Nordstrand : Kiefhuck – das Ende einer Ära

Diese Tapete hat ein Gast vor Jahren gestaltet. Der neue Eigentümer will sie so erhalten.
1 von 4
Diese Tapete hat ein Gast vor Jahren gestaltet. Der neue Eigentümer will sie so erhalten.

Gerd Höfer schließt zum Monatsende sein Gasthaus. Schweren Herzens verabschieden sich die Nordstrander von einem Original.

shz.de von
10. Januar 2018, 06:00 Uhr

Eine Ära geht zu Ende. Gerd Höfer (65) hat seinen Gasthof „Kiefhuck“ mit Saal verkauft und geht in den Ruhestand. Die Käufer wollen das Gebäude, das seit Juni 1970 als gastliches Haus dient, künftig privat nutzen.

Offiziell sagte der beliebte Gastronom und gelernte Koch aus Leidenschaft, dessen Fisch-, Lamm- und Fleischspezialitäten in der Region und darüber hinaus bekannt waren, bereits beim Neujahrsempfang „Adieu“. Doch noch einmal möchte er sich von seinen treuen Stammgästen, den Vereinsmitgliedern sowie Stammtisch-Nutzern persönlich verabschieden. Ein letztes Mal wird er sein Domizil am Sonntag (14.) in der Zeit von 11 bis 14 Uhr für einen Frühschoppen öffnen.

„Für mich ist das hart, aufzuhören, ohne einen Nachfolger gefunden zu haben und die Halbinsel, auf der ich seit meiner Geburt zu Hause war, zu verlassen. Ich gehe dann nach 29 arbeitsreichen Jahren in Rente. Bis zum Monatsende muss ich räumen“, informiert er. Andererseits freue er sich auch, dass er endlich mehr Zeit für seine Familie hat. Mit Ehefrau Angelika wird er dann künftig in Treia wohnen, in der Nähe eines seiner beiden Söhne. Des Berufes wegen konnte er seine eigenen Kinder gar nicht richtig aufwachsen sehen. Das könne er denn jetzt wenigstens bei seinen vier Enkelkindern nachholen.

Gern hätte er den Gasthof im Interesse der Gäste und Nordstrander Vereine an einen Berufskollegen abgegeben. Doch es fand sich in sechs Jahren intensiver Suche niemand. „Wenn dann plötzlich jemand kaufen will, muss man einfach handeln“, so Höfer. Leider hätten es Jungunternehmer in der heutigen Zeit besonders schwer, sich selbstständig zu machen. Die Banken seien vorsichtig geworden, und viele Auflagen von Behördenseite erschwerten den Einstieg. „Kein guter Trend, und leider bricht nun für Nordstrand wieder etwas weg. Es gibt dann nur noch einen Saal“, sagt Gerd Höfer, der in all den Jahren immer seine Gäste im Mittelpunkt gesehen hat. Sogar seinen Urlaub hatte er manchmal unterbrochen, um eine Familienfeier oder ein Vereinsfest auszurichten. „Ich hoffe, dass alle die nötigen Räume auf der Halbinsel finden“, so sein Wunsch.


Das sagen die Nordstrander

„Ja, das ist ein herber Verlust. Wir müssen uns nun nach 40 Jahren Stammlokal Kiefhuck ein neues suchen, und das muss unbedingt auf Nordstrand bleiben. Wir haben aber schon ein heißes Eisen im Feuer“, sagt Marlies Hinz, Awo-Ortsverbands-Vorsitzende.

„Man muss aufpassen, dass Nordstrand nicht ausblutet“, so ihre Vorgängerin Christa Formeseyn, die auch Koordinatorin des Netzwerkes für Flüchtlinge auf dem Eiland ist. Es gebe schon keine Apotheke oder Tankstelle, bald auch keine Bankfiliale mehr. Nach der Nord-Ostsee-Sparkasse wolle sich demnächst auch die VR Bank ausklinken. Nur noch Selbstbedienungsstationen seien offenbar wirtschaftlich. Die Entwicklung sei auch schlecht für den Tourismus.

„Ja, wir müssen sehen, wo wir steuern können, aber bei Privatleuten oder Firmen haben wir eben als Kommune keinen Einfluss“, sagt Bürgermeister Werner-Peter Paulsen. Er bedauere sehr, dass Höfer, auch als Mann der klaren Worte bekannt, gehe. Damit ginge ein Original. Die rauschenden Feste werden fehlen, genauso, wie das gute Essen. Besondere Achtung verdiene Höfer für sein soziales Engagement. Er habe ohne auf den Cent zu schauen, ältere Mitbürger, die selbst nicht mehr kochen konnten, frisches Essen geliefert.

„Die Nordstrander haben mir den Einstieg leicht gemacht. Nun, sie kannten mich ja, weil ich hier meine Kindheit verbrachte und zur Schule ging“, erzählt Noch-Hausherr Höfer. 1989 übernahm er das Domizil von seinen Eltern Erika und Fritz Höfer. Die wiederum hatten es von der Gemeinde gekauft und am 3. Juni 1970 nach Sanierung eröffnet. Der Saal wurde 1979 angebaut, die zuletzt zehn Hotelzimmer grundlegend saniert. Zuletzt verfügte sein Gasthof über 50 Sitzplätze im Restaurant, 25 im Clubraum und bis zu 140 im Saal. Ausgezeichnet war er nach der Deutschen Hotelklassifizierung mit zwei Sternen.


„Ich habe viel gelernt“

Seine Ausbildung absolvierte Gerd Höfer im Hotel „Stadt Hamburg“ auf Sylt bei Meisterkoch Walter Niemann, zu dem er immer noch Kontakt hat. Bevor der gelernte Koch in die Fußstapfen seiner Eltern trat, arbeitete er zehn Jahre lang in renommierten Häusern Deutschlands, wie in Idar-Oberstein, Schloßhotel Tremsbüttel, Ratskeller Kiel, und der Schweiz. „Ich habe viel gelernt, besonders in der Schweiz, wo ich in Arosa als Alleinkoch meinen Mann stehen musste“, so Höfer. Alles in allem wolle er keines seiner Berufsjahre missen. Zehn Köche habe er insgesamt ausgebildet. 26 Jahre lang habe ihn Yvonne Möller als ständige Servicekraft begleitet. Seinem Vater, der schon mit 57 Jahren verstorben war, habe er viel zu verdanken, nicht zuletzt die gewachsene Liebe für die Gastronomie.

Seit 1988 ist Gerd Höfer Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Ortsgruppe Pellworm-Nordstrand. Den Posten gibt er im kommenden Monat ab. Schwer genug wird es werden, so gibt der Gastronom sichtlich bewegt unumwunden zu, wenn er am Monatsende die Tür das letzte Mal verschließen wird. „Ich wünsche Nordstrand ein gutes Wachstum in Sachen Tourismus und allen Bürgern Wohlergehen und Harmonie. Danke für die tolle Zeit.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen