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Breklum : Kirchenhonig für ein neues Dach

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Dach und Mauerwerk des Gotteshauses werden in fünf Bauabschnitten saniert. Vier Jahre Bauzeit und 600 000 Euro Kosten wurden veranschlagt.

Man sieht es der 800 Jahre alten Kirche auf den ersten Blick nicht an, dass der Bau dringend saniert werden muss. Und doch: „Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, es besteht Gefahr für Leib und Leben“, sagt Pastor Johannes Steffen. „Das Dach ist ein Sicherheitsrisiko.“ Bei einem genaueren Blick wird deutlich, was er meint. Einzelne Schindeln haben sich, weil die Nägel inzwischen weggerostet sind, bereits gelöst, sind herabgerutscht, haben sich in die Dachrinne am Kirchenschiff entlang regelrecht durch das Blech gebohrt und große Löcher hinterlassen. „Nicht auszudenken, wenn sie auf Vorbeigehende gefallen wären“, sagt der Pastor. „Vergangene Weihnachten haben war auf Grund einer Sturmankündigung aus Sicherheitsgründen den Friedhof und die Bereiche rund um die Kirche absperren müssen“, ergänzt sein Kollege Pastor Simon Frömming. Beide teilen sich die Betreuung der sieben zur Kirche gehörenden Gemeinden. „Nur der Pfad zum Hauptportal ins Kircheninnere blieb benutzbar.“ Und immer noch weisen Warnschilder auf die Gefahr hin.

Deshalb legen beide Pastoren wert darauf, dass die lange geplanten Sanierungsarbeiten zügig losgehen. „Uns brennt es unter den Nägeln“, so Steffen. Denn viel mehr als die Sorge um die Kirche wiege die Sorge um die Menschen. Im September soll eingerüstet werden. Geplant sind fünf Bauabschnitte, erklärt Simon Frömming. Voraussichtlich vier Jahre werden die Arbeiten dauern, insgesamt wurden Baukosten in Höhe von 600  000 Euro veranschlagt. Der erste Abschnitt umfasst die Sanierung des Kirchturmdaches. 17.000 Euro sind hierfür voraussichtlich zu zahlen. „Wenn nur 170 Gemeindeglieder jeweils 100 Euro zahlen, ist die Summe schon zusammen“, sagt Pastor Steffen. Doch selbst damit wäre nur der erste Abschnitt gedeckelt. Die vier weiteren umfassen: 2. das Mauerwerk des Turms; 3. das Dach des Kirchenschiffs; 4. das Mauerwerk des Kirchenschiffs; 5. notwendige Arbeiten im Innenraum. Die letzte große Sanierung hat die Breklumer Kirche übrigens in den 60er Jahren erfahren. Nun müssen die Schindeln und Fugen erneuert werden. Johannes Steffen: „Die Steine platzen ab, der Mörtel war vermutlich damals zu hart.“

Die Planung und Baubegleitung liegt beim Kirchenkreis Nordfriesland, der Kirchengemeinderat vergibt als Besitzer des Geländes die Aufträge, die Ausschreibungen laufen noch. Simon Frömming, er stammt aus Südhessen und ist seit September in Breklum Pastor, hat das Ziel, die Gemeindeglieder bei dem Projekt Kirchensanierung von Anfang an mitzunehmen. Und dafür hat er schon einige Pläne. Einer davon ist ein Baustellengottesdienst im September, bei dem die Öffentlichkeit umfassend über die Sanierung informiert wird. Später folgt ein weiterer Gottesdienst. Frömming: „Es soll unsere gemeinsame Sanierung sein.“

Wie werden die Bauabschnitte aber finanziert? Der Kirchenkreis unterstützt die Sanierung über einen Baufond. Und auch die deutschlandweite Stiftung Kirchbau hat bereits 10.000 Euro zugesagt. Gefragt ist jetzt neben den 3.800 Gemeindegliedern die gesamte Bevölkerung. „Wir werden versuchen, für jeden der Abschnitte Spenden zu erwirtschaften – über Kollekten und durch Briefe“, so Steffen. Er möchte sich aber auch selber einbringen. Der Pastor ist Hobbyimker und hat derzeit 50 speziell geformte Gläser mit Rapshonig abgefüllt sowie mit einem selbst entwickelten Etikett versehen. Im Spätsommer folgen noch einmal 50 Gläser mit Lindenhonig. „Es ist ein regionales Produkt mit einem regionalen Bezug“, sagt Steffen und hofft auf möglichst viele Käufer zugunsten des Baus. Den Breklumer Kirchenhonig kommt man bei ihm persönlich oder im Breklumer Kirchenbüro. Gläser, die leer zurückgegeben werden, werden im kommenden Jahr nach vorgeschriebener Reinigung erneut mit Kirchenhonig gefüllt.

Der Verkauf des Honigs ist eine schöne Geste mit angesichts der Gesamtsumme eher symbolischem Charakter. „Er soll ein Beitrag sein“, sagt Johannes Steffen, der sein Hobby seit zehn Jahren betreibt, alle Lehrgänge und Prüfungen vorweisen kann und auch Mitglied im Ortsverein Bredstedt ist. Zehn Bienenvölker betreuen er und seine Kinder, die Töchter Esther (15) und Sarah (12) haben schon signalisiert, ihre Prüfungen machen zu wollen.

Plagt die Pastoren auch manchmal die Sorge, die Sanierungsarbeiten könnten noch mehr Schäden zutage fördern? „Die Angst schwimmt immer mit“, sagt Johannes Steffen. Trotz der Eile, die geboten ist, will man besonnen vorgehen. Simon Frömming: „Man muss geduldig sein, es braucht alles seine Zeit.“ Er hält nichts davon, in Hektik vorzugehen und möchte keinesfalls provisorische Lösungen. Dennoch sind beide bei jedem starken Sturm mit Westwinden besorgt. „Eine schreckliche Vorstellung ist für mich, wenn wir den Friedhof auf Grund des Wetters bei einer Beerdigung absperren müssten“, sagt Johannes Steffen. „Gottesdienste kann man notfalls in das Gemeindehaus verlegen, das geht bei Beerdigungen nicht.“

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erstellt am 02.Jul.2017 | 11:00 Uhr

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