St. Peter-Ording : Kaum noch Zeit für eine Winterpause

Nicht nur im Sommer, mittlerweile tummeln sich auch bei nass-grauem Regenwetter Urlauber auf der Seebrücke.
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Nicht nur im Sommer, mittlerweile tummeln sich auch bei nass-grauem Regenwetter Urlauber auf der Seebrücke.

Immer mehr Menschen kommen auch in der Nebensaison nach St. Peter-Ording. Für Vermieter hat die Nachfrage ihre zwei Seiten

shz.de von
31. Januar 2018, 14:00 Uhr

Kalter Regen, scharfer Wind, graue Tage – der Winter hält das perfekte Wetter für einen erholsamen Winterschlaf der Sommerurlaubsorte bereit. Eigentlich. Denn in St. Peter-Ording ist schon seit einiger Zeit für viele Hotelbetreiber und Ferienwohnungs-Inhaber nicht mehr an eine Winterpause zu denken.

„Wir stellen seit mehreren Jahren fest, dass die strikte Trennung von Haupt- und Nebensaison verschwimmt. Es kommen immer mehr Gäste auch in den Wintermonaten hierher. Generell wird St. Peter-Ording das ganze Jahr über für einheimische Touristen immer beliebter, auch weil es einen Trend zum Kurzurlaub gibt“, schildert Karin Brockmeier, Direktorin des Ambassador-Hotel & Spa.

Marketingmanagerin Kerstin Brandt vom Strandgut Resort bestätigt diesen Eindruck: „2014 ging das los“, sagt Brandt. Mittlerweile seien sogar die Monate November, Dezember und Januar bei einer Auslastung von 80 Prozent angekommen. Marcus Häusler, Direktor vom Beachmotel, berichtet von einer „für die Region untypisch hohen Auslastung von zirka 85 Prozent“.

Gründe für das Phänomen? „In den Köpfen der Menschen ist häufig noch verankert, dass die Nebensaison besonders günstig ist“, sagt Brandt. Und: „Es gibt sicherlich momentan einen kleinen Hype um St. Peter-Ording. Der Ort wird immer interessanter, immer mehr Restaurants in der Umgebung haben auch zu dieser Jahreszeit geöffnet“, schildert Brandt.

Das Thema Umgebung und Zusatzangebote ist für Aalernhüs-Chef Martin Wenzel ein wesentlicher Punkt. „Die Vermarktung von St. Peter-Ording ist beispiellos. Das macht die Tourismus-Zentrale wirklich gut. Nur beim Nebenprogramm sehe ich noch Entwicklungspotenzial: Im Sommer drängen sich manchmal acht Veranstaltungen an einem Tag. Es wäre schön, wenn man diese Veranstaltungsdichte noch ein bisschen besser auf die anderen Monate verteilen könnte. St. Peter findet nun mal nicht nur von Mai bis September statt“, sagt der Hoteldirektor.

Nach seiner Erfahrung genießen die Gäste des Aalernhüs-Hotels besonders das Draußensein: „Ganz gleich wie das Wetter ist: Die Gäste wollen raus. Wenn sie zu dieser Jahreszeit nach St. Peter-Ording kommen, wissen sie, worauf sie sich eingelassen haben. Sie haben genau das Motiv eines schönen Herbst- oder Winterurlaubs, mit allem was dazu gehört. Und der Strand zieht natürlich zu jedem Wetter magisch an“, sagt Wenzel. Auffällig verändert habe sich auch das Buchungsverhalten der Menschen. Zunehmend gebe es Kurzentschlossene, die von einem Tag auf den anderen, vor allem am Wochenende, ein Zimmer buchen würden, erklärt Martin Wenzel.

Während für die Hotelbetreiber die Saisonverlängerung eine durchaus willkommene Entwicklung ist, hat der Trend für die Ferienwohnungsvermietern seine zwei Seiten.

Marianne Hopp vermietet Ferienwohnungen im Ortsteil Bad. Nach eigener Aussage täte ihr „der Winter zur Pause schon gut“, auch um wichtige Renovierungsmaßnahmen vorzunehmen. Was Marianne Hopp spürt, ist außerdem ein verändertes Urlaubsverhalten der Menschen: „Früher haben die Leute noch drei oder vier Wochen Erholungsurlaub genommen. Heute wollen sie meistens nur mal eine Woche buchen“, sagt Hopp.

Die steigende Buchungslage in der Nebensaison betrifft auch Arne Hoffmann als Ferienwohnungs-Vermittler. Für ihn ist die „Saure-Gurken-Zeit“ eigentlich elementar, um die zehn Ferienwohnungen in Stand zuhalten. In einigen Wohnungen wird zur Zeit beispielsweise aufwendig die Heizungsanlage und der Bodenbelag ausgetauscht. Aber auch der Trend zum Kurzurlaub schlägt sich nieder: In seinen Wohnungen hat sich die Verweildauer von durchschnittlich 14 auf zehn Tage verkürzt. Zudem würde immer kurzfristiger gebucht werden. „Früher wäre ich zwei Wochen vor Saisonbeginn schon unruhig geworden, heute nicht mehr“, sagt Hoffmann.

Renate Antpöhler bleibt von dem ganzen Trubel fast unberührt. Sie vermietet „Haus Sabine“ immer noch an langjährige Stammgäste, die nach wie vor drei bis vier Wochen bleiben. „Es kommt aufs Objekt an“, weiß die Rentnerin. Auch für sie ist die Saisonverlängerung aus wirtschaftlicher Perspektive natürlich wünschenswert. Wegen des sich entwickelnden Ansturms auf St. Peter-Ording hat sie jedoch Bedenken: Die Zahl auswärtiger Eigentümer von Vermietungs-Objekten würde immer mehr zunehmen, sagt Antpöhler. „Das sieht man besonders an den ungepflegten Grundstücken und daran, dass kein Schnee gefegt wird. Nicht, dass es hier wie auf Sylt wird.“

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