zur Navigation springen

Trassenverlauf der 380-kv-Leitung : Koldenbüttel nimmt Fäden in die Hand

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Dialog mit dem Netzbetreiber Tennet hat Koldenbüttel den Trassenverlauf für die 380-kV-Leitung festgelegt – ein aktives Zusammenwirken, das bislang einmalig in Deutschland ist.

Ein denkwürdiger Augenblick, gestern um 12.30 Uhr in Reimers Gasthof. Unter Blitzlichtgewitter unterschrieben Koldenbüttels Bürgermeister Detlef Honnens und Gesamtprojektleiter Dr. Bernd Brühöfner von der Tennet TSO GmbH eine Planungsvereinbarung. Darin streben die Gemeinde und die Tennet übereinstimmend einen gemeinsam vereinbarten Trassenverlauf für die 380-kV-Stromleitung an.

„Eine einmalige Vereinbarung“, signalisierte Koldenbüttels Gemeinde-Chef, und Dr. Brühöfner unterstrich: „Ich freue mich, dass es heute zu dieser Unterzeichnung gekommen ist. Dieser vom Ministerium initiierte Bürgerdialog war ein Pilotprojet. Das war sogar deutschlandweit einmalig und für alle Beteiligten zugleich Neuland.“ In vielen Veranstaltungen und unter großer Beteiligung seien die Bürger „mitgenommen“ worden. „Sehr frühzeitig“, so sagte der Bürgermeister, habe die Gemeinde die Lage erkannt und sich darauf vorbereitet. Die damalige Übergabe eines weißen Ordners durch den Bürgermeister an die Tennet habe dabei – so Dr. Brühöfner – „bei uns gemischte Gefühle erzeugt“. Und er sagte freimütig: „Es ist wahr, dass wir diese jetzt vereinbarte Trassierung nicht vorgenommen hätten. Wir hätten geradliniger gebaut.“

Mit einer Länge von rund 4,5 Kilometern wird Koldenbütteler Gemeindegebiet überspannt. „Wir haben uns vor einem Jahr erstmalig und dann kontinuierlich damit befasst“, machte der Bürgermeister deutlich. „Bei der Ausarbeitung haben wir ganz auf den Sachverstand unserer beiden Fachleute, den Bauausschuss-Vorsitzenden Ludger Schmiegelt und unser Wege- und Umweltausschuss-Mitglied Sascha Heinrich, gesetzt. Beide sind Fachleute im Haus der Zukunftsideen in Husum. Und um unsere Zukunft geht es ja bei diesem Projekt ganz entscheidend.“

Immerhin: Zwei der drei zur Auswahl stehenden Korridore hätten Koldenbüttel berührt. Die Gemeinde trat frühzeitig an die Tennet heran, und nach vereinbarter Planung kommt die neue Leitung nun nicht näher als 200 Meter an ein Haus heran. Sascha Heinrich betonte: „Bei der geplanten Trassenführung sind mindestens 20 unserer 27 Gemeinden im Amtsbereich Nordsee-Treene betroffen.“ Dr. Brühöfner stellte klar, „dass dieser Bürgerdialog innerhalb eines Planungsdialoges weitergeführt wird. Berücksichtigt wird dabei auch ein Mindestabstand zu den Häusern, der bislang noch keine Rechtsgrundlage hat. Für uns bedeutet ein großräumiger Abstand zu den Wohngebäuden eine Selbstverpflichtung. Dabei orientieren wir uns an einem Wert von 200 Metern.“

Der Projektleiter sagte voraus: „Dieses einzigartige Modell findet demnächst wohl weitere Nachahmer.“ Und: „Gerade am Vorabend hat eine weitere nordfriesische Gemeinde Interesse bekundet.“ Die Strom-Netzentgelt-Verordnung sieht im Falle einer Höchstspannungsleitung bis zu 40.000 Euro Entschädigung je angefangenen Kilometer durchquertes Gemeindegebiet vor. „Im Mittel“, so Dr. Brühöfner, „sind das 25.000 Euro.“

Lob auch von Amtsvorsteher Ralf Heßmann: „Koldenbüttel hat mit dieser Vereinbarung eine Tür aufgestoßen. Da kann ich nur den Hut ziehen und Glückwünsche aussprechen.“ Die Dialoge hätten bisher in einer guten Gesprächsatmosphäre stattgefunden. Heßmann: „Wir in Nordfriesland sind immer nur Schmuck am Nachthemd gewesen, und jetzt durften wir mitreden. Ich verbinde damit die Hoffnung, dass wir weiter im Dialog bleiben.“ Die Vorarbeit in Koldenbüttel sei vorbildlich gewesen, „besser kann man das nicht machen“.

An der Zusammenkunft nahmen Bürgermeister Detlef Honnens, sein Stellvertreter Jörn Paul, Dr. Bernd Brühöfner (TennetTSO GmbH, Bayreuth), Amtsvorsteher Ralf Heßmann, Stefanie Marnitz von der Osnabrücker Firma Eisenmenger (die die Tennet bei der Durchführung unterstützt), die Strom-Fachleute Ludger Schmiegelt und Sascha Heinrich teil.

Dr. Brühöfner teilte abschließend mit, dass der Baubeginn 2015 innerhalb des Abschnittes 1 bei Brunsbüttel liege. Dem Energiewende-Minister Dr. Robert Habeck mit Team sprach er deutlich Lob und Anerkennung aus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen