Rinder schlecht gehalten : Knietief im Morast

Unglücklich und triefend nass steht das Rind im matschigen Boden.
Unglücklich und triefend nass steht das Rind im matschigen Boden.

Wieder stehen Galloways in Husum-Lund in völlig durchnässtem Boden – und ohne trockene Futterstelle.

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30. Januar 2018, 12:00 Uhr

Husum | Und wieder scheint ein Tierhalter in Husum-Lund kein Mitleid mit seinen Rindern zu haben: Südlich der Straße Maadeland fand ein Leser unserer Zeitung bei seinem Vormittags-Spaziergang gestern vier Galloways – darunter ein kleines Kalb – knietief im Morast stehend. „Das geht doch nicht, die haben ja kaum eine trockene Stelle und das Heu ist auch völlig durchweicht“, empörte er sich.

Die alarmierte Amtstierärztin des Kreises Nordfriesland reagierte sofort, konnte aber noch keine weiteren Informationen geben: „Für mich hat jetzt erst einmal Priorität, hier Abhilfe zu schaffen“, sagte sie. Das hieße für sie, die Tiere und deren Umgebung selbst in Augenschein zu nehmen, bevor es dunkel wurde, und dann den Tierhalter ausfindig zu machen.

Einen ähnlichen Fall hatte es in Husum-Lund schon in der ersten Dezember-Woche gegeben, wenn auch an anderer Stelle. Nordfrieslands Amtstierarzt Dr. Dieter Schulze hatte damals noch am selben Tag den Halter kontaktiert und dafür gesorgt, dass dieser als erstes die Futterstelle auf trockenen Boden verlegt. Am nächsten Tag waren die betroffenen Galloways dann ganz von der Koppel verschwunden.

„Bei den aktuellen Wetterverhältnissen dürfen gar keine Tiere mehr draußen auf den durchnässten Wiesen stehen“, hatte der Kreisveterinär schon damals gemahnt. Aufgrund der Vielzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Nordfriesland könne das Veterinäramt flächendeckende Kontrollen im Kreis aber nicht durchführen. „Aber auch heute noch gehen regelmäßig Hinweise aus der Bevölkerung bei uns ein, denen wir dann nachgehen“, so Kreissprecher Hans-Martin Slopianka. Was auch dieses Mal geschehen ist. Die Behörden seien weiterhin auf solche Meldungen angewiesen: „Wer den Verdacht hat, dass ein Verstoß gegen den Tierschutz vorliegt, sollte sich an das jeweilige Ordnungsamt in der Amts- oder Stadtverwaltung oder an das Veterinäramt des Kreises wenden.“

„Wir haben bereits eine ganze Reihe von Landwirten aufgefordert, ihre Tiere sofort aufzustallen. Zugleich leiten wir Ordnungswidrigkeiten-Verfahren ein“, hatte Schulze schon vor acht Wochen angekündigt. Viele Tiere hatten bereits da kein trockenes Plätzchen mehr finden können, um sich abzulegen. Das müssen sie aber haben, um die Wärmeableitung zu verhindern.

Verallgemeinern wollte der Veterinär das Problem allerdings nicht: „Die weitaus meisten Tierhalter haben ihre Rinder, Schafe und Pferde bereits vor Wochen aufgestallt.“ Dennoch zeigte er sich schon zu Beginn des Winters besorgt: „Es gibt eine Reihe von Fällen, in denen wir einer Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der Tiere begegnen, die uns fassungslos macht.“

2016 hat der Husumer Arbeitskreis „Ganzjährige Weidehaltung“ Mindestanforderungen an die saisonale und ganzjährige Haltung von Weide-Rindern in Schleswig-Holstein zusammengestellt, die inzwischen landesweit gelten. Sie sind im Internet auf der Seite www.t1p.de/wbsf zu finden.

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