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Naturzentrum Bredstedt : Kampf gegen vermüllte Küsten

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Plastikmüll ist eine gegenwärtige Gefahr für Fische, Vögel, Meeressäuger – und Menschen. Annemarie Matthießen vom Bredstedter Naturzentrum ruft dazu auf, unnatürliches Treibsel von der Küste zu räumen.

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2016 | 17:34 Uhr

Es hat nicht lang gedauert, da war der erste Müllsack gefüllt. Am Neujahrstag hatte sich Annemarie Matthießen vom Bredstedter Naturzentrum gemeinsam mit einer Freundin auf den Weg gemacht, um den angespülten Müll an der Nordsee zu sammeln – „und so mit einer guten Tat in das neue Jahr zu starten“, sagt sie. Die beiden steckten sich eine Handvoll Mülltüten in die Tasche und gingen los – vom Sönke-Nissen-Koog-Siel aus in Richtung Lüttmoorsiel und zurück.

„Wir waren gerade losgegangen, da haben uns schon die ersten Spaziergänger angesprochen“, erzählt die Ehrenamtlerin. Diese waren sofort so begeistert, dass sie ebenfalls helfen wollten – und nahmen ihnen die ersten beiden bereits gefüllten Müllsäcke ab und brachten sie zu Annemarie Matthießens Auto. Kurz darauf wurden sie erneut angesprochen, zwei weitere Spaziergänger wollten ebenfalls Treibsel einsammeln. „Wirklich jeder, mit dem wir ins Gespräch kamen, fand die Idee gut“, sagt sie. „Nur hat nicht jeder auch immer Müllbeutel dabei.“

Dabei gab es vor allem nach den extrem hohen Wasserständen Ende Dezember einiges einzusammeln: Fischernetze, Plastik- und Glasflaschen, Luftballons, Schuhe oder Ölkanister – „das Spektrum ist breit“, sagt Matthießen. Den gesammelten Müll hat sie anschließend in den Hinterhof des Naturzentrums gebracht und dort sortiert, die natürlichen Teile vom Müll getrennt.

Wie die Welt-Naturstiftung WWF berichtet, schwimmen heute in jedem Quadratkilometer der Meere zehntausende Teile Plastikmüll. Und dieser bedeutet eine gegenwärtige Gefahr für Fische, Vögel und Meeressäuger, die sich in Netzen und Plastikteilen verfangen können, oder verhungern, weil sie Abfallteile im Magen haben. Zudem können die Mikropartikel und Giftstoffe über die Fische in den Ozeanen letztlich auch in die menschliche Nahrungskette gelangen. 350 bis 400 Jahre dauerte es laut Welt-Naturstiftung, bis sich Plastikteile vollkommen zersetzen können.

„Ich finde das unerträglich“, sagt Annemarie Matthießen. Um dieses Problem stärker in das Bewusstsein der Menschen zu rücken, ruft sie dazu auf, dass mehr Leute unnatürliches Treibsel von Deichen und Stränden räumen. „Jeder, der sich beschäftigen möchte, kann so etwas Gutes tun.“

Sie nennt als Beispiel einen armenischen Flüchtling, der kürzlich bei ihr im Naturzentrum war. Vor seiner Flucht hatte er in Jerewan in einer Umweltbehörde gearbeitet, „jetzt sucht er händeringend nach einer Möglichkeit, auch hier etwas tun zu können“, erzählt sie. „Viele Flüchtlinge wollen sich einfach nur beschäftigen.“ Wenn es rechtlich abgesichert wäre, würden sie sicher auch gern Treibsel einsammeln, vermutet die Ehrenamtlerin. „So könnten sie auch Heimatkunde erfahren, wenn jemand dabei ist, der ihnen den Lebensraum erklärt – Anschauungsmaterial gibt es in Naturzentrum genug. Und außerdem würden sie durch den Umgang mit anderen ganz nebenbei die deutsche Sprache lernen.“

Die von ihr und ihren Mitstreitern gesammelten Dinge werde sie nach Absprache mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) in diesen Tagen zum dortigen Bauhof nach Nordstrand bringen. Von da aus werden sie entsorgt, die natürlichen Anteile – beispielsweise Seegräser – gehen an spezielle Abnehmer wie Landwirte oder Gartenbaubetriebe. Bei kleineren Mengen Treibsel nutzt Matthießen einfach die heimische Mülltonne – und hofft, dass es ihr andere gleichtun. Selbst trägt sie deswegen inzwischen immer Plastiktüten bei sich – um auf jedes Teil des angespülten Mülls vorbereitet zu sein.

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