Kommunalwahl : Karten werden neu gemischt

Wer als Bürgermeister ins Friedrichstädter Rathaus einziehen darf, entscheidet sich im Juli.
Wer als Bürgermeister ins Friedrichstädter Rathaus einziehen darf, entscheidet sich im Juli.

An Gracht und Treene sind spannende Zeiten angebrochen: Der Friedrichstädter Bürgerverein und die Schwabstedter Linke sind auf Erfolgskurs.

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08. Mai 2018, 10:00 Uhr

„Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir für einen politischen Erdrutsch sorgen“, sagt Bernd Güldenpenning, als er auf das gute Ergebnis angesprochen wird, das der Bürgerverein eingefahren hat. Mit 29 Prozent hat sich die Fraktion in Friedrichstadt an die Spitze gesetzt und die SPD, die 26,7 Prozent erzielte, hinter sich gelassen. „Wir sind alle wirklich positiv überrascht, dass wir stimmtechnisch am stärksten waren“, erklärt Güldenpenning. Als Direktkandidat hat er allein 399 Stimmen eingefahren. Der Grund? „Ich denke, das liegt daran, dass wir ausschließlich Friedrichstädter Themen angesprochen haben.“ Ziel des Bürgervereins sei gewesen, statt der vorherigen zwei Sitze ein Mandat mehr zu erzielen. Jetzt sind es vier Sitze im insgesamt 13-köpfigen Stadtparlament geworden. Wie es jetzt weitergeht? „Wir werden zunächst Gespräche mit der CDU führen“, erklärt der Friedrichstädter, der bereits seit 25 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv ist. Er betont, dass der Bürgerverein offen ist für Gespräche mit allen Fraktionen. „Wir müssen uns nun auch erst einmal finden“, gibt er zu bedenken.

Neu finden müssen sich auch die Sozialdemokraten, die in den vergangenen Jahren gemeinsam mit dem SSW mit insgesamt sieben Sitzen die Mehrheit inne hatten. „Zwar haben wir weiterhin vier Sitze erhalten, hatten uns aber ein bisschen mehr ausgerechnet“, gibt Eggert Vogt (SPD), der seit 2013 Stadt-Oberhaupt ist und sich in Friedrichstadt seit vier Jahrzehnten kommunalpolitisch engagiert, unumwunden zu. „In Zukunft sind dann vielleicht andere gefordert“, fügt er hinzu. Man müsse nun schauen, was die Gespräche der kommenden Wochen ergeben.

Vogt, der sich wieder als Bürgermeister-Kandidat hat aufstellen lassen, tritt gegen CDU-Frau Christiane Möller-v. Lübcke an, die ebenfalls für dieses Amt kandidiert. Die Christdemokraten haben 26 Prozent der Stimmen geholt und dürfen somit drei Plätze im Stadtparlament besetzen. Möller-v. Lübcke sieht die Verschiebungen der Mehrheiten als große Chance für die Holländerstadt. „Ich bin sehr stolz auf das Ergebnis“, sagt sie und kann sich vorstellen, dass CDU und Bürgerverein gut zusammenarbeiten könnten. „Nun müssen wir abwarten, was so kommt.“

Vierte Fraktion im Stadtparlament ist der SSW, für den am Sonntagabend 18,3 Prozent der Friedrichstädter votierten. „Das war schon sehr überraschend das Ganze“, bilanzierte Heiko Schönhoff. Dass der SSW nun von drei auf zwei Sitze minimiert wurde, findet er nicht dramatisch. Vor der Kommunalwahl 2013 habe der SSW auch nur zwei Sitze gehabt und damals habe es insgesamt 17 Sitze in der Stadtvertretung gegeben, erinnert er sich. „Und wir haben trotzdem etwas bewirkt.“ Schönhoff ist gespannt darauf, wie es jetzt weiter geht. „Bezüglich der Bürgermeister-Nachfolge ist ja noch nicht abzusehen, was jetzt passiert. Aber so oder so zählt am Ende, dass wir zum Wohle der Friedrichstädter fraktionsübergreifend denken.“


Schwabstedter Linke nimmt Fahrt auf

Für einen regelrechten politischen Paukenschlag sorgte die Linke in Schwabstedt, die aus dem Stand gleich 19,2 Prozent holte. „Das war wirklich toll“, sagt Direktkandidat Mario Kröger. „Und mit so einem großartigen Ergebnis haben wir auch nicht gerechnet.“ Parteikollege und Direktkandidat Hartmut Jensen führt dieses Ergebnis auf den engagierten Wahlkampf zurück und hofft, dass damit landespolitisch ein Zeichen gesetzt wird. Man müsse das jedoch erstmal sacken lassen und schauen, wie man damit umgehe, sind sich beide einig.

Stärkste Fraktion in der Treene-Gemeinde ist nach wie vor die CDU, die 27,8 Prozent der Stimmen erhalten hat. „Ja, es war schon eine Überraschung, dass die Linken so viele Stimmen geholt haben“, erklärt Marco Clausen-Hansen. Doch seine Fraktion, die insgesamt nur vier Direktkandidaten auf die Liste gesetzt hat, ist stolz darauf, dass auch alle davon gewählt wurden.

Die anderen drei Fraktionen, die FDP mit Bürgermeisterkandidat Jürgen Meyer, die WGS und die SPD bekamen 21,7, 24,2 und 7,1 Prozent der Stimmen. Die konstituierende Sitzung in Schwabstedt findet am 28. Juni, in Friedrichstadt am 5. Juli statt.

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