Die Torfstreicher von Ahrenviölfeld : Knochenharter Job im Moor

Das Ahrenviölfelder Westermoor aus der Luft.
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Das Ahrenviölfelder Westermoor aus der Luft.

Die Geschichte des Ahrenviölfelder Westermoors: Erich Petersen erinnert sich an das Torfstreichen in den 1950er Jahren zurück.

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26. Juni 2018, 21:00 Uhr

Gerade jetzt im Frühsommer erinnert sich Erich Petersen (85) besonders lebhaft an die Zeit vor mehr als 60 Jahren, als er im Ahrenviölfelder Westermoor beim Torfabbau geholfen hat. Denn man sollte wissen, dass das Gebiet erst seit 1989 ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet. Doch die Fläche ist reich an Torfvorkommen, die noch vor Jahrzehnten vielen eine warme Stube ermöglichten.

In den kargen Jahren nach dem Krieg gab es kaum Heizmaterial. „Um unseren Wintervorrat zu sichern, kamen wir im Mai und Juni für zwei Wochen zum Torfstreichen her“, erzählt der 85-Jährige. Er ist mit dem Fahrrad zum Südeingang des Westermoores gekommen, denn dort gibt eine Schauhütte mit Werkzeugen zum Torfabbau seinen Erinnerungen den passenden Rahmen.

Das zwischen Arlau und Treene gelegene Moor entstand nach der letzten Eiszeit, vor etwa 7000 Jahren. 1880 wurde es im Zuge der Verkoppelung parzelliert und den Landwirten vor Ort zugeteilt. Und so konnten sich die Menschen rund um Ahrenviölfeld ihr Heizmaterial ganz in der Nähe holen. Dass der Torf hier „gestrichen“ und nicht wie anderenorts „gestochen“ wurde, liegt daran, dass ein Viertel des Moores über dem Wasserspiegel liegt und die Zusammensetzung unterschiedlich ist: Oberhalb ist der Moorboden sehr trocken, hell und lose. Dann kommt eine sehr fette, schwarze Moorschicht und darunter, in zweieinhalb Metern Tiefe, eine leichte, hellbraune Moorzusammensetzung.

Um diese Schichten optimal nutzen zu können, wurde das Ganze miteinander vermischt. „Etwa einen Meter von der Kante der Moorkuhle wurde ein großer Holzkasten aufgebaut. In diesen Moorpott kamen die Moorstücke, die wir mit Spaten abgegraben haben. Das war nicht ganz ungefährlich, denn sobald die letzte Moorschicht bis auf den Sand durchstochen war, stieß das Wasser sehr schnell von unten hoch und man kam nicht immer schnell genug aus dem Moorloch heraus“, erinnert sich Petersen an den einen oder anderen vollgelaufenen Stiefel.

Danach mussten die Hofpferde die Moorstücke zu einem dünnen Moorbrei durchtreten. Dafür drehten sie in dem engen Holzkasten bis zu zwei Stunden lang ihre Runden, während die Männer mit Eimern ständig Wasser aus der Kuhle nachgossen. Anschließend wurde der fertige Moorbrei mit flachen Holzschaufeln auf eine Karre geschaufelt. Darauf lag eine Torfform, deren einzelne Kästchen sorgfältig ausgefüllt werden mussten. „Das war echte Knochenarbeit“, sagt Erich Petersen. Zum Schluss wurde die Form glatt abgestrichen – daher kommt dann auch der Ausdruck „Torfstreichen“.

Die samt Moorbrei zwei Zentner schwere Karre wurde zum Trocknen auf die Moorfläche geschoben und mit viel Fingerspitzengefühl abgekippt, denn die Stücke sollten am Ende sauber nebeneinander liegen. 140 bis 150 Karren galt es täglich zu befüllen. Jede Person musste eine „Tagschrift“ von 4000 bis 4500 Stück Torf schaffen. Danach mussten die fertigen Torfstücke trocknen. Das Schlimmste, was passieren konnte, war, dass es in dieser Phase stark regnete. Dann verlief der Moorbrei und die ganze Arbeit war umsonst. „Wenn alles gut ging, hatten wir am Ende einen sehr harten, festen Brennstoff, der dem späteren Kohlebrikett fast gleichkam“, so Petersen. Wer selbst keine Moorparzelle besaß, machte bei befreundeten Bauern seinen Torf, musste aber die Hälfte der Ernte dem Moorbesitzer überlassen.

Insgesamt hat der massive Torfabbau dem Moor ziemlich geschadet, denn es wächst pro Jahr nur etwa einen Millimeter, braucht also für einen Meter rund 1000 Jahre. „Das Moor hat viel von seiner ursprünglichen Schönheit verloren, trotzdem ist es immer noch etwas Besonderes und ich bin – genau wie Erich – sehr gerne hier“, sagt der Schutzgebietsbeauftragte Dieter Petersen. Der Viöler weiß selbst auch noch viele, spannende Geschichten rund um das seit 1966 unter Naturschutz stehende Moor zu erzählen und tut dies auch gerne auf seinen regelmäßigen Moor-Wanderungen – das nächste Mal am 28. Juli, 16 Uhr. Anmeldung unter Telefon 04843/594.

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