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Von Dithmarschen nach Tönning : Kein Fahrtkosten-Zuschuss in Sicht

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Dithmarscher Eltern müssen Busticket zur Tönninger Gemeinschaftsschule selbst zahlen, sie fordern von ihrer Kreisverwaltung endlich eine Lösung.

Mittags gegen 13 Uhr wird es ziemlich eng im Rieper Weg in Tönning. An Schultagen stehen dort die ETS-Liner bereit, um auswärtige Schüler der Eider-Treene-Schule aufzunehmen und nach Hause zu fahren. Im vergangenen Jahr ist ein weiterer Bus dazugekommen. Drei Fahrzeuge umfasst die Flotte des Schulträgers, der Stadt, inzwischen, nachdem der Bedarf stetig gestiegen ist. Das hängt auch mit einem recht hohen Anteil an Schülern aus dem Nachbarkreis Dithmarschen zusammen, die seit der Schließung der Gemeinschaftsschule in Lunden vor zwei Jahren täglich über die Kreisgrenze zum Unterricht pendeln.

Für die Dithmarscher Familien bedeutet dies jedoch einen zusätzlichen finanziellen Aufwand, denn die Fahrtkosten müssen sie komplett aus eigener Tasche zahlen. Zurzeit sind das 50 Euro pro Monat und Kind. Der Kreis lehnt eine Kostenbeteiligung ab (wir berichteten). Seit einem Verwaltungsgerichtsurteil im vergangenen Jahr – eine Familie hatte erfolglos geklagt – scheint die Haltung der Verantwortlichen im Heider Kreishaus auch zementiert zu sein.

Finanziell unter die Arme greifen müsste der Kreis den Betroffenen nur, wenn die Schüler einen Bus des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) nutzen würden. Zwar fährt die Linie 2614 von Heide über Lunden nach Tönning, doch die Abfahrts- sind mit den Unterrichtszeiten nicht kompatibel. Deshalb forderten Eltern wie Dirk Richter aus Rehm-Flehde-Bargen eine Anpassung. Vergeblich. „Wie der Kreis Dithmarschen bereits mehrfach in der Vergangenheit deutlich gemacht hat, sieht er sich nicht in der Pflicht, eine bedarfsgerechte ÖPNV-Anbindung zu einem Schulstandort außerhalb des Kreises anzubieten oder gar einzurichten”, heißt es auf Anfrage aktuell aus dem Kreishaus in Heide. Dort sähe man es lieber, wenn die Schüler aus dem Raum Lunden die Gemeinschaftsschule Hennstedt im eigenen Kreis besuchen würden. Der Kreis will keine Begehrlichkeiten andernorts wecken und dem Vernehmen nach keinen Präzedenzfall schaffen.

Richter, der für zwei Töchter Kosten für den Tönninger Schulbus in Höhe von insgesamt 100 Euro monatlich berappen muss, beruft sich auf die freie Schulwahl. Zudem hat er ermittelt, dass für rund zwei Drittel der Dithmarscher Schüler, die nach Eiderstedt pendeln, die ETS näher liegt als die Schule in Hennstedt. 128 Schüler aus dem Nachbarkreis besuchen in diesem Jahr die Schule in Tönning, weitere 42 pendeln zur ETS-Außenstelle nach Friedrichstadt.

In Heide bewegt sich zwar nichts, vielleicht aber ist das letzte Wort in der Angelegenheit doch noch nicht gesprochen. „Die betroffenen Schüler sowie Eltern sollten die Hoffnung nicht aufgeben. Meiner Ansicht nach ist das Thema noch nicht zu Ende gebracht”, sagt Tönnings Bürgermeisterin Dorothe Klömmer. Es gehe hier nicht zuletzt um die freie Schulwahl, so die Rathaus-Chefin.

Ulrich Stellfeld-Petersen schüttelt angesichts der starren Haltung des Nachbarkreises den Kopf. „Das kann so nicht mehr weitergehen”, sagt der Kommunalpolitiker. „Wie stehen wir denn da, wenn da keine Lösung gefunden wird?”, fragt der SSW-Fraktionsvorsitzende im Kreistag von Nordfriesland. Zwar macht er deutlich, dass die Hauptlast „natürlich der Kreis Dithmarschen tragen müsste”. Dennoch könnte er sich einen Alleingang des Kreises Nordfriesland vorstellen. Stellfeld-Petersen hätte gerne geprüft, ob der Kreis eine eigene ÖPNV-Linie nach Dithmarschen einrichten kann. „Im Sinne der Schüler und im Sinne der Stadt Tönning”, fügt er an. Eltern und ihre Kinder hätten bei der Schulwahl andere Kriterien als Politik und Verwaltung. Gemessen am Gesamthaushalt gehe es doch um wenig Geld, argumentiert er. In der jüngsten Hauptausschuss-Sitzung des nordfriesischen Kreistags kam das Thema zur Sprache. Dabei sei festgestellt worden, dass eine Umsetzung schwierig sei. Ein Weiterkommen sieht er jetzt nur mit Hilfe des Landes, weshalb er SSW-Parlamentarier einschalten will.

Dass die Rechtslage eine gewisse Absurdität besitzt, macht ein Beispiel deutlich: Würde ein Schüler aus Lunden mit der ÖPNV-Linie nach Tönning fahren, würde der Kreis Dithmarschen so viel erstatten, wie eine Monatskarte nach Hennstedt kostet. Den Rest müssten die Eltern drauflegen. Jedoch wäre der Erstattungsbetrag höher als jene 50 Euro, die die Stadt Tönning derzeit pro Kind für die Fahrt mit dem ETS-Liner verlangen muss. Doch mit dem Linienbus kann ja kein Schüler fahren, der pünktlich in der Schule sein will.

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