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Vier neue Schutzgebiete : Keine Chance mehr für Windkrafträder

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Charakter von  Nordfriesland soll nicht komplett durch  Windkraftanlagen beeinträchtigt werden. Deshalb weist der Kreis jetzt vier  neue Landschaftsschutzgebiete aus.

Der Kreis macht jetzt ernst: Um vier als charakteristisch für Nordfriesland eingestufte Landschaftsräume zu bewahren, werden vier neue Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Darüber informierte Landrat Dieter Harrsen nun offiziell in einem Schreiben 55 betroffene Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. Bei den Gebieten handelt es sich um die Landschaftsräume Wiedingharder und Gotteskoog, Geest- und Marschlandschaften der Soholmer Au, Geest- und Marschlandschaften der Arlau sowie die Ostenfeld-Schwabstedter Geest mit vorgelagerter Marsch.

Harrsens Ziel ist es, die vier Räume weiterhin frei von Windkraftanlagen zu halten. Der erste juristische Schritt in diese Richtung sei von Juli an die „einstweilige Sicherstellung“, um in einem zweiten Schritt den Erlass von Schutzgebietsverordnungen vorzubereiten. Diese sollen sich auf den Schutz des Landschaftsbildes und der kulturhistorischen Merkmale konzentrieren, um die Errichtung von Windrotoren zu verhindern. Für die landwirtschaftliche Bodennutzung und für die Wasserwirtschaft ändere sich nichts, versichert er.

In seinem Schreiben erinnert der Chef der Kreisverwaltung daran, dass in Nordfriesland erstmals im Jahr 2002 – in Abstimmung zwischen Kreis und Landesplanung – „charakteristische Landschaftsräume“ (CL) in den Regionalplan aufgenommen wurden. „In diesen Gebieten wurde und wird das traditionelle Erscheinungsbild unserer Heimat in besonderem Maße deutlich. Die Schutzkategorie CL verfolgt den Zweck, solche Räume für heutige und kommende Generationen möglichst unverfälscht zu bewahren. Dazu gehört insbesondere, dort keine Windkraftanlagen zuzulassen“, so Landrat Harrsen.

Die Windkraftanlagen oder -parks, die zum Zeitpunkt der Ausweisung als CL bereits zum Beispiel in der Hattstedtermarsch und in Langenhorn standen, wurden nach 2002 in einem aufwendigen Verfahren mittels Repowering an andere Standorte verlagert. „Dieser Erfolg sollte nicht leichtfertig wieder aufgegeben werden“, betont Harrsen. Doch dieser sei gefährdet, seit die Teilfortschreibungen des Regionalplanes von 2012, die ja Windeignungsgebiete festlegten, durch ein Gerichtsurteil aufgehoben wurden. Um zu verhindern, dass in den charakteristische Landschaftsräumen demnächst Windparks entstehen können, seien die beabsichtigten Unterschutzstellungen „dringend geboten“.

Derzeit betreibt das Land Schleswig-Holstein ein neues Verfahren der Regionalplanung für die Ausweisung von Windkraft-Vorrangflächen, mit dem es den gerichtlichen Vorgaben entsprechen will. Dabei wurde ein landesweit einheitliches Verfahren für die Bewertung von CL gewählt, das den naturräumlichen Besonderheiten in Nordfriesland nach Auffassung des Kreises aber nicht vollständig gerecht wird. Lediglich in Teilräumen wie Eiderstedt und den nordfriesischen Inseln deckten sich die Vorstellungen der vom Land beauftragten Gutachter und der Landesplanung mit dem 2012 vom nordfriesischen Kreistag verabschiedeten Konzept. Die damals erkannten Besonderheiten charakteristischer Landschaftsteile des Festlandes würden in der Planung des Landes voraussichtlich nicht mehr berücksichtigt und geschützt.

„Mir liegt jedoch viel daran, den Regelungsinhalt des Kreiskonzeptes von 2012 zu bewahren“, schreibt Dieter Harrsen den Gemeinde-Oberhäuptern. „Es wurde damals nach sorgfältiger Diskussion und Abwägung von unserem Kreistag beschlossen und war von einem ausgewogenen Verhältnis der Windkraftnutzung und der Interessen des Tourismus, der Geschichte und Kultur geprägt.“ Dabei legt er Wert auf die Feststellung, dass der nordfriesische Beitrag zur Energiewende durch dieses Verfahren nicht gefährdet wird: „Außerhalb der CL wird es in Nordfriesland auch künftig umfangreiche Flächen für die Windkraft geben.“Näheres:  www.nordfriesland.de/cl

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