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24-Stunden-Husum: 13 bis 14 Uhr : Klare Sache: Vorne rein – hinten raus

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Husumer Klärwerk machen Milliarden von Mikroorganismen das Abwasser sauber. Im Durchschnitt fallen täglich 5000 Kubikmeter in Husum, Mildstedt und Schobüll an. An 365 Tagen im Jahr ist in der Einrichtung vor den Toren der Stadt alles im Fluss.

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erstellt am 11.Sep.2013 | 17:00 Uhr

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an die unterschiedlichsten Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 9: Was passiert eigentlich zwischen Toilettenspülung und Nordsee? Eine Stippvisite im Klärwerk klärt auf.

13 Uhr – Hochbetrieb in den Küchen der Stadt. Während die einen noch ihr Mittagessen kochen, haben andere es schon verzehrt und die Geschirrspülmaschine angestellt. Diese zigtausende Liter sollen alle geklärt, von Fett und anderen Stoffen befreit werden. Und so rauschen die Abwässer aus Häusern, Wohnungen, Restaurants, Hotels und Schulen durch das 240 Kilometer lange Kanalnetz in Richtung Klärwerk. Das liegt im Süden Husums, an der Straße nach Finkhaushallig. Es versteckt sich etwas verschämt ob seiner Aufgabe hinter hohen Büschen und Bäumen.

Die Anlage stammt von 1986. Und nicht nur die Husumer Abwässer werden hier klargespült, sondern auch die aus Schobüll und Mildstedt. „400 Kubikmeter sind es in der Spitze zur Mittagszeit“, erklärt Werkleiter Ekkehard Lenius. Insgesamt 5000 Kubikmeter oder umgerechnet fünf Millionen Liter sind es jeden Tag, die das Husumer Klärwerk verdauen muss. An Spitzentagen, wenn es stark regnet, kommen auch schon mal 20 000 Kubikmeter an – und das, obwohl sich Regen- und Abwasser nur noch in der Innenstadt denselben Kanal teilen. Eine Woche dauert der Kuraufenthalt für die Wassertropfen im Klärwerk, bevor sie schließlich in die Freiheit – sprich in die Nordsee – entlassen werden.

Im Klärwerk ist die Mittagspause um 13 Uhr gerade vorbei. Die elf Mitarbeiter machen sich wieder an ihr Tagwerk, sei es im Büro, sei es im Außendienst oder bei der Überwachung der Anlage. Unter ihnen sind auch Christoph Lund und die Auszubildende Selina Joost. Sie kontrollieren jetzt im Labor die Abwässer – auf den Gehalt an Nitrat, Nitrit, Phosphat, Ammonium und den Anteil an Trockensubstanz. Es ist eine Kontrolle der automatischen Kontrollgeräte, die regelmäßig vorgenommen wird.

Überhaupt läuft vieles im Klärwerk automatisch und im stetigen Rhythmus ab – nach dem Motto: Vorne kommt es rein und hinten wieder raus. „98 Prozent im Mittel aller Stoffe werden abgebaut. Das ist schon gewaltig“, sagt Lenius zufrieden. Dafür sorgen die Milliarden und Abermilliarden seiner anderen, winzig kleinen Mitarbeiter draußen in den Klärbecken: die Bakterien, die sich mit stetem Appetit über all das hermachen, was aus Spülen, Waschmaschinen, Toiletten und auch aus dem Schlachthof in Husum ankommt.

Was an richtigen Feststoffen wie Toilettenpapier, Essensresten, Haaren, Federn, Q-Tipps, Kondomen und anderen Gegenständen im Abwasser landet, das wird gleich am Anfang in der Vorreinigung herausgefischt. Eine große Rechenanlage kämmt es aus dem Wasser. Ludwig Petersen, zuständig für den Anlagenbetrieb im Klärwerk, hebt die Abdeckung: Igitt – Anblick und Geruch sind nichts für Zartbesaitete. Die graubräunliche Masse wird schließlich gepresst und am Ende von einer Schnecke in einen Container befördert. „200 Tonnen Siebgut, also 200 000 Kilogramm, fallen pro Jahr an“, sagt Petersen. Wenn alle nur das in die Toiletten täten, was hineingehört, wäre es nur ein Drittel der ganzen Menge, setzt er nach. Das wäre gut für die Bilanz, denn die Stadtwerke Husum Abwasserentsorgung müssen für die Vernichtung in der Müllverbrennung Neumünster bezahlen. 120 Euro kostet das derzeit pro Tonne. In die Toilette gehören wirklich nur Abwässer vom Menschen an sich und seinen Aktivitäten wie Kochen und Putzen – aber keine Essensreste, WC-Steine, Medikamente, Kondome und dergleichen.

Das Wasser ist inzwischen weiter in Richtung Belebungsbecken geflossen. Dort warten die kleinen Mikroorganismen mit dem großen Appetit. Die wollen für ihre Arbeit ein wenig gepflegt werden. Sie müssen mit zusätzlichem Sauerstoff gefüttert werden. „Weil es so viele sind, reicht der normale Gehalt im Wasser nicht“, erläutert Lenius. Über den Sauerstoff kann der Gehalt an Bakterien gesteuert werden und damit ein bestimmtes Abbauziel erreicht werden. Die zwei Belebungsbecken fassen jeweils 5500 Kubikmeter. Sie sind bis zu vier Meter tief.

Nach zwei Tagen Aufenthalt geht es weiter in die Nachklärung, um den Schlamm, den die Mikroorganismen erzeugen, mechanisch abzuscheiden, denn der darf nicht in die Nordsee. Das Wasser fließt schließlich in die Schönungsteiche. Hier sorgt das Sonnenlicht dafür, dass eine Menge Keime ihr Lebenslicht ausblasen, denn auch sie haben in der Nordsee nichts zu suchen. Von hier aus läuft bei Ebbe dann immer etwas Wasser in Richtung Heverstrom ab.

Doch wohin mit dem Schlamm der Mikroorganismen aus den Belebungsbecken? Dieser braunen Masse wird Wasser entzogen und Kalk hinzugesetzt. Dann wird er als Klärschlamm auf Äckern von Vertrags-Landwirten verteilt. Ein Dienstleister übernimmt diese Aufgabe. Wer jetzt die Nase rümpft oder an Schadstoffe denkt, den kann Lenius beruhigen: „Der Klärschlamm wird so streng wie kein anderes Düngemittel überwacht. Und die Husumer Abwässer haben den Vorteil, dass wir hier keine Schwerindustrie haben.“

Im Husumer Klärwerk ist alles im Fluss, rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr, ohne Pause – und zur Mittagszeit darf es eben ein wenig mehr sein.

Teil 10 morgen: Ein Arbeitsplatz im Hafen mit spektakulären Aussichten.

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