Nordfriesland : Knabberei und Turnübungen

Politischer Smartphone-Einsatz am Wahlabend im Kreishaus.
Politischer Smartphone-Einsatz am Wahlabend im Kreishaus.

Beim Wahl-Public-Viewing im Kreishaus in Husum kam es zu politischen und anderen Annäherungen. Nur wenige Bürger nutzten dieses Angebot – es war einfach zu warm.

shz.de von
08. Mai 2018, 09:30 Uhr

„Darf mein Mann Sie mal aus der Nähe anschauen?“ Etwas irritiert blickt Ulrich Stellfeld-Petersen auf die Frau in dem geblümten Sommerkleid, die vor ihm steht. „Er kennt Sie ja bisher nur von Plakaten.“ Natürlich hat der SSW-Fraktionschef nichts gegen eine solche „Annäherung“ einzuwenden. Schließlich ist das abendliche Wahl-Public-Viewing im Sitzungssaal des Kreishauses in Husum auch für Gespräche zwischen Bürgern und Politikern gedacht. Und ganz nebenbei können auf fünf Beamern die aktuellen Ergebnisse für die Kreiswahl verfolgt werden.

Im Fall des Ehemannes Walter Broda blieb es dann zwar bei einem kurzen Händeschütteln – doch zwischen seiner besseren Hälfte und Ulrich Stellfeld-Petersen entspann sich ein Dialog: zwischen dem erfahrenen SSW-Mann aus Langenhorn und der Sozialdemokratin Margitta Broda aus Schwabstedt, die zum ersten Mal aktiv Politik betreiben möchte – und das „lieber gleich im Kreistag“ als auf kommunaler Ebene, wie sie zugibt. Auf Platz sechs angetreten, kann sie dies nun als eines von zehn Mitgliedern der SPD-Fraktion in die Tat umsetzen. „Wir müssen die Demokratie retten. Und für mich ist die SPD eine Partei des Ausgleichs“, beschreibt die Wahl-Nordfriesin aus Karlsruhe ihre Motivation. Ulrich Stellfeld-Petersen meint, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Parteien „nicht mehr so sichtbar“ seien.

Gegen 19 Uhr ist der Saal vorwiegend mit politischen Akteuren gefüllt: Alle tauschen sich auch parteiübergreifend aus – wie Esther Drewsen (Grüne) mit Heinz Maurus (CDU) sowie Thomas Nissen (SPD) mit Manfred Uekermann (CDU). Zwischendurch wird per Smartphone Kontakt zu den Lieben oder zu Parteifreunden aufgenommen – Erinnerungsfotos gehören ebenfalls zu den Aktivitäten.

Sina Clorius (Grüne) hat ihre Familie mitgebracht – und so lernen die beiden Söhne (10 und 12) den Saal kennen, in dem ihre Mutter im Juni zum ersten Mal Platz nehmen wird. Auch Florian Lorenzen (CDU) wird von seinem Nachwuchs begleitet: Seine kleine Tochter möchte am liebsten die ganze Zeit mit Papa turnen . . .

Der interessierte Bürger sitze bei dem warmen Wetter wahrscheinlich lieber mit seinem Computer zu Hause auf der Terrasse und informiere sich auf der Internetseite des Kreises über die Ergebnisse, mutmaßt Pressesprecher Hans-Martin Slopianka. „Früher war die Beteiligung jedenfalls größer – und es gab Brezel.“ Die sind gegen Salzstangen ausgetauscht worden – Freigetränke spendiert der Kreis aber immer noch.

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