Bredstedt / Bordelum : Keine Angst vor Fledermäusen

Die Sache mit dem Ultraschall: Karl-Friedrich Thiessen erklärt, wie es geht.
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Die Sache mit dem Ultraschall: Karl-Friedrich Thiessen erklärt, wie es geht.

Bei Expeditionen räumt Fledermausexperte Karl-Friedrich Thiessen mit Vorurteilen auf und berichtet über gefährdete Arten.

shz.de von
10. Juni 2018, 11:00 Uhr

Sie sind die lautlosen Jäger der Nacht. Viele Mythen und unwahre Geschichten ranken sich um sie. Die Rede ist von den Fledermäusen, die völlig harmlos für den Menschen sind, ja, ihn sogar meiden. Neun Arten sind in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden, 15 in ganz Norddeutschland und etwa 30 europaweit. Ihr gemeinsames Schicksal: Sie sind gefährdet und sogar vom Aussterben bedroht.

Seit Jahren sensibilisiert der Dithmarscher Fledermausexperte Karl-Friedrich Thiessen für das Thema. Er ist in Schulen, Kindergärten oder Institutionen landesweit unterwegs. So war er auch Gast im Naturzentrum Mittleres Nordfriesland in Bredstedt. Vor der sich anschließenden Exkursion in das Naturschutzgebiet Bordelumer-Langenhorner-Heide hatte er viele spannende Informationen parat. 30 Teilnehmer, dabei auch Urlaubsgäste, lauschten und gingen danach mit auf die Pirsch. Mit dabei waren auch der Vorsitzende des Fördervereins Naturzentrum, Thies Thiesen, und der Chef des Vereins Natur und Kultur um den Stollberg, Heinrich Becker, die gemeinsam eingeladen hatten.

Jeder der wollte bekam einen Detektor, um die Ultraschall-Laute auffangen zu können. Für das menschliche Ohr sind die Laute der Fledermäuse, die sich zwischen 30 und 35 Kilohertz (kHz) bewegen, nicht hörbar. „Wie muss ich mir das vorstellen?“, möchte Franz Riedinger aus der Nähe von München wissen. „Ganz einfach: die Fledermaus sendet Ortungsrufe im Ultraschallbereich, die dann auf Beute oder Hindernisse treffen. So kann ihr Gehirn bei völliger Dunkelheit über den zurückkommenden Schall ein 3-D-Bild aufbauen. Blitzschnell schnappt sie zu“, erläutert der Experte. Tagsüber schlafen die Säugetiere. Nach Sonnenuntergang geht es auf Nahrungssuche. Keinesfalls, so Thiessen, würden sie Blut von irgendeinem Lebewesen saugen. Das tue nur eine einzige Fledermausart, die jedoch in den Tropen zu finden ist. Fledermäuse ernähren sich von nachtaktiven Insekten.

Langsam bewegt sich die Gruppe immer weiter hinein in das Areal. Je dunkler es wird, umso öfter schlagen die Detektoren Alarm. Binnen zwei Stunden entdecken die Besucher, zwar nach Aussage des Experten nicht so viele Fledermäuse wie sonst üblich, aber Zwerg- und Wasserfledermäuse oder der Große Abendsegler huschen dennoch ab und zu elegant als Schatten über die Baumwipfel hinweg. Bis zu 50 Stundenkilometer Fahrt können sie aufnehmen.

Geschützt sind die Tiere seit dem Jahre 1936. Gefährdet seien besonders die Wasser-, Mücken-, Breitflügel- und Zwergfledermaus, stark gefährdet der Kleine Abendsegler oder die Zweifarb- und Teichfledermaus. Vom Aussterben bedroht sind der Große Abendsegler, die Kleine Bartfledermaus, Braunes Langohr und Großes Mausohr. Die Ursachen für den Rückgang der Tiere sind vielfältig. Stichworte sind: Einengung des Lebensraumes, Rückgang der landwirtschaftlichen Vielfalt – es fehlt immer mehr an Hecken, Büschen, Streuobstwiesen, Blumen und Wildkräutern –, Verlust von Baumquartieren durch Abholzen, großflächiger Einsatz von Giften, oder Kollision mit Windenergieanlagen.

Am liebsten überwintern die Fledermäuse in Gebäuden, Ställen, Kellern oder Baumhöhlen. Bis zu fünf Monate kann der Winterschlaf dauern. In dieser Zeit geht die Körpertemperatur auf acht Grad herunter. Der Herzschlag und die Atmung verlangsamen sich auf 18 Schläge und einmal Luftholen jeweils pro Minute. Paarungszeit ist im Herbst. In 40 bis 70 Tagen werden die jungen Fledermäuse geboren und gesäugt. Jeder einzelne, so Thiessens Appell, könne etwas für die nachtaktiven Flattertiere tun, wie beispielsweise Fledermauskästen im heimischen Garten anbringen oder bei Dachsanierungen auch einmal den Mut haben Schlupfmöglichkeiten zu schaffen, denn Dachböden eignen sich bestens. Der Verzicht auf Herbizide und Pestizide im Garten versteht sich von selbst. Das Anlegen von Beeten mit nachtblühenden Pflanzen oder einer Streuobstwiese wären ebenso hilfreich. Teiche und Biotope bieten den Fledermäusen Trinkwasser und Insekten.

Termin Exkursion

Die nächste Fledermausexkursion mit Karl-Friedrich Thiessen startet am Freitag, 6. Juli, ab 21.30 Uhr am Parkplatz Stollberg an der B 5 (Sendeturm). Anmeldung bis zum 4. Juli in der Tourist-Info Bredstedt, Telefon 04671/ 5857, oder touristcenter@foni.net. Die Teilnahme ist kostenfrei, Spenden sind willkommen. Empfohlen: warme Kleidung, festes Schuhwerk und eine Taschenlampe.

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