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Eiskaltes Vergnügen : Kitesurfer lassen sich vom Winterwind tragen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

St. Peter-Ording übt auch in der kalten Jahreszeit eine große Anziehungskraft auf Wassersportler aus. Kite- und Windsurfer tummeln sich jetzt auf den Wellen vor der größten Sandkiste der Westküste – durch Neoprenanzüge vor der Kälte geschützt.

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2013 | 12:00 Uhr

St. Peter-Ording | „Das sind heute Top-Konditionen“, ruft Jan Hinz von der Düne herüber. Seine gute Laune steigert sich von Minute zu Minute, während er sein Kite-Board vorbereitet. „Wenn man in den Himmel guckt, dann weiß man, warum man heute rausgeht.“ In der Tat könnte es aus Sicht dieser Wassersportler nicht besser sein. Der Wind kommt aus Südwest, neben Nordwest eine der favorisierten Windrichtungen dieser Sportart.

Jan Hinz kommt aus Hamburg und ist mit seiner Familie über Weihnachten in sein Ferienhaus auf Eiderstedt gefahren. Seit acht Jahren ist er leidenschaftlicher Kitesurfer. Er kennt mittlerweile auch einige andere Begeisterte, die sich trotz Kälte auf ihr Board stellen. Das ist etwas für die Harten, die das Extreme nicht scheuen, sondern erst daran richtig Spaß finden. Bei Null Grad ist dann irgendwann Schluss, da gibt es schon ein Limit. Heute liegt die Temperatur bei sieben Grad, das Wasser hat nur noch vier bis fünf Grad. Allerdings scheint die Sonne, sie sorgt für warme Gesichter und gute Laune.

Aber wie schützt sich der Winterwassersportler am besten vor der Kälte? Als Jan Hinz etwas später nach einem spektakulären Stunt aus den Wellen auftaucht und an den Strand kommt, wird es deutlich. Er trägt einen sechs Millimeter dicken Neoprenanzug mit Kopfhaube, Handschuhen und Füßlingen, darunter passt nur noch ein eng anliegendes Shirt. Er benutzt auch keine spezielle Schutzcreme für die Haut. Genauso wenig wie die beiden Kiter, die ein Stück weiter durch die Wellen toben. Über Weihnachten sind immer einige von ihnen am Strand zu finden. Heute sind bisher diese drei am Start. Mit ihren akrobatischen Sprüngen über den Wellen sorgen sie für einen echten Hingucker. Viele Spaziergänger bleiben länger stehen, staunen, beobachten und genießen den Anblick. Die Kiter jagen über das Wasser bis dicht an den Wassersaum, drehen, um dann wieder mit sensationeller Geschwindigkeit die Küste entlang zu fliegen. Die Strömung ist heute nicht so stark. Das ist gut.

Während Jan Hinz noch im Wasser Sprünge übt und experimentiert, kommt eine junge Kiterin aus dem Meer. Es ist Susanne Brill aus St. Peter Ording. Nach ungefähr vier Jahren Praxis hat sich die heute 25-Jährige 2012 den Titel als Deutsche Meisterin im Kitesurfen geholt. „Zwei bis drei Stunden Kitesurfen am Tag reichen im Winter“, sagt sie. „Überanstrengung oder Auskühlung könnten Verletzungen mit sich bringen.“ Natürlich sei nicht immer alles perfekt, die Wetterbedingungen nicht ideal, oder man stürzt dann doch einmal stärker. Sie hat kürzlich einen Kreuzbandriss erlitten. Aber das gehört schließlich zu diesem Sport dazu. Und Tage wie diese zeigen, wie es grundsätzlich ist: „Einfach nur klasse“, lacht sie.

Inzwischen ist auch der dritte Kiter aus dem Wasser gekommen. Ohne viele Worte wird er dabei von den anderen unterstützt, man hilft sich, wo man kann. Auch bei ihm ist die Stimmung gut. Uwe Hentzchen lebt mit seiner Familie in St. Peter-Ording. „Weißt Du eigentlich, dass ich damals extra hierher gezogen bin, weil das hier das größte Surfrevier Deutschlands und der Kitesurf-Cup in St. Peter-Ording der größte der Welt ist? Kitesurfen kann man übrigens bis ins hohe Alter, da es relativ soft ist“, erklärt Hentzchen.

Während alle damit beschäftigt sind, ihr Equipment wieder einzupacken, bleibt doch noch eine Frage offen: Ob sie eigentlich vor Weihnachten geflüchtet sind? Das sind sie eindeutig nicht. Während Jan Hinz die Weihnachtsgans von Heiligabend heute abarbeiten möchte, freut sich Uwe Hentzchen mit seiner Familie gleich im Anschluss auf das Festessen. Auch wenn sich die drei in ihren nassen Neoprenanzügen jetzt nach einer heißen Dusche sehnen, bleiben sie entspannt. „Noch ist mir schön warm“, sagt Susanne Brill.

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