Parkplatznot in Husum : „Kein geordnetes Verfahren mehr“

Dem Parkplatz an der Straße Harmsens Koppel sollen möglichst wenig Bäume zum Opfer fallen, wurde beschlossen.
Dem Parkplatz an der Straße Harmsens Koppel sollen möglichst wenig Bäume zum Opfer fallen, wurde beschlossen.

Erregte Debatte um die geplante Parkfläche Harmsens Koppel: Bürgermeister greift ein – und der Bauausschuss beschließt die ebenerdige Variante.

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03. Juli 2018, 13:00 Uhr

Noch im April hatte Bauamtsleiter Jörg Schlindwein Anliegern bei einer Informationsveranstaltung geraten, in die Ausschüsse zu gehen, wenn sie die Meinung der Politik zum geplanten Parkplatz südlich der Marschbahngleise hören wollten. Und davon machten die Rödemisser reichlich Gebrauch. Der Sitzungssaal im Rathaus platzte sprichwörtlich aus allen Nähten. Und wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft nur annähernd so leidenschaftlich aufgetreten wäre wie die Anwohner im Bauausschuss diskutierten, wären ihre Spiele sicher anders ausgegangen.

Doch der Reihe nach. Es geht um die Idee, südlich der Marschbahngleise auf einer Fläche von 175 Metern Länge und 20 Metern Breite bis zu 280 Parkplätze zu schaffen. Wahlweise mit einer Zufahrtsrampe auf Bahnsteighöhe oder ebenerdig entlang der Straße Harmsens Koppel.

Das Gebiet ist tatsächlich stark frequentiert: Bahnhof, die Schüler von der Beruflichen Schule und zweier Gymnasien, der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN), Polizei, das Finanzamt nicht weit weg – da kommt einiges zusammen. Und so mussten Politik und Verwaltung wie schon bei der Infoveranstaltung vor drei Monaten mehrfach daran erinnern, dass es hier nicht um eine Grundsatzdebatte, sondern um einen konkreteren Einstieg in die Planungen gehe. Vor allem um die Frage: „unten oder oben“.

Die Anlieger plagen allerdings weiterhin andere Sorgen. Viele glauben nicht an die Sinnhaftigkeit des Vorhabens und befürchten neben einer unübersichtlichen, ja lebensgefährlichen Verkehrslage sowie einer unkalkulierbaren Zuspitzung der Schulweg-Situation auch eine Verschlechterungen ihres privaten Wohnumfelds. So führe die Abholzung von Bäumen und Sträuchern unweigerlich zum Verlust eines natürlichen Sicht- und Lärmschutzes entlang der Bahngleise. Auch die Grünen setzen auf eine „kleinere Lösung“ mit weniger Kahlschlag und beantragten, die geplanten Parkflächen auf den Bereich zwischen Tunnelweg im Westen und dem Punkt, wo Harmens Koppel im Osten abknickt, zu beschränken. „Die westlich und östlich daran angrenzenden Bereiche sollen als baum- und strauchbewachsene Grünanlagen erhalten werden.“

Dieser Vorschlag stieß bei den Anliegern zwar auf Wohlwollen, vermochte ihre grundsätzlichen Bedenken aber nicht auszuräumen. Und der Hinweis von Dr. Ulf von Hielmcrone, er habe schon verstanden: „Sie wollen am liebsten gar nichts. Aber das werden Sie nicht kriegen!“, war auch nicht gerade dazu angetan, die Stimmung im Saal zu heben. Husum wachse, und das sei gut so, erklärte der SPD-Politiker. „Aber die Leute haben Autos, und dafür brauchen wir Parkplätze. Sie haben doch gewiss auch einen Parkplatz“, wandte er sich direkt an eine Anliegern. „Nein“, gab die zurück, „ich habe gar kein Auto.“

Ob das Vorhaben denn wirklich „alternativlos“ sei oder der Bau eines Parkhauses auf dem Gelände der Beruflichen Schule nicht denselben Effekt hätte, wollten Anlieger wissen. Und wer denn eigentlich gutachterlich festgestellt habe, dass diese Parkplätze auch wirklich benötigt würden? Darauf gab es zwar keine Antwort, aber einen unmissverständlichen Wink von Rainer Damschen: Die Situation in der Poggenburgstraße sei schon jetzt eine verkehrspolitische Katastrophe, sagte Husums Stadtarchivar und mahnte, man möge das Wohl des Einzelnen doch bitte nicht über das der Gemeinschaft stellen.

Die anschließende Diskussion um drei Varianten, die Thomas Holtz von der Holtz Beratende Ingenieure GmbH dem Ausschuss vorgestellt hatte, beendete Bürgermeister Uwe Schmitz mit dem Hinweis: „Bei allem Respekt, aber wir haben es hier nicht mehr mit einem geordneten Verfahren zu tun.“ Seine Kollegen wüssten ja bald gar nicht mehr, was sie tun sollten. Und so gab es am Ende einen halbwegs geordneten Beschluss, der die von Holtz vorgestellte Variante 4.3 (siehe Info-Kasten) als Grundlage für die weiteren Planungen vorschlug. Zudem wurde der Sperrvermerk „Neubau von Parkplätzen/Harmsens Koppel“ aufgehoben und beschlossen, die Eingriffe in den Bestand zu minimieren und den größtmöglichen Schutz der Bevölkerung vor Immissionen zu gewährleisten.

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