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Nordfriesland : Kliniken: Jetzt geht’s ans Eingemachte

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Kreistag entscheidet am 23. März über die Zukunft des Klinikums Nordfriesland. Zuvor gibt es zwei öffentliche Informations-Veranstaltungen in Niebüll und Tönning.

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erstellt am 20.Feb.2016 | 16:00 Uhr

Das Ringen um die Zukunft des finanziell angeschlagenen Klinikums Nordfriesland geht in die entscheidende Phase. Für die erste Märzwoche wird ein zweites Gutachten erwartet. Es soll Aufschluss geben, wie eine drohende Insolvenz für das Klinikum und seine vier Häuser mit ihren zurzeit 429 Betten in Husum, Niebüll, Tönning und Wyk gerettet werden kann. Dabei setzt der Kreis auf ein transparentes Verfahren: Am 7. in Niebüll und am 14. März in Tönning soll es eigens zwei große Info-Veranstaltungen für die Bürger geben.

Der Hintergrund: In Eiderstedt und Südtondern ist die Unruhe besonders groß, nachdem der erste Gutachter dem Kreis unter anderem vorgeschlagen hatte, das Krankenhaus Tönning zu einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) ohne stationäre Betten herabzustufen und in der Niebüller Klinik die Gynäkologie mit der Geburtshilfe sowie die Hals-Nasen-Ohren-Abteilung zu schließen (wir berichteten).

Der Fahrplan ist deshalb so eng getaktet, weil der Kreistag Nordfriesland – er ist auch die Gesellschafterversammlung des Klinikums – schon am Mittwoch, 23. März, ab 9.30 Uhr im Husumer Kreishaus in einer öffentlichen Sondersitzung entscheiden will, welcher Weg zur Umstrukturierung des Klinikums eingeschlagen werden soll. Und es muss schnell gehandelt werden: Zwar sind der laufende Klinik-Betrieb und damit die Versorgung der Patienten für 2016 gesichert. Aber schon 2017 dürfte es eng werden.

Deshalb wird der Umstrukturierungsprozess jetzt mit Hochdruck vorangetrieben, um die Liquidität des Klinikums auch ohne Zuschüsse des seinerseits defizitären Kreises Nordfriesland langfristig sicherzustellen. Zuletzt hatte der Kreis angesichts von fortwährenden Millionen-Verlusten im Klinikum dessen Kapital um 4,5 Millionen Euro aufgestockt und eine Bürgschaft von 8,5 Millionen übernommen.

Erste Details aus den umfassenden betriebswirtschaftlichen Untersuchungen der Flensburger Wirtschaftsberatung BDO sind bisher nur Eingeweihten bekannt. Liegen deren Erkenntnisse komplett vor, will der Kreis aber den aktuellen Sachstand und die Handlungsempfehlungen in Bezug auf den Erhalt des Klinikums gleich einer breiten Öffentlichkeit darstellen. Dies sieht im Übrigen auch die Kreisordnung vor, wonach die Einwohner Nordfrieslands bei wichtigen Planungen und Vorhaben möglichst frühzeitig über die alle Fakten und Auswirkungen unterrichtet werden sollen.

„Da die Wirtschaftsberatung BDO uns ihre Untersuchungsergebnisse Anfang März vorstellen wird und der Kreistag bereits am 23. März über die Umsetzung beschließen muss, bleibt uns nur ein kleines Zeitfenster für die Unterrichtung der Bevölkerung“, erläutert Kreispräsident Heinz Maurus, der die beiden Kreis- Veranstaltungen moderieren wird. Er dankte gestern der Bürgerinitiative in Südtondern für ihre Bereitschaft, den Termin am 7. März, 19.30 Uhr, in der Stadthalle Niebüll dafür freizumachen. An diesem Tag plante die BI eine eigene Podiumsdiskussion zur Klinik-Zukunft.

„Die Bürgerinitiative verzichtet auf ihren eigenen Veranstaltungstermin in Niebüll, um nicht das Angebot des Kreises zu unterlaufen. Das würde der Sache schaden – und dies ist nicht im Interesse der BI. An der Forderung und Erwartung, das Niebüller Krankenhaus als vollwertiges Angebot zu erhalten, hat sich nichts geändert. Wir sehen mit Spannung den Ergebnissen der BDO-Prüfung entgegen und hoffen auf ein weiterhin offenes Verfahren“, erklärte Thomas Uerschels von der Bürgerinitiative.

„Es geht uns darum, sachlich und objektiv zu informieren“, betont unterdessen Landrat Dieter Harrsen. Er geht davon aus, dass neben Vertretern des Kreises auch die Kassenärztliche Vereinigung, das Land Schleswig-Holstein sowie BDO-Vertreter teilnehmen werden, während die Kassen zunächst die Details des BDO-Gutachtens prüfen wollen, bevor sie öffentlich Stellung nehmen. Auch die Bürgerinitiative werde angemessen berücksichtigt. Diese und auch das Publikum sollen demnach Gelegenheit erhalten, im Anschluss an einige Sachvorträge Fragen an die Fachleute zu richten. Um auch den Süden des Kreisgebiets abzudecken, kündigt Dieter Harrsen für den 14. März (19 Uhr) eine gleichartige Veranstaltung in der Stadthalle in Tönning an.

„Die in diesen Veranstaltungen präsentierten Einschätzungen der Wirtschaftsberatung BDO werden als Grundlage für die erforderlichen Beschlüsse des Kreistages dienen“, so Kreispräsident Maurus und Landrat Harrsen. Und: „Wir sind sicher, dass wir eine wirtschaftlich tragfähige Lösung finden werden, mit der eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung der nordfriesischen Bevölkerung in zumutbarer Entfernung zu allen Gemeinden im Kreisgebiet sichergestellt werden kann.“

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