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Husumer Nachrichten

23. Oktober 2017 | 16:26 Uhr

Kinderbetreuung auch am Sonnabend

vom

Sozialausschuss stimmt für entsprechenden Antrag der Kirchengemeinde Husum-Rödemis / Startschuss soll im August fallen

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2013 | 10:02 Uhr

Husum | Es war ein Zeitungsartikel, der Henning Möller auf die Idee brachte: "Ich hatte gelesen, dass es in Schwerin eine Kindertagesstätte gibt, in der Mädchen und Jungen sieben Tage die Woche betreut werden - rund um die Uhr." Nicht, dass der Vorsitzende des Rödemis Kirchengemeinderates so etwas auch in Husum einführen wollte. Aber Bedarf für ein Betreuungsangebot am Wochenende sieht er durchaus. "Und wir hatten auch schon erste Anfragen", sagt Petra Meves.

Die Leiterin des Kirchenkreis-eigenen Kindergartens weiß, wovon sie redet und kann auf Umfrageergebnisse verweisen. Danach ist die Zahl der Beschäftigten, die nicht in der Woche, sondern auch am Wochenende arbeiten müssen, in den vergangenen zehn Jahren von 6,7 auf 8,9 Millionen gestiegen. Das entspricht einer Steigerung von 22,5 Prozent. Diesem wachsenden Bedarf will die Kirchengemeinde Rödemis Rechnung tragen und Eltern fortan auch sonnabends ein Betreuungsangebot unterbreiten. Dafür soll die Kita von August an jeden Sonnabend von 7.30 bis 13.30 Uhr geöffnet werden, erläutert Möller. Doch weil er nicht mit der Tür ins Haus fallen wollte, informierte der Gemeinderatsvorsitzende zunächst Konrad Görsch, den Vorsitzenden des zuständigen Sozialausschusses, und stieß bei ihm "auf offene Ohren". In die jüngste Sitzung des Gremiums brachte er dann einen entsprechenden Antrag ein. Projekt-Laufzeit: drei Jahre. Gesamtkosten: 23 400 Euro per anno. Davon entfallen 6800 Euro auf die Eltern. Den Rest übernimmt die Stadt. Beginn: August. 2014 soll es dann einen Zwischenbericht des Trägers geben. Und 2015 - nach Diskussion des Abschlussberichts - wird sich die Stadt mit der Frage beschäftigen, ob aus dem Übergangsangebot eine Dauerregelung werden und die Maßnahme zum Bedarfsplan des Kreises Nordfriesland angemeldet werden soll. Es wäre das erste Angebot dieser Art weit und breit, fassen Möller und Meves bei einem Pressegespräch nicht ohne Stolz zusammen. Görsch spricht sogar von einem "Modellvorhaben".

Also alles bestens? Nicht ganz, denn im Ausschuss löste Möllers Antrag eine Debatte aus, die nicht nur an die Betreuungsgeld-Diskussionen im Deutschen Bundestag erinnerte, sondern auch daran, dass am 26. Mai Kommunalwahlen sind. So warf Birgitt Encke (CDU) die Frage auf, ob das neue Angebot dem Kindeswohl entspreche. Möller nahm den Gedanken auf und erwiderte, dass es zunächst einmal darum gehe, eine institutionalisierte, verlässliche Betreuung anzubieten - "nicht heute die Oma und morgen die Nachbarin." Dessen ungeachtet beantragte Encke, den Anteil der Stadt auf 17 000 Euro zu deckeln. Sollte das nicht reichen, müssten die Eltern ran. Dem widersprach Torsten Schumacher: Den städtischen Anteil zu deckeln, sei ein Eingriff in die Tarifautonomie, so der SPD-Politiker. Enckes Antrag wurde mit Mehrheit abgelehnt.

Uwe Ehrich (SSW) machte unterdessen ein anderes Fass auf. Er wollte wissen, wie es denn mit einer Beteiligung der "eigentlichen Nutznießer", also der Wirtschaft, aussehe. In diese Kerbe stieß auch Holger Delfs. Die Kirchengemeinde habe ihren Antrag zwar mit viel Empathie, aber ohne pädagogische Begründung formuliert, sagte der Leiter des Sozialzentrums. Außerdem gab er zu bedenken, dass der Staat schon vieles finanziere, was originär Aufgabe der Wirtschaft sei und schlug vor, darüber alsbald mal ein Gespräch zu führen. Sonst nähmen "die kostensenkenden Steilvorlagen der öffentlichen Hand für den Arbeitsmarkt" womöglich überhand.

Für Meves und Möller ist das eine andere Baustelle. Ihnen geht es zunächst einmal darum, auf eine Notsituation zu reagieren. "Die Kinder für diese zusätzliche Betreuung werden ja nicht geschaffen", sagen sie. "Es gibt sie schon." Die neue Einrichtung schafft Platz für bis zu 20 Kindern. Und weil der Sonnabend auch für sie kein Tag wie jeder andere ist, sollen sie dessen Ablauf aktiv mitgestalten.

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