Kindergartenkindern stinkt’s

Eliya, Lasse, Momme und Marta haben einen Hundehaufen entdeckt und mit einem Fähnchen markiert.
Eliya, Lasse, Momme und Marta haben einen Hundehaufen entdeckt und mit einem Fähnchen markiert.

Die Kleinen aus der Brückenstraße haben genug vom Hundedreck auf Friedrichstadts Straßen – und starten eine ungewöhnliche Aktion

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10. März 2018, 15:25 Uhr

„Wir wollen uns beschweren!“ Mit dieser Forderung kam überraschend eine Abordnung des ADS-Kindergartens Brückenstraße in das Friedrichstädter Rathaus und bat mit Nachdruck um Audienz beim Bürgermeister. Weil Eggert Vogt gerade nicht vor Ort war, nahm Stadtmanagerin Kerstin Lamp die aufgebrachte Delegation in Empfang: „Was ist denn los?“, wollte sie wissen und staunte. Die Geschichte, die ihr die Lütten erzählten, stinkt nämlich wortwörtlich zum Himmel – und unter den Schuhen der Kinder.

Denn egal, ob sie morgens aus dem Bus steigen und das kleine Stück zum Kindergarten laufen, ob sie einen Ausflug machen oder durch Friedrichstadt spazieren, immer hat am Ende mindestens ein Kind Hundekot unter den Stiefeln und trägt den mit in die Garderobe. Den Erzieherinnen steigt der Duft meist sehr schnell in die Nase und am liebsten würden sie die Stinkestiefel direkt vor die Tür befördern. Doch die Kinder brauchen ihre Schuhe – und so bleibt die unangenehme Putzarbeit an ihnen hängen.

Nachdem der Bürgermeister von der Beschwerde gehört hatte, besuchte er den Kindergarten und ließ sich mit Hilfe von Bildern und Bastelmaterialien erklären, was die Kinder beobachtet hatten und was sie nun selbst gegen dieses Problem tun wollten: Mit viel Fleiß hatten sie bereits eine Vielzahl von Fähnchen gebastelt, die auf der einen Seite die Aufschrift „Den Kindern kommen die Tränen, wenn sie diese Haufen sehen“ tragen, und auf der anderen die Adresse des Kindergartens. „Diese Fähnchen wollen wir in alle Kackhaufen stecken, die wir unterwegs sehen“, machten die Kleinen deutlich. „Eine tolle Idee“, lobte Eggert Vogt.

Über das Ergebnis dieser Aktion konnte allerdings auch er nur entsetzt sein, denn schon im ersten Anlauf kamen die Kinder gerade mal bis vor die Tür ihrer Einrichtung. Dort, auf dem schmalen Grünstreifen an der Bushaltestelle entdeckten sie gemeinsam mit ihren Erzieherinnen Petra Harders und Susanne Petrowski auf Anhieb 19 Kothaufen, die allesamt mit einem Fähnchen versehen wurden. Der ganze Streifen war am Ende orange beflaggt. Bevor sich die Gruppe den nächsten paar Metern widmen konnte, musste erst Nachschub gebastelt werden.

„Nebenbei entdecken die Kinder eine Menge Müll, den sie dann auch nicht liegenlassen wollen“, freut sich Einrichtungsleiterin Catrin Jensen. Die meisten Mädchen und Jungen wünschen sich später selbst einen Hund. „Nach dieser Aktion dürfen wir wohl davon ausgehen, dass zumindest in den Familien dieser Kinder das Aufsammeln und Entsorgen der Hinterlassenschaften zur Selbstverständlichkeit werden wird“, so die Erwartung der Erzieherinnen. Sie hoffen nun, dass sich die Hundebesitzer die mahnenden Fähnchen zu Herzen nehmen und künftig ordnungsgemäß aufsammeln werden.

Darüber hinaus wies Stadtmanagerin Kerstin Lamp darauf hin, dass das Liegenlassen der Hinterlassenschaften mit Bußgeldern geahndet wird. Sie empfiehlt das Mitnehmen von Kotbeuteln und die Entsorgung in der heimischen Restmülltonne. Für den Notfall gibt es in der Stadt Beutelspender.

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