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Zukunft des Einzelhandels in Husum : Kein Discounter für die Rödemisser

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bei der Abschlusspräsentation des Einzelhandelsentwicklungskonzeptes sah das Planungsbüro keine Chance für einen rentabel arbeitenden großen Markt im Stadtteil. Die CDU hat noch Klärungsbedarf und will die Entscheidung über das Konzept verschieben.

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erstellt am 25.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Die letzte gemeinsame Sitzung zum Thema war zwar schon ein Vierteljahr her. Dennoch bat die CDU um mehr Zeit: „Wir möchten über das Einzelhandelsentwicklungskonzept erst im Herbst entscheiden – da sind noch viele Einzelheiten zu klären“, verkündete Ortsverbandschef Jan Sörensen im Ratssaal des Rathauses, wo sich der Umwelt- und Planungs- mit dem Finanz- und Wirtschaftsausschuss getroffen hatte. Die Abschlusspräsentation und Erörterung der Arbeitsergebnisse des Dortmunder Stadtforschungs- und Planungsbüros Junker + Kruse stand auf der Tagesordnung. Die hörten sich die Stadtpolitiker erst einmal in Ruhe an, bevor über Zeiträume debattiert wurde.

Die Definition dessen, was eigentlich ein „zentraler Versorgungsbereich“ sei, stellte Stefan Kruse an den Beginn seiner Ausführungen: „Dieser Begriff steht für einen abgrenzbaren, schützenswerten Bereich und hat rechtliche Bedeutung, falls es mal zu Streitigkeiten vor Gericht kommt.“ Daher seien in der Planung für das Zentrum die Obere Neustadt und der ostwärtige Teil der Norderstraße ausgegliedert worden. „Hier werden die Kriterien nicht mehr erfüllt, da plätschert der Einzelhandel nur noch.“ Allerdings müsse kein Geschäft außerhalb des Bereichs Angst um seine Existenz haben: „Alle, die schon da sind, genießen – auch nach jahrelangem Leerstand – Bestandsschutz, so lange sich die Nutzung nicht ändert, und können nach Einzelfallentscheidung auch erweitern oder neu bauen.“ Nur eine Neuansiedlung von Firmen mit einer Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmetern werde durch das Konzept verhindert.

Das wurde allerdings nicht von jedem Zuhörer verinnerlicht. Alfred Mordhorst (CDU) artikulierte die Ablehnung jener, die sich mit der Abkoppelung der Norderstraße ostwärts der Schulstraße nicht anfreunden konnten. „Das ist doch auch Innenstadt“, hielt er dagegen. Der „zentrale Versorgungsbereich“ habe nichts mit der Definition von „Innenstadt“ zu tun, erläuterte Kruse geduldig. Und Grünen-Chef Frank Hofeditz sekundierte: „Wir haben uns zunächst auch gefragt, ob das richtig ist. Aber wir müssen im Kernbereich die Flächen des alten Hertie-Hauses erst einmal mit Einzelhandel vollbekommen. Insofern macht es Sinn.“

Das Gewerbegebiet Ost als Ergänzung zum Zentrumsbereich hatte das Planungsbüro in drei Teilbereiche zerlegt. „Einmal die Kernzone, dann den Ring am Marienhofweg und schließlich das Max-Bahr-Areal.“ Im letzteren Fall sei die Stadt gefordert, für eine Nachfolge-Ansiedlung einen neuen Bebauungsplan aufzustellen: „Da dürfen nur nicht-zentrumsrelevante Sortimente hinein.“

Als „Höhepunkt des heutigen Abends“ kündigte Kruse dann die Beurteilung des „Nahversorgungsstandortes Rödemis“ an – und das war nicht untertrieben, denn mit wenigen Worten machte er alle Hoffnungen der Rödemisser auf einen eigenen Discounter zunichte: „In diesem abgekapselten Stadtteilbereich leben 2000 Menschen. Discounter haben eine Größe von 1000 bis 1400 Quadratmetern und benötigen 5,2 bis 5,3 Millionen Euro an Kaufkraftpotenzial in der Umgebung, um rentabel existieren zu können. Zugrunde gelegt wird dabei eine Kaufkraftabschöpfung von 50 Prozent“, führte der Experte aus. Aber: „Selbst wenn man eine Abschöpfung von 100 Prozent zugrunde legt, wäre das in Rödemis nicht erreichbar. Ein Discounter müsste Kaufkraft aus der Innenstadt abziehen – und das ist nicht gewollt.“ Kruses Fazit: „Kein großflächiger Lebensmittelversorger in Rödemis, aber eine kleinteilige Lösung ist möglich.“

Sofort war Mordhorst wieder auf den Barrikaden und witterte eine „Ausgrenzung der Rödemisser“: „Und Kleinteiligkeit hat hier keine Chance, da muss ein größerer Markt her.“ Das gehe doch an der Realität vorbei, hielt SPD-Fraktionschef Horst Bauer dagegen und sinnierte: „Die Rödemisser kaufen doch heute auch irgendwo ein und leiden keine Not. Ich glaube, dass die ganze Problematik nur in unseren Köpfen stattfindet.“ Der ins Gespräch gebrachten Ausweisung eines „Sondergebietes Rödemis“ erteilte Kruse eine Absage: „Das würde die Kriterien der Nahversorgung nicht erfüllen.“

Bürgermeister Uwe Schmitz zog die Debatte schließlich wieder auf die Verfahrensfrage hinab: „Wenn es nur noch Diskussionsbedarf gibt, machen wir einfach eine Vorlage und die können Sie mit entsprechenden Änderungsanträgen beschließen“, sagte er. „Wenn es aber noch Klärungsbedarf gibt“, so ergänzte er in Richtung CDU, „dann werden wir auch darauf Rücksicht nehmen.“ Auf einen Monat mehr oder weniger komme es ihm nicht an, sondern auf die Struktur, schloss Bauer. „Aber nicht, dass wir uns immer und immer wieder mit den gleichen Einzelheiten befassen, dann kommen wir inhaltlich nicht weiter.“ Strittige Fragen, so schlug er vor, könnten „ja auch bilateral geklärt“ werden.

 

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