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Kontroverse Diskussion : Keine Oberstufe in Bredstedt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein deutliches Votum des Schulverbandes Mittleres Nordfriesland gibt es gegen die Pläne der Gemeinschaftsschule in Bredstedt. Die Zuhörer hatten zuvor in zwei Stunden die Möglichkeit genutzt, ihre Meinung zu äußern.

An der Gemeinschaftsschule Bredstedt wird es keine gymnasiale Oberstufe geben. Das Ergebnis der Sitzung des Schulverbandes Mittleres Nordfriesland sprach eine deutliche Sprache. Mit 21 Nein- und sechs Ja-Stimmen fiel das Votum dagegen aus. „Soviel Publikum wünschen wir uns eigentlich immer“ – so hatte Verbandsvorsteher Sven Paulsen die gut 130 Zuhörer, darunter Eltern, Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie Lehrkräfte in der Aula der Landwirtschaftsschule begrüßt. Wegen des sensiblen Themas räumte er den Gästen in der Einwohnerfragestunde fast zwei Stunden Zeit ein. Jeder der wollte, durfte seine Argumente ausführlich darlegen. Davon machten viele Gebrauch. Sowohl Pro- als auch Kontra-Beiträge wurden mit Beifall bedacht. Die Vorsitzende des Elternbeirates der Gemeinschaftsschule, Sandra Kohn, berichtete, dass die Mehrheit der Schüler und Eltern sich in einer internen Umfrage für die Einrichtung der Oberstufe ausgesprochen hatten. „53 von 96 in Frage kommende Schüler der Klassen sieben bis zehn haben sich für Bredstedt ausgesprochen. Zwölf würden von vornherein nach Husum gehen, fünf nach Niebüll und drei wollten andere Möglichkeiten wahrnehmen“, so Sandra Kohnke. In der Schulkonferenz hätten 31 Lehrkräfte bei fünf Enthaltungen dafür gestimmt.

Schulleiterin Carmen Alsen bekräftigte: „Wir möchten den Kindern der Stadt und der Region Mittleres Nordfriesland die bestmöglichsten Bildungschancen bieten. Dafür ist der Standort Bredstedt prädestiniert.“ Die Schule biete beste Voraussetzungen. Nur Fachräume und Lehrmittel müssten aufgestockt werden. Fachkräfte seien vorhanden, fehlende würden vom Land eingesetzt. Enge Zusammenarbeit mit den Beruflichen Schulen sei gewährleistet. Die Gymnasien in Husum und Niebüll wären nicht gefährdet. Den Kindern würde das Angebot kurze Wege bescheren und im kleineren Rahmen könne eine individuellere Betreuung erfolgen. Auch die vorgeschriebene Mindestschülerzahl werde künftig erreicht. Eine Mutter erklärte: „Zwei meiner Kinder wurden zunächst in Husumer Gymnasien eingeschult, mussten aber wieder zurück in die Gemeinschaftsschule. Das wäre nicht passiert, wenn die Oberstufe vorhanden gewesen wäre. Sie wären dann in ihrem sozialen Umfeld geblieben.“ Goldelunds Bürgermeisterin Waltraut Schnoewitz plädierte ebenfalls dafür. Für ihre eigenen Kinder hätte sie sich kürzere Wege gewünscht. Sie waren täglich zwei Stunden nach Husum unterwegs. Nach Bredstedt wären es nur 30 Minuten gewesen. Ein wenig mehr Kindheit wäre besser gewesen. Der Standort Bredstedt habe als Zentralort Stärkung verdient. Bredstedts Bürgermeister Knut Jessen fand, dass die Signale der Schule, Eltern und Kinder Grund genug seien, hier einzulenken.

Es gab auch die andere Seite. Eine Mutter von fünf Kindern vertrat die Meinung, dass aus ihrer Erfahrung heraus beispielsweise die Husumer Gymnasien die bessere Qualität aufgrund der langjährigen Erfahrungen aufweisen. Es würden mehr Arbeitsgruppen angeboten. Drei ihrer Kinder gingen nach Husum. Zwei wollen studieren. Die Fahrzeiten nach Husum seien zuzumuten. Immer wieder würde sie so entscheiden. „Das schaffen die Kinder. Habt mehr Vertrauen in sie“, so ihre Meinung. Die Gemeinschaftsschule, so eine weitere Stimme, sei zwar gut, jedoch halte sie die Einrichtung der gymnasialen Oberstufe für ein Experiment. Die Konzepte in Husum und Niebüll würden stehen, während Bredstedt sozusagen „Baustelle“ sei. Bohmstedts Bürgermeister Peter Tücksen warnte vor der demografischen Entwicklung. Sie werde unterschätzt. „Es gibt nicht genügend Geburten“, sagte er. In Zukunft werde die geforderte Mindestschülerzahl von 50 wegbrechen. Das zeigten Schließungen diverser Grundschulen. Die Hausaufgaben seien noch nicht gemacht.

Margarethe Ehler schlug als Bordelumer Bürgerin in dieselbe Kerbe. „Wo sollen die benötigten Kinder herkommen? Wollen wir sie in Nachbarkreisen abwerben?“ – fragte sie.

Dirk Albrecht, Bürgermeister der Reußenköge, warnte: „Wenn es nach der dreijährigen Testphase nicht hinhaut, bleiben die Kinder auf der Strecke. Lasst uns nicht auf ihrem Rücken ausprobieren.“ Bordelums Bürgermeister Peter Reinhold Petersen lobte schließlich die sachlichen Wortbeiträge. Die Situation in jeder Gemeinde sei anders. In seiner Gemeinde gäbe es beispielsweise elf Schüler, die die Oberstufe in Bredstedt besuchen würden. „Ich finde, wir würden Bredstedt attraktiver machen.“













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erstellt am 30.Okt.2014 | 18:00 Uhr

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