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Trauerseeschwalbe in Not : Kaum Hoffnung für seltenen Vogel

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nur wenige Küken der bedrohten Trauerseeschwalbe wurden in diesem Sommer auf Eiderstedt flügge. Nahrungsmangel und schlechtes Wetter im Juni sind die Ursachen.

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erstellt am 16.Nov.2014 | 16:00 Uhr

Eine weitere schlechte Brutsaison liegt hinter den Trauerseeschwalben auf Eiderstedt. Wurden 2013 zwölf Küken der bedrohten Vogelart flügge, waren es in diesem Jahr nur elf. Ein mageres Ergebnis: Hatten doch die 37 Paare 46 Küken ausgebrütet. Viele der Vögelchen sind aber verhungert. „Das Nahrungsangebot an Fischen und Insekten ist insgesamt zu knapp. Zudem hatten wir Anfang Juni eine Schlechtwetter-Periode mit Starkwind und Regen, und im Juli war es dann zu trocken“, erklärt der Biologe Frank Hofeditz aus Husum, der die Betreuung und Zählung der Brutkolonien in Westerhever, Poppenbüll und im Oldensworter Vorland in diesem Jahr übernommen hat, zusammen mit seiner Kollegin Sabrina Langhans aus Hamburg – im Auftrag des Landesamtes für Landwirtschaft, Umweltschutz und ländliche Räume (LLUR). Insgesamt 137 Nistflöße waren im Frühjahr auf 15 Tränkekuhlen ausgebracht worden.

Sein Vorgänger, Claus Ivens, hatte Anfang des Jahres sein offizielles Engagement aus Enttäuschung über die mangelnde Unterstützung der Landesregierung aufgegeben. Er hatte sich jahrzehntelang um die Trauerseeschwalben gekümmert, mit Ehrenamtlern des Naturschutzbundes Kiel (Nabu) im Frühjahr Nistflöße auf Tränkekuhlen ausgebracht, den Vogelbestand gezahlt und Nahrungsfische in Gräben ausgesetzt. Unermüdlich hat er gemahnt, dass der Lebensraum für die Trauerseeschwalbe besser geschützt werden müsse. Insbesondere müsse der Wasserstand in den Gräben höher gefahren und diese besser gepflegt werden, damit die Vögel dort genügend Nahrung wie Fische und Insekten finden können, hatte er immer wieder vom Deich- und Hauptsielverband Eiderstedt gefordert. Dieser betreut die Sielzüge und ein Großteil der Gräben auf der Halbinsel. Trotz Ausweisung von drei Gebieten auf Eiderstedt als EU-Vogelschutzgebiet für Trauerseeschwalbe und Wiesenvögel im Jahr 2009 habe sich die Lage für den kleinen dunklen Vogel nicht verbessert, monierte Ivens.

Auch sein Nachfolger muss feststellen: „Es hat sich nichts geändert.“ Und die Tendenz sei weiterhin schlecht. „Der Lebensraum ist negativ ausgestaltet. Der Wasserstand in Gräben ist zu niedrig. Viele sind stark mit Schilf bewachsen und verschlickt.“ Wie wichtig ein guter Zustand sei, beweise ein Blick auf die Kolonien mit Bruterfolg, so Hofeditz. „In deren Nähe waren die Gewässer hergerichtet.“ Aber diese Wasserflächen reichten noch nicht. Denn die Trauerseeschwalbe benötige ein großes Jagdgebiet. So könne sie bei kräftigem Wind nicht überall auf Nahrungssuche gehen, wenn der Wellengang zu stark ist. „Wünschenswert wären größere Einheiten im Wassermanagement, um bessere Lebensräume, auch für die Wiesenvögel, zu haben“, so Hofeditz. Nur so könne gewährleistet werden, dass die Wasserstände gleichmäßig hoch seien und die Fische aus den Sielzügen auch in die Zuggräben gelangten. Derzeit wäre für sie oft an den Trennschotts Schluss. Ein Anfang sei mit der automatischen Fernsteuerung des Wasserstands im Gebiet Tetenbüllspieker gemacht. Das Land hatte mit dem zuständigen Sielverband vor zwei Jahren einen Vertrag geschlossen.

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