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Husumer Nachrichten

12. Dezember 2017 | 15:47 Uhr

Wahl-Nachlese : Katzenjammer und Jubelarien

vom

Von der geschrumpften Frauenquote bis zum Kapitän, der nicht so einfach zu ersetzen ist.

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2013 | 07:57 Uhr

Husum | Einige Wahlvorstände hatten es nicht leicht am Sonntag. Grund war die vom Land verordnete Neuzuschneidung der Wahlbezirke. Dass es statt bisher 15 jetzt nur noch 14 Wahlbezirke gibt, war dabei noch das geringste Pro blem. Für weit größere Aufregung sorgte die Tatsache, dass die Neuschneidung für den einen oder anderen Bürger mit einem Wechsel des Wahllokals verbunden war. Das rief zuweilen Unverständnis und in einigen wenigen Fällen sogar Empörung hervor. Zu spüren bekamen das dann die Wahlvorstände, obwohl die am wenigsten dafür konnten.

Nicht unbedingt empört, aber auch nicht gerade amüsiert war Husums Gleichstellungsbeauftragte, als sie sich die Zusammensetzung des neuen Stadtverordnetenkollegiums anschaute. "Bisher hatten wir immerhin noch sieben Frauen im Plenum", stellte Britta Rudolph fest. "Jetzt sind es nur noch fünf." Eine Ausnahme bilden allerdings die Grünen. Da sind die Frauen - rein statistisch betrachtet - sogar überrepräsentiert. Von drei Grünen sind zwei weiblichen Geschlechts. Bei der Wählergemeinschaft wurde die bislang einzige Frau in der Stadtvertretung, Traute Banzhaf, dagegen ein Opfer der neuen Zählweise. Nachdem die Fraktion von sechs auf vier Personen geschrumpft ist, sind die WGH-Herren jetzt wieder unter sich. Das gilt logischerweise auch für die Einzelkämpfer von FDP und Linken, während die Frauen beim SSW immerhin noch 33,3 Prozent stellen. In absoluten Zahlen kommt der Wählerverband der dänischen Minderheit damit aber auch nicht über eine Frau hinaus. Besonders düster sieht es für Rudolph jedoch an der Geschlechterfront der beiden großen Parteien aus. Zwar haben CDU und SPD je neun Sitze, das ändert aber nichts daran, dass Birgitt Encke und Inge Zimmermann in ihren Fraktionen allein auf weiter Flur sind - zu Rudolphs Entsetzen.

Den Freidemokraten ging es ähnlich. Dabei dachten sie allerdings weniger an die Frauenquote als an das Ergebnis als solches. "Wir hatten zumindest auf zwei Sitze gehofft", sagte Lothar Knoll. Doch der Wähler wollte es anders, und so bleibt der Spitzenkandidat auf sich allein gestellt. Dass das Schlingern des liberalen Ausflugsdampfers mit dem Rücktritt ihres langjährigen Kapitäns Siegfried Schulze-Kölln zu tun haben könnte, wollten Knoll und Ortsvorsitzender Jörn Kieback zwar nicht ausschließen, doch klarer äußerten sich dazu Vertreter anderer Parteien - jedenfalls hinter vorgehaltener Hand: "Der ist halt nicht ohne Weiteres zu ersetzen", hieß es unisono. Die FDP will dennoch nach vorne schauen und weiter auf liberale Themen setzen. Dazu gehöre auch der Erhalt der Windmesse für Husum.

Dass sich die klare Position des SSW zur Messe womöglich nachteilig ausgewirkt haben könnte, räumt dessen Vorsitzender Peter Knöfler ein. Dennoch ist er mit dem Wahlergebnis im Ganzen zufrieden - auch "wenn es in der neuen Konstellation nicht einfacher wird", wie er mit Blick auf die Patt-Situation von SPD und CDU und die vielen "kleinen Zünglein an der Waage" feststellt. "Aber bei uns stehen ja auch keine Mehrheitsbeschaffungen, sondern Sachthemen im Vordergrund."

Das sieht auch Frank Hofeditz von den Grünen so - und im Abschneiden der "Kleinen" überdies große Chancen. Mit Zuwächsen von vier Prozent gegenüber 2008 gehen die Grünen mit breiter Brust in die neue Wahlperiode. "Schwieriger ist das Leben nur für die Großen geworden", sagt Hofeditz, der sich vor allem von den Sozialdemokraten eine stärke Rückbesinnung auf deren Kernthemen wünschte.

Bei der Wählergemeinschaft Husum ist die Lage nicht ganz so rosig, wobei der "überproportionale" Verlust zweier Sitze im Stadtverordnetenkollegium vielleicht von allem am meisten schmerzt. Anderseits "hat auch diese Wahl bewiesen, dass wir einen festen Wählerstamm haben", fasst Ortsvorsitzender Reimer Tonder zusammen. Froh ist er darüber, dass keine der großen Parteien die absolute Mehrheit errungen hat und somit auch weiterhin um Sachthemen gerungen werden muss. "Außerdem soll es ja ein neues Miteinander geben", fasst Tonder die Lehren aus den teilweise harten Auseinandersetzungen der Vergangenheit zusammen.

Da er bei Beginn der Auszählung noch unterwegs war, erfuhr Jan Sörensen per SMS von seinem Erfolg, auf direktem Weg ins Stadtverordnetenkollegium eingezogen zu sein. Und obgleich es lange Zeit nicht so ausgesehen hatte, "bleiben wir stärkste Fraktion", freute sich der CDU-Ortsvorsitzende. "Das ist super. Und dass wir ein Wahlergebnis wie 2008 nicht noch einmal erzielen würden, war uns vor vornherein klar." Aufgrund der Patt-Situation werde es allerdings in der neuen Stadtvertretung nicht einfacher.

Von den Linken, die in Person von Naveed Iqbal Hashmid erstmals in die Stadtvertretung einziehen, war übrignes auch gestern noch keine Stellungnahme zu erhalten.

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