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Bühnenprojekt wird 25 Jahre alt : Kindertheater als Familienprogramm

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vor einem Vierteljahrhundert hat der Wahl-Husumer Günter Schiemann das Bühnenprojekt für die Kleinen ins Leben gerufen.

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erstellt am 13.Aug.2017 | 08:00 Uhr

Das Kindertheater des Monats feiert Geburtstag. Mit dem Auftakt am 8. September in Bad Segeberg beginnt die 25. Spielzeit. Aus der Taufe gehoben wurde der bunte Reigen vom Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Soziokultur Schleswig-Holstein, Günter Schiemann. Im Interview erzählt der langjährige Wahl-Husumer, wie es dazu kam, was sich im Lauf der Jahre verändert hat und wo die Reise hingehen könnte.

25 Jahre Kindertheater des Monats: Wie ging es los?

Schiemann: Als ich 1985 aus Köln nach Husum kam, gab es hier nur wenig Kindertheater. Angebote wie in Köln gab es Schleswig-Holstein-weit nur in Kiel und – dank der Pole-Poppenspläler-Tage – in Husum. In Zusammenarbeit mit der Kulturagentur Nord haben wir dann ein Theater-Festival für Kinder auf die Beine gestellt, das mit fünf Veranstaltungen in Husum, aber auch anderswo im Land ganz gut besucht war. Allerdings schwebte uns kein punktuelles, sondern ein regelmäßiges Angebot vor. Und – frei nach dem Motto „kurze Beine, kurze Wege“ – wollten wir das Theater zu den Kindern bringen. Deshalb gab und gibt es auch kein Kindertheater des Monats in Ferienzeiten oder zu Weihnachten, wenn wir eh ein Überangebot haben.

In Husum gab es ja schon das Internationale Figurentheater-Festival. Wurde das Kindertheater da nicht kritisch beäugt oder vielleicht sogar als Konkurrenz empfunden?

Nein, da gibt es keine Konkurrenz. Im Gegenteil. Wir unterstützen uns gegenseitig. Die Poppenspäler haben freien Eintritt zu unseren Stücken und umgekehrt. So können wir voneinander profitieren. Außerdem sind wir seit Jahren mit einem Stück im Internationalen Figurentheater-Festival vertreten. Konkurrenz ist da eher schon das Schleswig-Holsteinische Landestheater, das mit Dumping-Preisen durchs Land zieht und damit nicht nur das Preisgefüge durcheinanderbringt, sondern auch die Wertigkeit von Kindertheater beeinträchtigt.

Wo und wie haben Sie Ihre Kooperationspartner gefunden?

Na ja, die Landesarbeitsgemeinschaft als Träger und inzwischen Veranstalter des Kindertheaters war und ist gut vernetzt. Außerdem sprach sich die Sache schnell herum, und es gab Anfragen – zum Beispiel vom Flensburger Jugendring oder von der Kinderbeauftragten in Bargteheide. So hat sich das peu à peu entwickelt. Inzwischen sind acht Mitglieder und zwölf Nicht-Mitglieder der LAG mit von der Partie.

Wie wichtig sind solche Initiativen für die Theatergruppen im Lande?

Es fördert ganz einfach ihre Existenz. Außerdem achten wir darauf, dass die freien professionellen Gruppen in Schleswig-Holstein bevorzugt behandelt werden – vorausgesetzt, die Qualität stimmt. Immerhin wird das Ganze ja aus dem Landesetat bezuschusst. Einmal pro Saison sollte auf jeden Fall eine Bühne aus dem Norden dabei sein – vom „Wunderlandtheater“ aus Rondeshagen bis zum „Fabula-Theater mit Figuren“ in Idstedt. Eine Saison Kindertheater des Monats sind 20 Vorstellungen. Das entspricht für viele Bühnen dem Fünftel ihres Jahres-Umsatzes.

Wie wird das alles finanziert?

Ein Drittel kommt vom Land. Damit werden sämtliche Overheadkosten – von der Tourneeorganisation bis zur Logistik – bestritten. Ein weiteres Drittel wird über Eintrittsgelder generiert und das letzte über die Kalkulationen unserer Kooperationspartner, die – je nach Ausgangslage – bei der Preisgestaltung relativ freie Hand haben. Karten für das Kindertheater des Monats kosten zwischen 3,50 und sechs Euro. Der Jahresetat für landesweit 140 Veranstaltungen beträgt 170.000 Euro.

Welche Veränderungen hat es in den zurückliegenden 25 Jahren in der Theaterlandschaft, aber auch im Theaterspiel selbst gegeben?

Auf der einen Seite sind die Spielformen freier geworden, aber dafür ist die freie Theaterszene insgesamt in die Jahre gekommen. Junge Theater sind selten und die etablierten Ensembles heute in der Regel Ü40. Junge Schauspieler haben es enorm schwer und suchen daher lieber nach festen Anstellungen. Neu ist das, was wir als Pampers-Theater bezeichnen: Inszenierungen für Kinder von eineinhalb bis vier Jahren. Da sind natürlich auch viele Eltern dabei. Beim Kindertheater des Monats ist das Verhältnis 70 Kinder zu 30 Erwachsene). Deshalb sprechen wir auch von unserem Familienprogramm. (Denkt kurz nach.) Diese Spielform wäre auch etwas für Senioren, die ihre Kindheitserlebnisse wiederentdecken.

25 Jahre sind sicher ein Grund zum Feiern, oder?

Ja, aber wir feiern nicht. Wir werden wohl den 30. Geburtstag begehen und das dann mit meinem Abschied verbinden. Ich bin froh, dass sich das Projekt so gut etabliert hat und nicht zur Disposition steht, sondern in anderen Bundesländern sogar Nachahmer gefunden hat.



>Das gesamte Programm ist unter www.Kindertheater-des-Monats.de im Internet zu finden.

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