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Hamburger Hallig : Klimawandel unter kleinen Kuppeln

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Experiment auf der Hamburger Hallig: Wissenschaftler heizen Salzwiesen auf, um die Auswirkungen der Erderwärmung an der Küste zu erforschen.

Es ist ein weltweit einzigartiges Experiment: Forscher des Fachbereichs Biologie der Universität Hamburg und des Smithsonian Environmental Research Center in Edgewater (Maryland/USA) studieren auf der Hamburger Hallig – sie wollen wissen, wie sich die globale Erwärmung auf Salzwiesen auswirkt. Dafür richten sie im kommenden Jahr 27 Kuppeln ein. Sie sind etwa neun Quadratmeter groß, 160 Zentimeter hoch und mit transparenter Folie ummantelt. Unter diesen Folien steigt die Lufttemperatur durch die Sonneneinstrahlung an – wie in einem Gewächshaus. Mit Hilfe von 558 Heizkabeln wird zudem unter einigen Kuppeln der Boden bis in einen Meter Tiefe um anderthalb beziehungsweise drei Grad Celsius erwärmt. Bis zum Jahr 2022 soll jeweils von März bis September beobachtet werden, wie sich die Zusammensetzung der Arten entwickelt, die Nährstoffe im Erdreich umsetzen und der Boden den Kohlenstoff bindet.

Das Design des Experiments stammt von Dr. Roy Rich vom Smithsonian Environmental Research Center. Der Wissenschaftler hat schon ähnliche Anlagen dieser Art entworfen und gebaut, etwa in den Nadelwäldern Minnesotas oder im Feuchtland der Chesapeake Bay in Maryland. Die auf der Hamburger Hallig eingesetzten Komponenten wurden speziell für diese Umgebung angefertigt. Die Kuppeln wurden so entwickelt, dass sie einerseits möglichst wenig Material erfordern und andererseits den Nordsee-Stürmen standhalten. Die Forschungsanlage wird durch Mittel der Universität Hamburg finanziert und kostet rund 200.000 Euro.

„Die Salzwiesen sind ein wichtiger Lebensraum zahlreicher Pflanzen und Tiere“, sagte Dr. Stefanie Nolte gestern vor Ort : „Wir wollen wissen, wie es mit ihnen weitergeht, wenn der Klimawandel so fortschreitet.“ Die Biologin gehört der Arbeitsgruppe Küstenökologie der Universität Hamburg an und ist Projektleiterin. Auf die Frage, warum das Erwärmungsexperiment ausgerechnet auf der Hamburger Hallig gemacht werde, hat sie eine simple Erklärung: „Weil wir hier ein Stromkabel haben, an das wir uns dranhängen können.“

Über die Bedeutung der Nordsee-Salzwiesen berichtete Dr. Martin Stock vom Nationalparkamt. Seit 25 Jahren beschäftigt sich der Biologe und Naturfotograf mit diesem artenreichen Lebensraum. „Wir haben hier an der Nordseeküste von den Niederlanden bis Dänemark mit rund 40.000 Hektar das größte zusammenhängende Salzwiesengebiet weltweit.“ Diese Wiesen, die so ganz anders seien als jene hinterm Deich, hätten spezielle Eigenschaften entwickelt, um mit dem Salzwasser zurechtzukommen. Auch hätten sie für den Küstenschutz eine große Bedeutung, so Stock. „Aktuell haben wir drei Kuppeln für Voruntersuchungen aufgebaut, im März geht es dann richtig los“, kündigte Nolte an.

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