Gesundheit in Nordfriesland : Klinik-Kooperation: Partner links liegen gelassen

Im Norden Schleswig-Holsteins wird über neue Klinik-Kooperationen verhandelt.
Im Norden Schleswig-Holsteins wird über neue Klinik-Kooperationen verhandelt.

Die Dithmarscher Kliniken sind durchaus interessiert an einer engeren Zusammenarbeit mit dem Klinikum Nordfriesland – aber niemand hat das Gespräch mit ihnen gesucht.

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29. Mai 2015, 15:00 Uhr

Die laufenden Kooperations-Gespräche des Klinikums Nordfriesland mit der Diakonissenanstalt Flensburg werden südlich der Eider mit Argusaugen beobachtet. Zwar zeigen sich die Verantwortlichen des Westküstenklinikums (WKK) in Heide nicht wirklich überrascht von den Bemühungen der Nordfriesen, einen neuen Klink-Verbund zu schmieden. Aber zumindest verwundert, wenn nicht irritiert, ist man dort augenscheinlich schon. Diesen Eindruck jedenfalls vermittelt Beobachtern ein Schreiben der Dithmarscher, das nach Bekanntwerden der sich anbahnenden Ost-West-Kooperation im Husumer Kreishaus eingegangen ist.

Bereits vor drei Jahren hatte es Fusions-Verhandlungen zwischen dem WKK und dem Klinikum Nordfriesland mit seinen Standorten in Husum, Niebüll, Tönning und Wyk gegeben. Diese wurden zwar seinerzeit ergebnislos abgebrochen. Immerhin war aber eine medizinische Zusammenarbeit vereinbart und in verschiedenen Bereichen auch umgesetzt worden. Jetzt sind die nordfriesischen Klinik-Verantwortlichen jedoch direkt auf die Diako Flensburg zugegangen, ohne vorher zumindest einmal das offene Gespräch mit den Dithmarschern zu suchen.

„Wir sind interessiert an einer Kooperation mit Nordfriesland, aber es sind keine Kooperationswünsche an uns herangetragen worden“, erklärte Doris Büttner, Sprecherin des Westküstenklinikums, gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Die neue WKK-Geschäftsführerin Dr. Anke Lasserre würde sich durchaus über Gesprächsangebote freuen, hieß es. Leider stehe eine Rückmeldung der Nordfriesen noch aus.

Die Gründe für die Offenheit im Nachbarkreis liegen auf der Hand: Es gibt schon heute eine „wirklich hervorragende Zusammenarbeit“ (Büttner) der Kliniken beiderseits der Eider. Kooperiert wird in den Bereichen der Frühgeborenen, Schwangerschafts-Betreuung, Kardiologie und Nuklearmedizin. „Das klappt einfach sehr gut“, sagt denn auch Doris Büttner. Und: „Wir würden die gute interdisziplinäre Zusammenarbeit gerne intensivieren.“ Nach ihren Aussagen schreibt das Westküstenklinikum in Heide zudem regelmäßig schwarze Zahlen, während die dazugehörige defizitäre Klinik in Brunsbüttel in Absprache mit dem Land und den Kassen zurzeit in ein integriertes Versorgungszentrum mit ambulanter und stationärer Versorgung umgebaut wird. In Nordfriesland bereiten vor allem die Klinik-Standorte Niebüll und Tönning finanzielle Sorgen (wir berichteten).

Eine engere Kooperation zwischen den beiden gemeinnützigen Gesellschaften Klinikum Nordfriesland und Westküstenklinikum Brunsbüttel und Heide war schon vor drei Jahren als Erfolg versprechend ins Auge gefasst worden, weil diese sich – im Gegensatz zur kirchlichen Diako – beide in kommunaler Trägerschaft befinden. Dabei gibt es einen Unterschied in der Konstruktion: Die Klinik-Gesellschaft im Süden ist zu hundert Prozent eine Tochter des Kreises Dithmarschen, allerdings eine Betreibergesellschaft ohne Immobilien und Grundstücke. In Nordfriesland hat der Kreistag das alles komplett auf die Klinikum Nordfriesland gGmbH übertragen.

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