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Enttäuschte Bürger : Kein Geld für neues Konzept

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Schleswig-Holsteins Kulturministerin Anke Spoorendonk hält lediglich kleinere Projekte in der KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing für realisierbar. Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen sieht jedoch Nachholbedarf.

Am Ende gab es dann doch keine gute Nachricht: Der Ausbau der KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing hat derzeit auf Landesebene keine Priorität, und damit in nächster Zeit kaum Chancen auf ausreichende Fördermittel. An der Suche nach Antworten, wie es mit der Einrichtung weitergeht, beteiligten sich Vertreter von Kreis und Land sowie der KZ-Arbeitsgruppe, die auf Einladung der „Initiative gegen Rechts“ und des Husumer „Speicher“ in das Rathaus in der Kreisstadt gekommen waren. Prominenteste Rednerin war an diesem Abend Schleswig-Holsteins Kulturministerin Anke Spoorendonk.

Ohne hinreichende Information über das, was in Husum-Schwesing geschah und welche Bedeutung dieser Ort hat, kehren Besucher in der Regel unzufrieden von einem Besuch der Gedenkstätte zurück. So beschreibt es der Historiker Dr. Klaus Bästlein von der KZ-Arbeitsgruppe, die ein Konzept zur Verbesserung der Situation vorgelegt hat.

Es sieht ein Gebäude auf dem Gelände, wissenschaftliches und pädagogisches Personal und eine umfassende Ausstellung über die Geschehnisse im KZ Husum-Schwesing aus Sicht der Opfer und der Täter vor. Die Vorgeschichte mit hohen Wahlergebnissen für die NSDAP in Nordfriesland soll dabei ebenso beleuchtet werden wie die Nachkriegsgeschichte in Schleswig-Holstein, wo viele hohe Nazis Unterschlupf fanden.

„Nur so kann Husum-Schwesing professionalisiert und zu einem lebendigen Lehr- und Lernort für Demokratie werden“, findet Klaus Bästlein. Der Kreistag hat dieses Konzept befürwortet, bisher aber keine finanziellen Fördermittel auftun können. Die Kosten würden bei rund 2,7 Millionen Euro liegen und könnten nur mit Hilfe von Landes- und Bundesmitteln aufgebracht werden.

Auch Landrat Dieter Harrsen ist überzeugt, dass die Gedenkstätte Husum-Schwesing „ein hohes Potenzial zur Festigung unserer Demokratie“ bietet. Der Kreis stehe zu seiner besonderen Verantwortung für die Geschichte. „Wir haben das Mahnmal saniert, und die Information für Besucher im Rahmen eines Pflegekonzeptes verbessert.“ Die Chancen, mit dem Projekt „Flüchtlingslager bei Varde“ in Dänemark demnächst ein gemeinsames Konzept für die Aufarbeitung der Kriegs- und Nachkriegsgeschichte über EU-Mittel zu fördern, „stehen nicht schlecht“. Harrsen sieht beim Land einen Nachholbedarf, finanzielle Förderung aus Mitteln des Bundes für Gedenkstätten zu akquirieren. Alle anderen Bundesländer seien dabei aktiver als Schleswig-Holstein. Ein Förderantrag zu Husum-Schwesing wäre aus Sicht des Landrats denkbar.

Das Land habe die Förderung der Gedenkstätten um 100.000 Euro aufgestockt, 230.000 Euro stehen zur Verfügung, ein Landeskonzept sei in Arbeit, ein runder Tisch mit Vertretern aller ehrenamtliche Initiativen und Träger begleite diese Arbeit. Kulturministerin Anke Spoorendonk sieht in der Gedenkstättenarbeit einen politischen Schwerpunkt. Fördermittel des Bundes sind für das Projekt Neulandhalle (4,5 Millionen Euro) und die Gedenkstätte in Ladelund (500 000 Euro) beantragt. „Die Bescheide stehen noch aus, aber der Bund finanziert nur die Hälfte, die andere Hälfte muss das Land Schleswig-Holstein beitragen.“

Die Ministerin lobte das Engagement des Kreises Nordfriesland, machte aber klar, dass eine Förderung des Gesamtkonzeptes aus Landesmitteln nicht zu schultern sei. Allenfalls kleinere Projekte könnten gefördert werden. Spoorendonk: „Wir wollen Husum-Schwesing stärken, aber das geht nur in Schritten, über ein Besucherkonzept, eine enge Zusammenarbeit mit Ladelund, auch über Entwicklungskonzepte mit Varde in Dänemark, aber eine zentrale Gedenkstätte des Landes wird es in Husum-Schwesing nicht geben.“

Mühsame weitere Überzeugungsarbeit, aber auch ein paar Ansatzpunkte für weitere gemeinsame politische Interventionen der Aktiven in Nordfriesland sieht Susanne Uhl vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), die das Gespräch moderierte. „Es gibt Interesse an einem erweiterten Freundeskreis, der die Gedenkstätte fördern hilft, auch die Zusammenarbeit mit Dänemark ist eine gute Perspektive.“ Uhl wies aber auch darauf hin, dass die Haushaltslage in Schleswig-Holstein, insbesondere mit Blick auf Investitionen nicht schlechter geredet werden dürfe, als sie ist. Finanzielle Spielräume sollten gerade für so wichtige Projekte wie den Ausbau der KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing genutzt werden.

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erstellt am 29.Jan.2014 | 16:30 Uhr

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