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Aus für Dorfbäckerei : Kein Brot mehr nach bewährter Rezeptur

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Ära eines Oldensworter Handwerksbetriebes endet nach mehr als 60 Jahren. Die Suche nach einem Nachfolger für die Bäckerei Lorenzen ist gescheitert. Die letzten Brote werden der Tafel geschenkt.

Wenn in diesen Tagen die Oldensworter Bäckerei Lorenzen ihre Pforten schließt, endet damit gleichzeitig die Ära eines Handwerksbetriebes mit mehr als 60-jähriger Tradition. In den vergangenen Jahrzehnten schätzten Einheimische und Touristen die nach bewährter Rezeptur und getreu der Devise mit „Herz und Hand“ hergestellten Brote und Backwaren. Sie entstanden in der Backstube auf dem Hof des Geschäfts- und Wohnhauses in der Dorfstraße, das 1967 der Bäckermeister Nicolaus Lorenzen und seiner Frau Ingeburg auf dem Grundstück der Bäckerei Sass errichteten. Beide hatten zuvor seit Anfang der 1950er Jahre im Dorf eine gepachtete Bäckerei betrieben. „Es ist uns in den vergangenen zwei Jahren leider nicht gelungen, einen Nachfolger zu finden, obwohl auch die Handwerkskammer an der Suche beteiligt war“, sagte Otto Peters, der den Betrieb 1983 zusammen mit seiner Ehefrau Dagmar Lorenzen- Peters übernahm und jetzt in den Ruhestand tritt. Der Bäckermeister vermutet, dass die hohe Arbeitsbelastung potentielle Kandidaten vom Sprung in die Selbstständigkeit abgehalten hat. Der Arbeitstag am Backofen, an der Knetmaschine und an der Brötchenpresse begann für ihn und seinen Sohn Frank Peters sowie seinem Gesellen Thorben Hansen täglich in den frühen Morgenstunden. Bereits am Vortag musste der Sauerteig für das Feinschmecker-Schwarzbrot und für viele andere Brotsorten angesetzt werden.

Hansen gehört dem Betrieb seit 1971 an. Er wechselte in dem Jahr nach Abschluss seiner Lehre in Tönning in die Oldensworter Bäckerei – zunächst nur für eine Saison. Doch sein Fleiß und sein Können beeindruckten den damaligen Inhaber so sehr, dass er ihn fest anstellte. „Auch für mich war das eine gute Entwicklung, denn ich lernte im Dorf meine spätere Ehefrau kennen“, erinnert sich der inzwischen 63-Jährige, der sich künftig als Rentner noch intensiver um seine Tätigkeiten als Vorsitzender des Ortskulturringes und als Schiedsrichter kümmern möchte. Dankbar blickt er auf die vergangenen mehr als vier Jahrzehnte in seinem Traumberuf zurück, zumal im Betrieb stets eine freundliche und familiäre Atmosphäre geherrscht habe. Er bedauert, dass es immer weniger Bäckereien gibt, die den Teig noch selbst herstellen.

Das Ende für weitere mittelständische Betriebe befürchtet Dagmar Lorenzen- Peters angesichts der industriellen Produktion von Backwaren. Sie war Jahrzehnte für den Verkauf zuständig. Dabei wurde sie von mehreren Mitarbeiterinnen und bis vor zwei Jahren auch noch von ihrer Mutter unterstützt. Mit einem Verkaufswagen besuchte ihre Tochter Nicole Peters regelmäßig die Märkte zwischen Husum, Heide und St. Peter-Ording. Auch sie hadert mit der Entwicklung, denn der Abschied von den Stammkunden und den Marktbeschickern fällt ihr schwer. Eine Kollegin sei zu ihrem letzten Verkaufstag auf dem Husumer Wochenmarkt extra aus Hamburg angereist.

Die letzten Brote aus dem Oldensworter Backofen werden verschenkt. Auf sie dürfen sich die Besucher der Tönninger Tafel freuen.



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