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Wettbewerb in Nordfriesland : Kirchenkreis fährt auf Ideen ab

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

102 Vorschläge gingen zum Wettbewerbs-Thema „Ein Platz für Dich“ ein. Beim Jahresempfang in Breklum wurden unter anderem die Gewinner gekürt.

Irgendwann war Wolfgang Beushausen nicht mehr böse auf sich selbst. Er akzeptierte seine Krankheit, die er als „Überlagerung von Sucht“ bezeichnet. Der Eiderstedter ist Alkoholiker, hatte nach Therapien Rückfälle und ist nun schon einige Zeit wieder trocken. Nachdem er ein paar Male aus der Kurve geflogen ist, hat er seinen Platz gefunden. Die Erkenntnis, zu der er mit Hilfe der Therapeuten kam: Eine Abhängigkeit trifft einen wie ein Unfall. „Ich mache mir keine Selbstvorwürfe, kämpfe nicht mehr dagegen an, sondern lebe mit der Tatsache“, sagte er.

Selten spricht jemand offen über Alkoholprobleme – umso mehr beeindruckte Beushausen mit seiner Geschichte beim Jahresempfang des Kirchenkreises Nordfriesland im Breklumer Christian-Jensen-Kolleg. Er tat es als Auftakt zum neuen Jahresthema „Erzähl mal  ...“. Ihm zur Seite saßen Samar Dell Missier und Eberhard Steinke, die Interviews mit ihnen führten Propst Jürgen Jessen-Thiessen und Propst Dr. Kay-Ulrich Bronk. Der Festsaal war voll mit Gästen aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kirche sowie von Vereinen und Verbänden und es war sehr still, während die drei tiefe Einblicke in ihr Leben gaben.

Samar Dell Missier wurde in Beirut geboren, lebte dort auf der sogenannten grünen Linie zwischen Christen und Moslems. Sie floh in ständiger Angst und Bedrohung vor dem Bürgerkrieg und landete auf der Hallig Hooge, wo sie später als Erzieherin eine Stelle bekam. „Das war ein enormer Kontrast“, gab sie zu verstehen. Die Halligleute unterstützten sie von Anfang an, sammelten Unterschriften, damit sie eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung bekam. Inzwischen ist Samar Dell Missier voll integriert, Mitglied in sämtlichen Hallig-Vereinen und spielte sogar schon eine Rolle im plattdeutschen Theater.

Eberhard Steinke, ehemaliger Bürgermeister von Breklum, Mitbegründer des Christian-Jensen-Kollegs und Mitglied in zahlreichen Ausschüssen, erzählte aus seiner Zeit in Ostpreußen, seiner Ankunft in Breklum, von seinen zahlreichen Umzügen und der Suche nach Heimat. Alle drei haben mittlerweile ihren Platz gefunden und damit wurde deutlich, dass das Jahresthema 2015 – „Ein Platz für Dich“ – zum Beginn des neuen Kirchenjahres nahtlos in 2016 übergeht.

„Es bedarf einer Fortsetzung. Wir haben die Brisanz des Themas damals nicht geahnt“, so Propst Jessen-Thiessen mit Blick auf die Flüchtlinge, die größtenteils auf der Suche nach einem Platz für sich und ihre Familien sind. „Ja, wir haben einen Platz für sie – und ja, wir schaffen das“, sagte er. Es sei eine große Herausforderung, die viel ehrenamtliches Engagement erfordert – nicht nur auf kirchlicher, sondern auch auf kommunaler Ebene werde es geleistet.

Während des vergangenen Jahres initiierten Pastor Michael Goltz und Susanne Kunsmann vom Evangelischen Kinder- und Jugendbüro Niebüll/ Husum einen Ideenwettbewerb zum Thema „Ein Platz für Dich sucht 3 Ideen, die sitzen“ und erhielten 102 Einsendungen aus ganz Deutschland. Carmen Alsen, Rektorin der Gemeinschaftsschule mit Förderzentrum Bredstedt, die gemeinsam mit Peter Becker (Chef der Messe Husum) sowie Jörg von Berg (Redaktionsleiter der Husumer Nachrichten) die Jury bildete, war überrascht von der Vielzahl und Vielfalt der Ideen.

Die drei Gewinner, die jeweils 1000 Euro Preisgeld erhielten, stellten ihre Projekte auf dem Empfang vor. Unter dem Motto „Zwei Reifen, vier Beine – ein Weg“ bietet die Radsportgruppe der Husumer Horizonte, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen, zukünftig allen Menschen Fahrgemeinschaften mit Tandems an. Denn: Auf den Radtouren ist der Gegenwind für alle gleich, Tandem fahren heißt „Teilhaben – einen Platz haben“.

Die Idee für ein „Inklusives Musikfestival“ in und um Kirchen für Jugendliche sowie einen Musik-Wettbewerb hatte Jana Lena Reimann von der Insel Sylt. Ihren Preis nahm Anna Lena Ihme stellvertretend entgegen, da sich die Gewinnerin derzeit im Ausland befindet.

Um die Kirche für junge Menschen interessant zu machen, hatten Doreen Stadie und Brian Zube aus Husum die Idee von Online-Botschaftern. Sie sollen der Zielgruppe entsprechende Eindrücke von Kirchen über digitale Medien näherbringen.

Der Kirchenkreisrat hat im Haushalt Geld zur Verfügung gestellt, um weitere Ideen aus dem Wettbewerb umzusetzen, so Jessen-Thiessen. Weitere Informationen zum Jahresthema 2016 gibt es im Internet unter der Adresse www.erzählmal.de. Für den musikalischen Rahmen sorgte der Gospel- und Popchor „Joyful Voices“ der Kirchengemeinde Emmelsbüll-Neugamsbüll.

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