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Nordfriesland : Klimaschutz: Viele sollen mit ins Boot

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Kreistag verzichtet auf einen Klimaschutz-Beauftragten und setzt auf ein breites Bündnis sowie den Branchenverband Watt 2.0.

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erstellt am 19.Jul.2017 | 12:00 Uhr

Der Kreis Nordfriesland schlägt kräftig Haken auf seinem Weg, bis zum Jahr 2020 klimafreundlichster Kreis Deutschlands
zu werden. Sollte der Klimaschutz zunächst sogar mit zwei hauptamtlichen Mitarbeitern vorangebracht werden, schwenkten alle Beteiligten im Zuge der selbst verordneten Haushaltskonsolidierung gedanklich notgedrungen auf einen ehrenamtlichen Beauftragten um. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Jetzt wird anstelle der ursprünglich auch von allen Kreistags-Fraktionen angepeilten Lösung „ein breites nordfriesisches Klimabündnis“ angestrebt.

Für den Posten eines oder einer Beauftragten für den Klimaschutz waren zuvor drei Bewerbungen von Einzelpersonen eingegangen und eine weitere des Branchenverbandes Watt 2.0 – bekannt als Partner der Husumer New-Energy-Messe. Das inspirierte Landrat Dieter Harrsen, selbst einen Antrag zu stellen, um statt einer neuen Ehrenamtler-Position die nötige Netzwerkarbeit für den Klimaschutz gleich auf ein breiteres Fundament zu stellen. Sein Vorstoß stieß quer durch die Fraktionen auf ungeteilte Zustimmung. Und auf SSW-Anregung sollen nun bei der neuen Initiative neben dem Kreis auch die Gemeinden, die Wohnungswirtschaft und weitere relevante Akteure außer dem Branchenverband Watt 2.0 einbezogen werden. Dieser wurde 2011 von drei nordfriesischen Unternehmern in Husum gegründet. Der Verein hat inzwischen mehr als 70 Mitglieder und arbeitet von Enge-Sande aus als landesweiter Verband der Erneuerbaren Energien.

Zur Klarstellung legte der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung per Beschluss ebenfalls fest, dass „die Wahrnehmung der Aufgabe Klimaschutz, einschließlich der Koordination des zukünftigen Bündnisses durch die Verwaltung des Kreises erfolgt“. Der Landrat wurde beauftragt, dies im Zuge des Stellenplans sicherzustellen.

„Klimaschutz ist eine Querschnittsaufgabe, das kann man nicht an einer Person oder Planstelle festmachen“, erläuterte er seine Prioritätensetzung. Und: „Für mich ist Klimaschutz Herzenssache.“ Obwohl bereits vieles erreicht worden sei, plädierte er nun für ein breites Bündnis. Und: Dadurch, dass die Verwaltung federführend bleibe, werde auch der Umweltausschuss regelmäßig eingebunden.

Frank Petersen (CDU) begrüßte, dass die fachliche Kompetenz von Watt 2.0 eingebunden werde: „Das lässt für die Zukunft einiges erwarten.“ Und das sei auch nötig, denn bis 2020 sind es nur noch zweieinhalb Jahre. Viel sei zwar schon erreicht, aber gerade auch bei privaten Gebäuden sei „noch Luft nach oben“.

Positiv äußerte sich auch der Grüne Uwe Schwalm zur Kooperation mit Watt 2.0. Für den Endspurt hielt er aber eine zentrale Stelle in der Verwaltung für erforderlich, bei der alle Fäden zusammenlaufen. Denn der Masterplan Daseinsvorsorge, das Mobilitätskonzept und das Klima-Gutachten zeigten, dass vieles nicht weiterverfolgt worden sei.

„Die Zeit wird knapp“, stellre auch Hans Jacobsen (SPD) mit Blick auf das ambitionierte Ziel fest. Deshalb sei es richtig, alle an einen Tisch und das Gewerbe mit ins Boot zu holen und möglichst auch die Bevölkerung mitzunehmen. „Die Zusammenarbeit mit Watt 2.0 kann neuen Schwung bringen“, ist Jörg Tessin (FDP) überzeugt. Die Verzahnung zwischen Klimaschutzarbeit und heimischer Wirtschaft könne zu einem Erfolgsmodell werden. Jürgen Jungclaus (WG-NF ) freute sich, dass das Klima-Bündnis mit neuem Leben erfüllt wird. Er regte an, ebenfalls den Tourismus einzubinden. Auch die Linke unterstützt diesen Ansatz. Manfred Thomas legte allerdings Wert darauf, dass der Kreis federführend bleibe.

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