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Nordfriesland : Kein gutes Jahr für den Storch

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Kämpfe um Nester und Pilzinfektionen machen den Storchenbetreuern Sorgen. In Nordfriesland brüten nur noch zehn Paare.

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2017 | 14:30 Uhr

Die Störche haben einen schweren Stand. Starkregenfälle Anfang und Ende Juni mit kühlen Nacht-Temperaturen haben bei den Jungvögeln zu hohen Verlusten geführt. Das geht aus der regionalen Bilanz hervor, die die Storchen-Beauftragten Jörg Heyna (kümmert sich um die Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg) und Jürgen Lustig (zuständig für Rendsburg-Eckernförde) jetzt, nachdem sie die Beringungen der Jungstörche abgeschlossen haben, in Hollingstedt vorlegten.

Die ersten Störche kamen nach Angaben der Experten bereits Anfang Februar in die hiesigen Gefilde – sogenannte Westzieher, die im Süden Spaniens überwintern, ihre Nahrung hauptsächlich auf den Mülldeponien finden und nur einen kurzen Weg in ihre Brut-Region hatten. Ihr Zugverhalten habe sich seit Jahren verändert, die Population der Störche in Spanien im Winter innerhalb von 30 Jahren auf circa 60.000 verzehnfacht. Diese Westzieher seien geringeren Gefahren ausgesetzt als die in der Sahelzone und Südafrika überwinternden Ostzieher. Letztere kehren Heyna und Lustig zufolge später zurück und fanden in diesem Jahr ihr angestammtes Nest oft mit einem anderen Partner besetzt vor. Dadurch sei es zu Kämpfen gekommen, bei denen die Gelege oder auch die Küken aus dem Nest geworfen wurden – „in dieser Häufigkeit ungewöhnlich“.

Durch die besagten Klimaverhältnisse im Juni verendeten die Jungstörche vielfach an Pilzinfektionen der Lunge (Aspergillose), hieß es in Hollingstedt weiter. „Diese Pilze sind in der Luft und auch in den Nestern in der Gras-Silage zu finden. Storchenküken im Alter von bis zu drei Wochen sind besonders anfällig, wenn sie nass werden. Auch die Tiermediziner wissen noch nicht, was man dagegen tun könnte.“ Besonders in der feuchten Gras-Silage, die die Störche in die Nester brächten, sei – im Gegensatz zum Heu – ein hohes Potenzial an Pilzen vorhanden.

In Nordfriesland, so Heyna, lagen die Verluste bei 18 Küken, in Schleswig-Flensburg bei 67. Kollege Lustig registrierte gar sein schlechtestes Brut-Ergebnis: „Von den 75 geschlüpften Jungstörchen im Kreis Rendsburg-Eckernförde haben bis heute nur 34 überlebt.“ In Bergenhusen (Kreis Schleswig-Flensburg) überlebten von 42 ausgebrüteten Küken nur noch 13.

In den Kreisen südlich des Nord-Ostsee-Kanals gab es diese Wettereinflüsse nicht. So leben dieses Jahr in Schleswig-Holstein – wie 2016 – etwa 270 Paare mit rund 370 Jungen. In Hessen hat sich der Bestand von 270 Paaren in wenigen Jahren auf mehr als 540 erhöht: Auswirkungen eines veränderten Zugverhaltens.

Die Beringung ist die erste Bestandsaufnahme der Storchen-Population und liefert den Storchen-Spezialisten seit Jahren viele wichtige Daten zu Vogelzug, Altersstrukturen und Verhalten. Störche aus der hiesigen Region finde man in Polen, im Gegenzug brüte ein spanisches Weibchen in Rantrum – und in Ostenfeld eine Schwedin. Dieser Gen-Austausch sei wichtig für die Population, hieß es.

Insgesamt hat Heyna in den drei Kreisen 92 Jungstörche beringt. Dort habe es keine Vierer-Bruten mehr und wenige Dreier-Bruten gegeben – und die Zahl der Paare ohne Bruterfolg sei dieses Jahr sehr hoch. Der Storchen-Beauftragte erwähnte zudem einige Pulks (etwa 15 bis 20 Exemplare) von herumziehenden Störchen ohne Nest-Bindung, die in der Region unterwegs seien. Diese „Halbstarken“ sorgten auch öfter für Unruhe in der Brutzeit. Es gebe in allen Kreisen ein Überangebot von etwa 150 gut gepflegten, nicht genutzten Nestern. „Die Zahl der Neuansiedlungen ist hier sehr gering.“

In vielen Orten wie in Dörpstedt, Hollingstedt, Börm (alle Kreis Schleswig-Flensburg) seien viele Nester, die seit Jahren immer belegt waren, unberührt geblieben. In Hollingstedt wurden laut Heyna nur zwei Jungstörche beringt (in den Vorjahren waren es noch vier bis acht). Besonders hart getroffen habe es die überregional als Storchendorf bekannte Gemeinde Bergenhusen: 30 Nester insgesamt, davon zehn ohne Junge und ein Dutzend mit nur 13 Nachwuchs-Vögeln. 2015 habe es dort noch 29 Jungstörche gegeben.

In Nordfriesland wurden dem Experten zufolge zehn Paare (2016: zwölf) gezählt. Lediglich in fünf Gemeinden (Vorjahr: neun) sei erfolgreich gebrütet worden – in Ahrenviöl, Ramstedt, Rantrum, Seeth und Winnert. Ohne Brut sind laut Heyna fünf Paare (2016: zwei) geblieben. Neun Jungstörche seien gezählt worden (2011: 15; 2012: 17; 2015: 24). Die Störche in St. Peter-Ording und auf der Insel Föhr führe man in einer eigenen Statistik, so der Storchen-Beauftragte: „Denn dort sind die Vögel Fütterungsabhängige.“ Für St. Peter-Ording stehen 22 Paare mit 41 Jungen in der Bilanz (Vorjahr: 19 Paare mit 48 Jungen). Auf Föhr sind es acht Paare mit vier Jungstörchen (2016: acht Paare, fünf Junge).

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