Flüchtlinge in Seeth : Kaserne soll Notunterkunft werden

Die Stapelholm-Kaserne bietet Neubürgern Platz zum Wohnen.
Die Stapelholm-Kaserne bietet Neubürgern Platz zum Wohnen.

In Seeth gibt es laut dem Land optimale Voraussetzungen für die Schaffung einer Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge. Bis zu 600 Asylsuchende sollen in der ehemaligen Bundeswehr-Kaserne untergebracht werden.

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11. Juli 2015, 16:00 Uhr

Das Blatt hat sich gewendet: Die Voraussetzungen für die Schaffung einer Erstaufnahme-Einrichtung in Seeth sind gegeben. Schließlich räumte die Bundeswehr die Kaserne Ende Juni. Sie steht also leer. Die Einrichtung ist optimal – denn dort, wo bislang Soldaten gewohnt haben, könnten Flüchtlinge einziehen. Es müssten keine Notunterkünfte aufgebaut werden, auch die moderne zentrale Küche und andere Einrichtungen, wie etwa der Sanitätsbereich, seien optimal. Angedacht sei, wenn es denn Seeth werde, 600 Flüchtlinge dort für maximal sechs Wochen einzuquartieren. Das berichtete Dr. Thiemo Lüeße, Projektleiter Erstaufnahme-Einrichtungen des Landes, in der Sitzung des Amtsausschusses Nordsee-Treene.

Rückblende: Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Die Stapelholm-Kaserne in Seeth sollte zu einer Erstaufnahme-Einrichtung des Landes für Flüchtlinge werden. Großes Verständnis in der 600-Seelen-Kommune, auch das Amt Nordsee-Treene als Verwaltung sowie die Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft Nordfriesland stimmten zu. Zugesagt worden war, dass die Pläne für die Ansiedelung von unternehmen nach dem Abzug der Bundeswehr nicht beeinträchtigt werden. Doch dann, am 28. Mai, kam die Mitteilung von der Landesregierung, dass Seeth nicht mehr im Rennen sei.

Doch nun wurde es in der Sitzung des Amtsausschusses Nordsee-Treene doch anders. In Schwabstedt informierte Lüeße die Runde darüber, dass die Stapelholm-Kaserne durchaus wieder eine Option sei. Zwar, so betonte er, sei die Tür nur einen Spalt geöffnet worden, doch keiner im Saal teilte diese Einschätzung, nachdem der Projektleiter die dramatische Situation in Schleswig-Holstein geschildert hatte. Er machte dies an den Zahlen des Monats Juli deutlich. Im ganzen Monat des vergangenen Jahres waren 646 Asyl-Suchende ins Land gekommen. In den ersten sieben Tagen des Juli dieses Jahres waren es bereits 900 Neubürger.

Seeths Vize-Bürgermeister Ernst-Wilhelm Schulz betonte, dass die Gemeinde bereit sei, auch wenn es für einen 600-Einwohner Ort schwer werde. Man wolle aber helfen. Allerdings unterstrich er, dass das Land die Gemeinde aber nicht allein lassen dürfe, denn es gebe durchaus bei einigen in der Bevölkerung Ängste, und die müsse man ernst nehmen. Lüeße versprach Unterstützung und sagte, dass etwa 80 Personen in der Ersteinrichtung arbeiten werden. Dazu gehöre auch eine Polizeistation.

In den ersten Überlegungen von Anfang des Jahres war noch daran gedacht worden, diese Station am Wochenende zu schließen. Diese Pläne seien nun aber vom Tisch, so der Projektleiter. Die zusätzlichen Polizisten würden laut neuer Planung auch nicht die Dienststärke in der Region beeinflussen. Im Regelfall, erläuterte er weiter, würden sich Flüchtlinge nur rund zehn Tage in der Einrichtung aufhalten, so zumindest die Erfahrungen im Land. Dann würden sie auf die Kreise, beziehungsweise Gemeinden verteilt werden. Er persönlich ziehe vor der Gemeinde Seeth den Hut, denn dort gebe es scheinbar eine Willkommenskultur. Die große Hansestadt Lübeck,wo der Senat erst unlängst den Bau einer Erstaufnahme-Einrichtung verweigert habe, könne sich daran ein Beispiel nehmen.

Eine Etablierung in Seeth, so Projektleiter Lüeße weiter, entspreche nicht den Zielen der Landesregierung. Denn eigentlich sei es optimal, die Flüchtlinge in Städten unterzubringen, da dort die Infrastruktur besser sei. Die aufkommende Diskussion über die Schwierigkeit bei der Integration von so vielen Asyl-Suchenden in Seeth konnte schnell beendet werden, da die maximal 600 Flüchtlinge ja nur kurze Zeit dort bleiben würden. Einen konkreten Zeitraum für den Aufbau der Erstaufnahme-Einrichtung nannte Lüeße nicht, wollte aber gestern die Stapelholmer Gemeinden unterrichten. Der Amtsausschuss-Nordsee-Treene- zumindest versprach der Gemeinde Unterstützung und geht davon aus, dass die Kaserne schon in kürzester Zeit umgestaltet wird.

Amtsvorsteher Ralf Heßmann regte zudem an, dort dann auch das Sozialkaufhaus „Bunte Vielfalt“ zu integrieren.Es wurde für die Unterstützung von Flüchtlingen in Mildstedt aufgebaut (wir berichteten), sucht aber zum Ende dieses Jahres ein neues Domizil.

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