Theodor-Storm-Schule in Husum : Kein Geld für Fluchtwege

Erdwälle dienen an der TSS-Turnhalle als Flucht-Rampen.
Erdwälle dienen an der TSS-Turnhalle als Flucht-Rampen.

Die Stadtpolitiker favorisieren die alten Erdwall-Rettungsrampen an der TSS-Sporthalle – und fordern bessere Pflege. Die Verwaltung wollte stattdessen Treppen einbauen.

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03. Juli 2015, 09:30 Uhr

Die Sondersitzung des Bauausschusses hatte nur einen wichtigen Tagesordnungspunkt, und der drehte sich um die Freigabe für die Mittel zur Wiederherstellung der Außenanlagen an der Theodor-Storm-Schule (TSS). Da die entsprechende Vorlage der Verwaltung in der Sitzung zuvor postwendend an den Urheber mit der Forderung nach Überarbeitung zurückgegangen war, hatte die Stadt um die extra vor der Sommerpause anberaumte Zusammenkunft gebeten, um anstehende Maßnahmen nicht ungebührlich zu verzögern. Und der Ausschuss hatte sein Treffen zur Sicherheit gleich in den Ratssaal verlegt, damit die erwarteten Zuhörer von der TSS genug Platz haben. Die waren denn auch recht zahlreich erschienen, allen voran Schulleiterin Sibylle Karschin.

„Wir haben die gewünschte Priorisierung der Maßnahmen vorgenommen“, sagte Christine Friedrichsen vom Gebäude-Management des Bauamts. Und die stellte Thomas Borowski aus derselben Abteilung Punkt für Punkt vor. Wobei zwei Punkte von den Stadtpolitikern besondere Aufmerksamkeit erfuhren.

Für die Schule wohl am wichtigsten war die Nummer drei: 13.000 Euro für den Untergrund eines Klettergerüstes, das bereits über Spenden in Höhe von 25.000 Euro finanziert worden war, was die Verwaltung – dankbar für die finanzielle Entlastung – erfreut zur Kenntnis nahm. Und zur Erleichterung der Schulleitung von den Ausschuss-Mitgliedern anstandslos genehmigt wurde.

Was man von Punkt eins nicht behaupten konnte. Die Verwaltung hatte 56.500 Euro für die Herrichtung der Notausgänge und Rettungswege an der TSS-Sporthalle beantragt. „Natürlich genügen sie auch jetzt den gesetzlichen Bestimmungen“, führte Borowski aus. Doch sei die derzeitige Anordnung mit Erdwällen, die als Rampen aus dem ersten Stock zum Boden führen, zwar Schülern und Lehrern durch regelmäßige Übungen vertraut, nicht jedoch den Vereinssportlern, die die Halle täglich von 15 bis 22 Uhr nutzen würden. „Für die sind die Rettungswege nicht praktikabel und können im ungünstigsten Fall zu Personenschäden führen.“ Daher würde die Stadt hier lieber Treppen einbauen, zumal die Erdwälle nicht im besten Zustand seien.

Das allerdings sahen die Politiker völlig anders: „Das sind Sportler, die die Halle benutzen. Von denen kann man wohl erwarten, dass sie unfallfrei einen Erdwall herunterkommen“, meinte Hans-Christian Hinrichs (SPD). „Die Wälle müssen nur in Ordnung gebracht werden.“ Alfred Mordhorst (CDU) schloss sich umgehend den Worten seines Vorredners an: „Die Rampe muss natürlich wieder ertüchtigt werden. Das kommt davon, wenn man sie nicht pflegt. Auf lange Sicht ist sie zudem viel billiger als eine Treppe.“ So dachten auch WGH und Grüne, und damit waren die diesbezüglichen Verwaltungspläne vom Tisch.

Im übrigen befanden die Politiker, dass es vielleicht nicht verkehrt sei, sich die Gegebenheiten vor Ort einmal selbst anzusehen. Was man, wie zugegeben wurde, eigentlich schon längst hätte machen sollen. Und so wurden die Entscheidungen über die Freigabe von insgesamt 72.000 Euro für das Wegenetz der Schule auf einen Zeitpunkt nach dem Ortstermin verschoben.

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