einwohnerin Helga Behrens, wo der Unternehmer im Falle eines Anlagenbaus Gewerbesteuer bezahlt, konnte keiner antworten. Auch darauf nicht, wo die Bauflächen konkret geplant sind und ob die Gemeinde den Bau überhaupt will. Das sei noch nicht beraten worden, so Uwe Bahr, Vorsitzender des Ausschusses.

Wie im Laufe der Debatte deutlich wurde, war der Unternehmer im April 2013 mit seinem Sprecher in Langenhorn, um ein Gespräch mit dem Gemeinderat zu führen. Im Oktober folgten sieben Gemeindevertreter sowie eine Mitarbeiterin des Amtes Mittleres Nordfriesland der Einladung des Unternehmers und schauten sich seine Hähnchen-Mastanlage in Dänemark an. Im Dezember flatterte dann der Antrag ins Haus.

Bauausschuss-Vorsitzender Uwe Bahr war bei beiden Treffen nicht dabei und informierte sich über das Vorhaben beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Dafür habe es von der Mitarbeiterin des Amtes einen Rüffel gegeben, außerdem habe sie Druck gemacht wegen des Antrags, der schnell bearbeitet werden müsse, bevor der Unternehmer abspringe, berichtete Bahr in der Ausschuss-Sitzung.

Ob die Dänemark-Delegation gewusst habe, was der Unternehmer in Langenhorn vorhabe, stand als nächste Frage an. „Nein, dass wussten wir nicht, wir hätten es allerdings ahnen können“, so Gemeinderatsmitglied Sven Kloos. „Wie naiv seid ihr denn?“, wollte Einwohnerin Karin Petersen daraufhin wissen. Eine Antwort blieb aus. Auch auf die Frage von Ausschuss-Mitglied Renate Thomsen, was eigentlich passiert, wenn die Gemeinde den Antrag abgelehnt.

Karin Petersen machte ihren Standpunkt klar: „Ich habe Massentierhaltung satt, und die Gülle kommt nicht in die Anlage, sondern aufs Feld.“ Sollte das Vorhaben realisiert werden, denke sie darüber nach, das Dorf zu verlassen. Ein junger Landwirt meldete sich zu Wort und sprach von einer „riesen Bedrohung“ für die Landwirte, wenn Hühnergülle auf die Ländereien gestreut werde. Bürgermeister Horst Petersen wunderte sich darüber, dass er der Lüge bezichtigt wurde, weil er angeblich doch davon gewusst habe, dass der dänische Unternehmer eine Biogasanlage samt Hähnchenmast-Anlage in England betreibt.

Einwohner Hans-Peter Carstensen empfahl der Gemeinde, Fachleute zu Rate zu ziehen: „Die Gemeindevertretung ist überfordert mit den Fragen zu Sinn und Nutzen solcher Anlage.“

Doris Carstensen stellte fest, dass sie als Mitglied des Gemeinderates Wert auf Informationen von allen Seiten lege, denn: „Wir wissen nicht viel – bis gar nichts“.

Dirk Andresen, bürgerliches Mitglied des Bau- und Umwelt-Ausschusses, leistete Aufklärungsarbeit zur Frage, ob die Gemeindevertretung alleinige Entscheidungsmacht habe. „Ja, denn die Gemeindevertreter sind gewählt, um politische Entscheidungen zu treffen. Entscheiden sie falsch, werden sie nicht wieder gewählt.“

Am Ende der Sitzung lautete die Beschlussempfehlung des Ausschusses an den Langenhorner Gemeinderat, dass es einen Bürger-Informationsabend geben soll, wo der Antragsteller, das LLUR, weitere Fachleute und die Bürger zu Wort kommen sollen. Und: Es soll ein Bürgerbegehren angestrebt werden.

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