Unterhaltsames in St. Peter-Ording : Katja Kessler plaudert über ihre leidenschaftliche Ein-Personen-Ehe

Katja Kessler liest im Museum in St. Peter Ording aus ihrem Buch.
Katja Kessler liest im Museum in St. Peter Ording aus ihrem Buch.

Die Autorin Katja Kessler las im Museum Landschaft Eiderstedt aus ihrem neuesten Buch „Silicon Wahnsinn". Dabei arbeitete die Ehefrau des Gesamt-Herausgebers der Bild-Gruppe, Kai Diekmann, mit viel Wortwitz.

shz.de von
08. Mai 2015, 13:30 Uhr

Bildhübsch, groß, schlank mit langen, blonden Haaren, ausgestattet mit viel Wortwitz – das ist Katja Kessler. Die Autorin las im Museum Landschaft Eiderstedt aus ihrem neuesten Buch „Silicon Wahnsinn – Wie ich mal mit Schatzi nach Kalifornien auswanderte“. Sie ist die bessere Hälfte von „Schatzi“, Bild-Boss und Gesamt-Herausgeber der Bild-Gruppe, Kai Diekmann. Die Mutter von vier Kindern, die ihren Kai gerne auch „meinen Kerl“ nennt, verschmähte nach zahnärztlichem Studium mit anschließender Promotion die väterliche Praxis und machte ihr Hobby zum Beruf. Sie absolvierte ein Praktikum im Springer-Verlag und fiel dort durch flotte Sprüche und rasante Schreibe auf, wobei sie vielbeachtete Textbeiträge über die barbusigen Titelblatt-Mädchen schrieb.

Nach kurzer Zeit bekam sie ihre eigene Kolumne und berichtete in den folgenden vier Jahren über das Leben der High-Society im In- und Ausland. Eine smarte Berufsentscheidung, denn dort traf sie Kai „Schatzi“ Diekmann. Schon einen Tag nach ihrem ersten Treffen entscheiden sie: „Wir wollen ein Kind“. Weiter plaudert sie aus dem Nähkästchen: „ Ich habe ihn dann geheiratet, denn einer muss ja immer sagen, wo es langgeht“. In zehn Ehejahren vergrößert sich die Familie und sie haben zwei Töchter und zwei Söhne. „Dabei stellte ich fest, ich bin Profi-Strohwitwe. Die Nettoverweildauer von Schatzi in meinem Leben liegt in schlechten Wochen unter der des Postbotens“ beschreibt die eloquente Mitvierzigerin ihre Ehe. „Dabei führen wir eine sehr moderne, glückliche, verliebte und leidenschaftliche Ein-Personen-Ehe, in der ich mit mir selbst verheiratet bin und mein Mann mich ab und zu besuchen kommt. Mit dieser Technik schaffen wir auch die Goldene.“

Gatte Kai erklärte ihr eines Tages: „Ich muss nach Palo Alto in Kalifornien ins Silicon-Valley. Die digitale Welt ruft!“ Nach reiflicher Überlegung entscheidet sie sich gegen Potsdam, ihren Wohnort und für die USA. Mit sieben Koffern und vier Kindern geht es ab in Richtung Kalifornien. Zuerst wohnen sie im Hotel, dann in einem gemieteten Haus. Ihr „Kerl“ hat es sich mit zwei weiteren Springer-Verantwortlichen weiter weg in einer Wohngemeinschaft gemütlich gemacht.

Den schnell in ihren Bann gezogenen Zuhörerinnen gibt sie mahnend mit auf den Weg: „Werdet aktiv, gestaltet Euer Leben selbst, bewahrt Eigenständigkeit und kämpft für Eure Träume. Die Frau ist letztlich immer die, die auf die Produkte der Liebe aufpasst, Partnerschaft, Kinder und Haus und hält damit dem Mann den Rücken frei. Das Leben ist kein Payback-System, indem man nach 30 Jahren den Bonus ausgezahlt bekommt, sagt was Ihr wollt und zieht es durch“, so ihr Credo.

Bei diesem Teil des Buches amüsieren sich die anwesenden Herren offensichtlich weniger. Nur einmal wirkt sie noch heute betroffen, als sie nämlich von einem Amoklauf erzählt, der während ihres Aufenthaltes in einer amerikanischen Schule passierte. Dabei kamen 26 Schüler und eine Lehrerin zu Tode. „Die Kinder mussten anschließend in der Schule Verhaltensabläufe wie in einem Manöver proben. Erst später in Deutschland realisierte ich, dass mein Sohn das in Albträumen verarbeitete“, berichtet sie.

Die Kielerin, die schon lange in Potsdam lebt, bekennt, dass sie noch nie im Bundestag gewesen sei und auch Sanssouci noch keinen Besuch abgestattet habe. Dafür habe sie in Amerika alles ausgekostet und sei mit ihren Kindern dort mehr als aktiv gewesen, wofür auch sieben Besuche in Unfallnotaufnahmen sprächen.

Ihre unterhaltsamen Geschichten drehen sich immer wieder um Ehemann Schatzi, ihre Kinder, ums Joggen mit zehn unbekannten Müttern, aufregender Parkplatzsuche, zu vielem und ungesundem Essen mit ordentlicher Gewichtszunahme und einem sehr beeindruckenden Po-Vermessungsgerät in einem Jeansladen. Zum Abschluss erklärt sie noch: „Nichts ist erfunden in diesem Buch. Bis auf das bisschen, was nicht wahr ist“. Der vergnügliche Lesespaß, den sie ihrem Vater gewidmet hat, ist im Marion von Schröder Verlag –

ISBN 13 9783547712018

erschienen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen