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Husumer Nachrichten

14. Dezember 2017 | 20:30 Uhr

Hummer in der Reuse : Kochtopf statt Aquarium

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Nordstrander Fischer Melf Winkel machte einen außergewöhnlichen Fang. In seinen Reusen am Holmer Siel befand sich ein Hummer.

Er ist Fischer in der dritten Generation. Doch weder seinem Großvater noch seinem Vater ging jemals das ins Netz, was Melf Winkel jetzt an Land zog. Als er vor Nordstrand wie gewohnt bei Niedrigwasser seine Aalreusen am Holmer Siel überprüfte, staunte er nicht schlecht: In einem Fangkorb befand sich ein Hummer.

Stolz präsentierte der 75-jährige Fischer den außergewöhnlichen Beifang seiner Frau Heinke – womit das Schicksal des Meeresbewohners besiegelt war. Noch kurz ein Foto vom schwarzen, 36 Zentimeter langen Krustentier – und dann kopfüber mit ihm in einen großen Topf kochendes Wasser. „De hebb wi glieks verneiht! Mit Wittbrot, Bodder und een Köm wer dat een Gedicht!“, schwärmt die 70-Jährige von dem exklusiven Abendessen. Und auch ihr Mann ist begeistert. ,,Sehr schmackhaft“ sei der erste Hummer seines Lebens gewesen, sagt der Fischer. Allerdings war es kein leichtes Unterfangen, an das köstliche Fleisch zu gelangen. Mit Hammer, Zange und Messer mussten Kruste und Scheren aufgebrochen werden.

Daran gedacht, den Hummer zu verkaufen, hat Melf Winkel ,,nie im Leben“, gibt er unumwunden zu – steht doch sonst nur geräucherter Aal auf seinem Speiseplan.

Der Nordstrander Nebenerwerbsfischer arbeitet mit acht Aalreusen, die er – ordnungsgemäß mit Namen und Anschrift gekennzeichnet – am Holmer Siel auslegt. Seit mehr als 60 Jahren fängt er dort hauptsächlich Aale. Zwar sind ihm in dieser Zeit so mancher Lachs, Steinbutt oder auch einige Meeräschen in die Netze gegangen, und auch ein Katzenhai war mal dabei – aber ein lebender Hummer vorher noch nie.

„Ein Hummer in unserem Wattenmeer ist sehr ungewöhnlich“, sagt Dr. Gerd Meurs. Dem Leiter des Multimar Wattforums in Tönning ist wohl bekannt, dass die Tiere immer mal wieder auf Wanderschaft gehen. „Doch eigentlich bevorzugen sie ein eher steiniges Umfeld und gelten als sehr standorttreu“, so der Biologe, der meint, „es wäre schöner gewesen, so ein geschlechtsreifes Tier zu uns ins Multimar zu bringen“.

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