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Eiderstedter Vogel in Not : Kaum noch Trauerseeschwalben

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In diesem Jahr wurden bisher nur16 Brutpaare in Eiderstedt gezählt – so wenig wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Experte Claus Ivens fordert Land und Kreis zum Handeln auf.

Nur noch wenig Hoffnung hat Claus Ivens für den Fortbestand der Trauerseeschwalben auf Eiderstedt. In diesem Jahr sind nur zwei Tränkekuhlen mit Nestern besetzt – eine in Westerhever und eine Poppenbüll. 16 Brutpaare der vom Aussterben bedrohten Art hat der Vogelexperte gezählt, das sind zwei weniger als im vergangenen Jahr – so wenig wie noch nie. Damit setzt sich der Negativtrend fort. Ende der 1960er Jahre wurde noch rund 800 Brutpaare auf der Halbinsel verzeichnet, danach sank die Zahl stetig, in den vergangenen zehn Jahren rapide. Dies ist dem Wandel in der Landwirtschaft hin zu mehr Intensivierung geschuldet. Die Ausweisung des EU-Vogelschutzgebiets im Jahr 2009 und der dafür aufgestellte Managementplan haben dem nicht entgegenwirken können.

Claus Ivens appelliert an Kreis und Land, endlich dafür zu sorgen, dass für den Vogel die notwendigen Schutzmaßnahmen durchgesetzt werden. Ganz zentral ist für ihn, die Wasserwirtschaft. Denn nur wenn in den Gräben genügend Wasser steht, können dort auch die für die Trauerseeschwalbe und ihre Küken als Nahrung dienenden Fische leben. Mit dem Verein Weideland Eiderstedt hat er auch in diesem Jahr dabei etwas nachgeholfen und 10.000 Stichlinge in Gräben in Westerhever, Poppenbüll und Kotzenbüll ausgesetzt. Er hofft, dass so wenigstens ein paar Küken flügge werden. Ganz wichtig sei, schon im Frühjahr dafür zu sorgen, dass das Wasser entsprechend hochsteht und es dann bei diesem Stand zu lassen. „Wenn jetzt angefangen wird, einzustauen, dann ist es zu spät. Nach diesem warmen Mai sind viele Gräben trocken. Da ziehen jetzt keine Fische mehr rein.“

Im Bereich der Tränkekuhle in Westerhever müsse beispielsweise ganz dringend dafür gesorgt werden, dass der Wasserstand in der notwendigen Höhe gehalten werden. Das scheitere bislang an einem Landanlieger. „Der besteht darauf, dass das Wasser aus seinem Land raus muss. Hier sind Land und Kreis in der Pflicht“, betont Ivens noch einmal. Es gebe das Urteil des Oberverwaltungsgerichts, dass nun endlich umgesetzt werden müsse. Es gehe nicht, dass mit Maßnahmen gewartet werde, bis das Urteil schriftlich vorliege. Der Nabu hatte den Kreis 2009 verklagt – wegen der dauernden Entwässerung des EU-Vogelschutzgebiets Eiderstedt.

Auch Frank Hofeditz, der die Trauerseeschwalbe auf Eiderstedt im Auftrag des Landes beobachtet, betont die Bedeutung der Wasserstände. „Wir haben einfach zu wenig im Land.“ Es müsste dafür gesorgt werden, dass zumindest in der Umgebung der von dem Vogel als Brutrevier genutzten Kuhlen die Gräben so hergerichtet werden, dass Wasser in der nötigen Höhe einstauen kann. Das heißt Schilf und Modder müssen regelmäßig entfernt werden.

Auch Volquart Hamkens, der für den Eiderstedter Naturschutzverein eine Tränkekuhle im östlichen Westerhever betreut, hat kaum noch Hoffnung für die Trauerseeschwalbe. „Es hat sich dort kein Brutpaar auf unseren Flößen niedergelassen. Es hat nur ein paar Anflüge gegeben.“ Generell hab er nur ganz wenige in diesem Jahr beobachtet. Selbst in Adamsiel in Westerhever, wo sonst immer etliche waren, habe er nur zwei gesehen. „Das ist ein trauriges Kapitel, ich weiß nicht, ob sich der Bestand noch erholen wird.“

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erstellt am 22.Jun.2016 | 13:00 Uhr

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