zur Navigation springen

Die etwas andere Versicherung : Keine Angst vor Glasschäden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Versichern auf Gegenseitigkeit – dass dieses Prinzip auch heute noch funktioniert, beweist der Verein für Glasversicherung Husum von 1923.

Mit seinen 94 Jahren ist der 1923 gegründete Verein für Glasversicherung auf Gegenseitigkeit (a.  G.) Husum aus der städtischen Vereinsgeschichte nicht wegzudenken. Aktuell zählt er 414 Mitglieder. Dennoch gibt es Menschen in Nordfriesland, die noch nie etwas von seiner Existenz gehört haben. Grund genug, einmal nachfragen: Was macht der Verein eigentlich? Die Antwort ist erstaunlich simpel: Die Mitglieder zahlen einen jährlichen Beitrag und versichern sich damit gegen etwaige Schäden an den Glasflächen ihrer Geschäfte und Eigenheime.

Dabei ist es unerheblich, ob es sich um kleine Fenster oder große Schaufensterfronten handelt; selbst Wintergärten, Gewächshäuser, Ceran-Kochfelder oder der Terrassen-Windschutz können mitversichert werden. Geht etwas zu Bruch, wird der Schaden schnell und unbürokratisch aus dem Vereinsvermögen beglichen. Ein System, das seit mehr als 90 Jahren funktioniert. „Es garantiert den Vereinsangehörigen kompetente Betreuung vor Ort, unkomplizierte Schadensregulierung, kurze Entscheidungswege sowie individuelle und sehr günstige Prämien. Nicht zu vergessen unser traditionelles Eisbeinessen bei der jährlichen Mitgliederversammlung“, findet Torsten Peters. Der Vorsitzende schätzt diese kulinarische Tradition ebenso sehr wie Björn Lorenzen, der Geschäftsführer des Vereins.

Während Peters die besondere Form der Glasversicherung mit dem Erwerb seines Hauses quasi „geerbt“ hat, kam Lorenzen im Zuge seiner beruflichen Tätigkeit im Versicherungswesen dazu. Die uralte Idee dahinter finden beide spannend, auch weil sich die Liste der Namen früherer und aktueller Mitglieder wie das „Who’s who“ der Husumer Kaufmannsgeschichte liest. Schon vor 110 Jahren beschäftigten sich die Kaufleute in der Stadt mit der Frage, wie sie ihre Auslagen in den Schaufenstern besser schützen können. Da die Versicherungsgesellschaften in der Regel hohe Prämien verlangten, suchten sie nach Alternativen – und so wurde erstmals 1907 in einer Versammlung des „Kaufmännischen Vereins“ über ein Glasschutzverein nachgedacht.

Die Realisierung erwies sich als aufwendig und schwierig, daher sollte es noch 15 Jahre dauern, bis das Anliegen dem Commerzium der Stadt vorgetragen und anschließend in die Tat umgesetzt wurde. Seine Gründung verdankt der Verein letztendlich der sorgfältigen Vorarbeit einiger engagierter Kaufleute, die damals mehr als 30 Gleichgesinnte um sich versammelten und am 3. Februar 1923 zu einer ersten Zusammenkunft einluden. Dann ging alles sehr schnell: Bereits am 1. Mai 1923 trat die Versicherung in Kraft.

In den Folgejahren gab es gefährliche Klippen wie Inflation, Krieg und Wirtschaftskrisen zu umschiffen. Immer wieder galt es, Probleme aus dem Weg zu räumen. Aus dieser Zeit stammt beispielsweise die Empfehlung, Schuhe nicht mehr paarweise in die Auslage zu stellen, sondern einzeln – das sollte Spitzbuben davon abhalten, die Scheiben einzuschlagen. Schäden im Vorwege zu verhüten war auch der Gedanke hinter dem Verbot, in den Straßen Fußball zu spielen, Zettel an die Schaufenster zu kleben oder sie im Winter mit Kerzenlicht oder Höhensonnen aufzutauen. In den 30er-Jahren wurde das Vereinsgebiet auf Bredstedt ausgeweitet, in den Fünfzigern kam Niebüll dazu. In beiden Städten existieren nach wie vor Geschäftsstellen des Vereins, aktuell besetzt mit Björn Kinsky (Bredstedt) und Holger Jessen (Niebüll) als Ansprechpartner. Seit den 80er-Jahren versichert der Glasbruchverein auch Privathäuser.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen