Klima-Vorbild : Klixbüller Projekt Dörpsmobil beim Klimagipfel in Bonn ausgezeichnet

Zweite Ehrung bei der Agrarsozialen Gesellschaft in Göttingen (v. l.): Dr. Arnulf Tröscher übergibt Renate und Werner Schweizer 2000 Euro als Preisgeld.
Zweite Ehrung bei der Agrarsozialen Gesellschaft in Göttingen (v. l.): Dr. Arnulf Tröscher übergibt Renate und Werner Schweizer 2000 Euro als Preisgeld.

Klixbüller teilen sich untereinander und mit Nachbargemeinden mehrere Elektro-Autos – und wurden dafür in Bonn ausgezeichnet.

shz.de von
17. November 2017, 14:00 Uhr

Die Gemeinde Klixbüll, ein Dorf mit knapp tausend Einwohnern, kommt immer stärker groß raus – zuletzt sogar bei der 23. Weltklimakonferenz in Bonn. Wie 30 andere Kommunen hatte Klixbüll am bundesweiten Projekt Regio-Twin teilgenommen. Dabei soll erprobt werden, ob die vertiefte Zusammenarbeit zwischen zwei oder mehr Gemeinden die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen deutlich steigern kann.

Klixbüll initiierte „E-Carsharing im ländlichen Raum“. Inzwischen fahren in dem Ort zwei Dörpsmobile, weitere in den nordfriesischen Gemeinden Bordelum und Sprakebüll sowie in Medelby im Nachbarkreis Schleswig-Flensburg.

„Regio-Twin hat uns im kommunalen Klimaschutz wirklich voran gebracht. Wir freuen uns sehr darüber, dass das Projekt so erfolgreich angelaufen ist und angenommen wurde“, freute sich Bürgermeister Werner Schweizer bei der Übergabe der vom Bundesumweltministerium verliehenen Urkunde. Das Projekt wurde über drei Jahre von dem Ministerium im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative gefördert und vom Fachgebiet Dezentrale Energiewirtschaft der Universität Kassel umgesetzt.

Fast zeitgleich erlebte Klixbülls Bürgermeister eine weitere Ehrung. Bei der Herbsttagung der „Agrarsozialen Gesellschaft“ in Göttingen erhielt er aus der Hand von Dr. Arnulf Tröscher einen mit 2000 Euro dotierten Preis der Tassilo-Tröscher-Stiftung.

Hermann-Josef Thoben, der frühere Leiter des Referates für ländliche Räume in der Kieler Ministerialverwaltung war und heute Vorsitzender der Akademie für die ländlichen Räume ist, hielt die Laudatio auf die Klixbüller Akteure.

So wagte Thoben als Schleswig-Holsteiner die Einschätzung, dass in den nächsten Jahren viele Gemeinden dem Klixbüller Beispiel folgen werden. Für diesen nachhaltigen und gemeinschaftlichen Einsatz wurde die Gemeinde von der Tassilo Tröscher-Stiftung jetzt ausgezeichnet. Verbunden mit den Glückwünschen aller Anwesenden konnte sich Bürgermeister Schweizer über das Preisgeld freuen. Die Tröscher-Stiftung vergibt in zweijährigem Turnus Preise für beispielhafte wissenschaftliche, publizistische oder administrative Initiativen und innovative Projekte, die beitragen, die Lebenssituation der Menschen im ländlichen Raum zu verbessern.

Thoben hob hervor, wie durch das Projekt die Akzeptanz für die im Raum Klixbüll in erheblichem Umfang gewonnenen, regenerativen Energien gefördert wurde, da der lokal erzeugte Strom für das Laden der Döpsmobile genutzt wird. Das ist nämlich die Kernmarke, um die es bei all diesen Ehrungen geht.

Dabei handelt es sich um ein von der Aktiv-Region Nordfriesland-Nord gefördertes, elektrisch betriebenes Dorfgemeinschaftsauto. Das Projekt erfreut sich ohnehin schon seit dem Start vor eineinhalb Jahren großer Aufmerksamkeit bei Fachleuten und bei Medien. Bürgermeister Werner Schweizer ist seitdem ein gefragter Referent auf Kongressen und Tagungen zum Thema erneuerbare Mobilität im ländlichen Raum. Schließlich war das Projekt Dörpsmobil sogar unter den Siegern bei der Energie-Olympiade des Landes Schleswig-Holstein.

Die Anerkennung erfährt es auch, weil das System offen für alle ist. Klixbüll stellt es ausdrücklich allen interessierten Gemeinden zur Nachahmung zur Verfügung. Daher ist auch ein Leitfaden in Arbeit, der zeigt, wie ein solches Projekt realisiert werden kann.

Das „Dörpsmobil“ passt zum nächsten Vorhaben: Als eine von nur drei Gemeinden landesweit arbeitet Klixbüll an der Bilanzierung seines kommunalen
CO2-Fussabdruckes und an einer gemeinwohl-ökonomischen Auditierung. „Verantwortungsvoller Klimaschutz ist die wichtigste Voraussetzung für eine zukunftsfähige und erfolgreiche Wirtschafts- und Sozialpolitik“, betont Bürgermeister Werner Schweizer.

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