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Vortrag beim Seniorenbeirat : „Kein Schwein will ins Heim“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Gebürtiger Husumer Eckhard Feddersen sprach beim Seniorenbeirat über Soziale Architektur.

In Deutschland wird viel zu wenig für seniorengerechtes und barrierefreies Wohnen getan. Das Gleiche gilt für Inklusion im Alltag. Davon ist jedenfalls Eckhard Feddersen überzeugt. Der bundesweit und in einigen Nachbarländern renommierte Berliner Architekt ist nach eigenen Angaben seit mehr als 40 Jahren ausschließlich auf diesem Gebiet tätig. Ein Vortrag des gebürtigen Husumers, dessen Vater in der Stadt architektonische Spuren hinterlassen hat, stand am Mittwochnachmittag im Mittelpunkt einer Sitzung des städtischen Seniorenbeirats.

Wie baut man heutzutage vernünftig für (pflegebedürftige) Senioren? Als Antwort auf diese Frage zeigte Feddersen eine Reihe von Beispielen auf. Alle orientieren sich an der Erkenntnis, dass ältere und alte Menschen heutzutage selbstbestimmt leben wollten. „Wir geben unsere Autonomie nicht mehr auf. Bis zum Schluss“, sagte Feddersen, der in wenigen Tagen 71 Jahre alt wird. Der Architekt plädiert für „angepasste Wohnformen in kleinen Städten, kleine Wohneinheiten mit kleinen Höfen, stets mit der Möglichkeit der Tagespflege in unmittelbarer Umgebung. „Es setzt sich langsam durch, dass man so denken muss.“

Dennoch: Von idealen Bedingungen ist man nach seiner Auffassung hierzulande noch weit entfernt. „20 bis 30 Jahre liegen noch vor uns“, prophezeit Feddersen.

Für große Heime in großen Städten mit „Staubsaugerfunktion“ hat er dagegen nichts übrig. Im Quartier St. Leonard in Braunschweig ist Feddersen an der Realisierung eines integrativen Stadtviertels beteiligt, in dem Menschen generationsübergreifend eine unterstützende Nachbarschaft finden, in der sie wohnen und arbeiten können, auch wenn sie mit Einschränkungen, etwa Demenz, leben.

„Kein Schwein will ins Heim“: Mit dieser Einschätzung dürfte der Architekt zwar richtig liegen, andererseits weiß er: „Demenz überstrapaziert Familien. Hier ist professionelle Pflege nötig in einer Umgebung, die nicht an Krankenhaus und Knast erinnert.“

An ein besonderes Wohnprojekt in Husum, das Feddersen womöglich gefallen könnte, hatte zuvor die Vorsitzende des Seniorenbeirats, Irene Fröhlich, erinnert. Die leerstehende, denkmalgeschützte Osterhusumer Schule soll umgebaut werden und verschiedenen Generationen – Alleinlebenden genauso wie Paaren und Familien – ein Zuhause bieten. Es sei ein Vorhaben, das allen Belangen gerecht werde, so Fröhlich.

Zu Beginn der Zusammenkunft hatte Stefan Kleinfengels vom Kreis Nordfriesland über unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge referiert. Er rief die gut 40 Teilnehmer zur unterstützenden Mitarbeit auf. Gefragt seien Freiwillige, die den jungen Flüchtlingen im Kreis beispielsweise bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder einem Praktikum helfen.

Zum Thema Soziale Architektur gibt es bis zum 17. Oktober eine Ausstellung im Foyer des Rathauses.


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