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Küstenbollwerk auf Nordstrand : Klimadeich erreicht Etappenziel

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Deckwerk auf Nordstrands Küstenbollwerk wurde in dieser Woche rechtzeitig fertig, die Gemeinde kann mit dem Begrünen beginnen.

von
erstellt am 01.Okt.2015 | 11:00 Uhr

Sieben Land unter verzögerten das Bauprojekt zwar mitunter, dennoch wurde gestern das Deckwerk des Klimadeiches auf Nordstrand fertiggestellt. Radlader schütteten Kleie vor die Spundwand am verbliebenen offenen Ende am Hafen Strucklahnungshörn. Ein halbes Dutzend Handwerker verarbeitete die Füllung auf Nordstrands Deichbaustelle Alter Koog. Weiterhin herrscht dort Hochbetrieb. Noch ein Jahr – bis zum Herbst 2016 – werden dort die Arbeiten an Schleswig-Holsteins modernstem und technisch anspruchsvollstem Deich weitergehen. „Aber mit dem Deckwerk liegen die Handwerker im Soll“, weiß Maren Mölck aus vielen Gesprächen. Die Nordstranderin hat bis vor drei Tagen montags Baustellenführungen angeboten. „Oder nach Vereinbarung noch zusätzlich“, schiebt die Inhaberin einer sich in der Nähe befindlichen Pension hinterher. Nun laufen aber bis in den November die Arbeiten mit der Begrünung auf der Deichkrone, veranschaulicht Maren Mölck auf ihrer Internetseite heuteschondeichgeguckt.de. Dann hätten Baustellenführungen wenig Sinn, erklärt sie.

Die Straßensperrung am Norderhafen hat die Gemeinde allerdings bereits aufgehoben. Weil Nordstrander und Gäste den Deich aber noch nicht passieren können und dürfen, beurteilen einige Anlieger diese Aufhebung als zu verfrüht. „Denn nun müssen sich wieder Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer einen Fahrstreifen in beide Richtungen teilen“, versucht Maren Mölck alle Verkehrsteilnehmer zu sensibilisieren, aufeinander Acht zu geben.

Das Küstenbollwerk mit Klimazuschlag in Schleswig-Holstein ist Vorreiter in Europa. Bei der 27 Millionen Euro teuren Deichverstärkung vor dem Alten Koog haben die Ingenieure einen weiteren Anstieg des Meeresspiegels bis ins Jahr 2100 einberechnet. Der neue Deich auf der Halbinsel wird laut Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) 90 Zentimeter höher als zuvor, die Außenböschung flacher und die Deichkrone von zweieinhalb auf fünf Meter verbreitert. Dieses neuartige Profil zeichnet den Klimadeich aus: Laut LKN könnte – falls dies in einigen Jahrzehnten erforderlich wird – relativ einfach durch Aufsetzen einer Kappe der Deich im Land nochmals um einen Meter erhöht werden. Bei Fertigstellung wird das Bollwerk 8,70 Meter hoch sein – auf einer Länge von 2,5 Kilometer zwischen Norderhafen und Strucklahnungshörn.

Ferner wurden an einer prekären Stelle von mehr als 250 Metern 2000 Geotextil-ummantelte Sandsäulen benutzt. Die sogenannten Geowaben sind Flechtzäune aus Kunststoff, die mit Schotter verfüllt werden. Ein Verfahren, das laut LKN landesweit erstmals im Küstenschutz eingesetzt wird. Um die Sandsäulen zu setzen, wurde der Boden mit den Stahlrohren verdrängt. Dann werden 14 Meter lange Gewebesäcke von 80 Zentimeter Durchmesser in die leeren Rohre eingebracht, mit Sand befüllt und dieser anschließend durch Vibrieren des Rohres verdichtet.

Die Deichverstärkung wird aus Bundes- und Landesmitteln zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes finanziert. Zudem werden 16 Millionen Euro über das Zukunftsprogramm Ländlicher Raum aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds zur Verfügung gestellt. Die nächsten Klimadeiche sollen laut LKN vor Dagebüll, der Südermarsch und vor Halebüll gebaut werden.

Der Tourismus auf der Halbinsel profitiert damit also weiter vom Küstenbollwerk, hofft Maren Mölck. Seit etwa zweieinhalb Jahren war die Wahl-Nordstranderin immer mittendrin auf der Baustelle, wurde als „Mama-Chef“ tituliert. Die 58-Jährige bemüht sich daher weiter, das erarbeitete Renommee Nordstrands hervorzuheben. Denn: „bald können wir wieder auf unseren Deich.“

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