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Zurück in die Heimat : „Kleiner Jo“ geht von Bord

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Abschied mit Wehmut: Seemann Joao Freitas machte in Husum ein letztes Mal die MS "Maike" los. Jetzt kehrt der 60-Jährige auf die Kapverdischen Inseln zurück. Bei seinen Kollegen hat er den Spitznamen "Kleiner Jo".

shz.de von
erstellt am 26.Aug.2013 | 00:39 Uhr

Ein bisschen traurig schaute Joao Silvestre Freitas schon, als er das Motorschiff „Maike“ losmachte. Es war seine letzte Amtshandlung als Seemann. Zuvor hatte der 60 Jahre alte Mann von den Kapverdischen Inseln im Husumer Außenhafen schnell noch bei der Beladung von Repower-Windkomponenten geholfen und dabei gleich seinen Nachfolger eingearbeitet.

Ende eines langen und abwechslungsreichen Arbeitslebens. Ab sofort will Freitas seinen wohlverdienten Ruhestand genießen. Und der wird ihn über Hamburg in sein Heimat-Archipel zurückführen. Freitas ist verheiratet und hat zwei Söhne. Seine Frau ist schon seit vielen Jahren krank und hätte ihren Mann gern schon früher zu Hause gehabt. Aber an eine vorzeitige Rente war nicht zu denken, da der ältere Sohn eine Piloten-Ausbildung absolviert und dafür auf die Unterstützung der Eltern angewiesen ist. Mehr als 70 000 Euro mussten dafür gespart werden.

Joao Freitas, der von seinen Kollegen auch gern „Kleiner Jo“ genannt wurde, fährt bereits seit 1975 zur See. Angefangen hat er als Maschinist auf einer kleinen Fähre. Danach diente er auf vielen Schiffen. Seit 1994 ist Freitas als „Fachkraft Deck“ auf den von der Firma ATR Landhandel GmbH & Co. KG bereederten Schiffen unterwegs – zuletzt vor allem auf der MS „Maike“.

Ob er jemals seekrank gewesen sei? „Und wie“, sagt der „kleine Jo“ und lacht. „Aber das hat mich nie von der Arbeit abgehalten. Und nach einigen Jahren gewöhnt man sich daran.“ Und nun war es also so weit: Mit ehrlichen und wohlmeinenden Worten verabschiedete der Kapitän seinen Seemann und gab ihm gleich noch einen Präsentkorb mit auf den langen Weg nach Hause. „Und wenn du schon an Land rumstehst, dann schmeiß’ uns doch noch schnell mal los“, rief er ihm zu. Nachdem das Schiff dann abgelegt hatte, verabschiedete sich die Crew ein letztes Mal – mit einer lauten Schallsignalfolge, die bis zum Binnenhafen zu hören war. Dieses Signal wird eigentlich nur in der Binnenschifffahrt angewendet und ähnelt der Anfangsmelodie des Kinderliedes „Meister Jakob“. Das Signal blieb nicht ohne Wirkung. Bei ATR gab es zahlreiche Anfragen, was es damit auf sich habe. Und keine blieb ohne Antwort.

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