Nordstrand : Klimadeich fertig – Baufirma pleite

Die Deichbaustelle auf Nordstrand.
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Die Deichbaustelle auf Nordstrand.

Kaum ist der Klimaschutzdeich auf Nordstrand fertig, meldet der Generalunternehmer Insolvenz an.

shz.de von
17. Januar 2018, 07:00 Uhr

Nordstrand | Steinig bleibt der Weg für die Firma Reinhold Meister Wasserbau, die den hochmodernen Klimaschutzdeich auf Nordstrand errichtet hat. Erst musste sie im Sommer vorigen Jahres den 2,5 Kilometer langen Deich auf einer Länge von 700 Metern wieder aufreißen und Steine rausklauben, die dort nicht hingehören. Nun hat die Firma im niederbayerischen Hengersdorf im Landkreis Deggendorf mit ihren 220 Mitarbeitern Insolvenz anmelden müssen. Sie will sich in eigener Verwaltung sanieren, wie Geschäftsführer Andreas Schmieg gegenüber den Husumer Nachrichten bestätigte.

Im Juni 2017 war ein Streit zwischen dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) und dem Unternehmen ausgebrochen, wer die Kosten für die Nachbesserungen tragen soll.

Mitarbeiter der Firma betonten, dass sie von Anfang an darauf aufmerksam gemacht hätten, dass der vorgesehene Kleiboden für den Deichbau nicht geeignet sei. Der LKN wies hingegen darauf hin, dass die Verunreinigung bekannt gewesen sei und vorher hätte vertragsgemäß beseitigt werden müssen. Folglich habe auch das Unternehmen die Kosten dafür zu tragen. Auf Nachfrage der Husumer Nachrichten unterstrich LKN-Chef Dr. Johannes Oelerich am Dienstag, dass dieses Thema aus der Welt sei. „Wir haben das einvernehmlich geregelt.“ Andreas Schmieg schweigt sich auf Nachfrage dazu aus.

Nach und nach musste die oberste Bodenschicht des Deiches durchgesiebt werden – wie bei der Kartoffelernte
Foto: rahn

Nach und nach musste die oberste Bodenschicht des Deiches durchgesiebt werden – wie bei der Kartoffelernte.

 

Es ging damals nach Auskunft von Mitarbeitern der Firma vor Ort um einen umstrittenen Betrag von rund 40.000 Euro – im Vergleich zum Volumen des fünfjährigen Gesamtprojekts (2013-2017) in Höhe von 32 Millionen Euro ein kleiner Betrag. Europaweit machte die Firma allein in 2016 laut Creditreform einen Umsatz von 52 Millionen Euro. Dr. Johannes Oelerich sieht „keinen Zusammenhang“ zwischen dem nordfriesischen Projekt und der Insolvenz. Den aktuellen Stand beschreibt er so: „Die Schlussrechnung steht noch aus – und einige Restarbeiten.“ Andreas Schmieg: „Wir äußern uns dazu nicht.“

Wie sieht die Situation der Subunternehmer aus, die von der Firma eingesetzt worden sind? Wurden ihre Forderungen beglichen? Andreas Schmieg sagt auch dazu kein Wort. Dr. Oelerich weiß, dass vier nordfriesische Baugeschäfte und mehrere weitere Baufirmen und Büros in anderen Regionen von der Firma eingesetzt worden sind. Mehr kann er dazu nicht sagen, weil die miteinander eigene Verträge abgeschlossen hätten. „Mit denen haben wir keinerlei Kontakt gehabt.“

Aus einer ersten Insolvenz im Jahr 2011 war das süddeutsche Bauunternehmen heil herausgekommen, weil es von der österreichischen Holding Felbermayr mit damals 230 Mitarbeitern übernommen worden war. Von da an fühlte sich die Firma im Segment Wasserbau deutlich gestärkt und in der Lage, „das gesamte europäische Binnenwasser-System mit Know-how und Geräten zu versorgen“, wie ein Mitarbeiter damals erklärt hatte.

Forderungen können bis zum 8. Februar angemeldet werden. An dem Tag ist die Gläubigerversammlung im Amtsgericht in Deggendorf (Az. 1 IN 176/17).

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