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Husumer Nachrichten

16. August 2017 | 21:53 Uhr

Klinikum Nordfriesland : Kampf gegen Keime

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Klinikum Nordfriesland sind bereits Maßnahmen im Kampf gegen multiresistente Keime ergriffen worden. Das Problem ist die Finanzierung. Gefordert wird eine Diskussion über den Einsatz von Antibiotika.

Für Frank Pietrowski ist eine Diskussion über multiresistente Keime und damit über den Einsatz von Antibiotika längst überfällig. Der Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland: „Wichtig wäre die Erkenntnis, dass es sich nicht um ein reines Krankenhaus-Thema handelt. Die Problematik setzt viel früher ein.“ Denn, so Pietrowski auf Anfrage unserer Zeitung: „Die Mehrzahl von multiresistenten Erregern wird – meist ohne Wissen der Betroffenen – in die Kliniken hineingetragen – mit erheblichen Folgen und Kosten.“

Anhand von festgelegten Kriterien werden Risiko-Patienten bei der Aufnahme in das Klinikum auf die Erreger getestet – „inzwischen rund ein Viertel aller Patienten“, erläutert Dr. Alfonso Grande. Er ist der für die Hygiene im Klinikum NF verantwortliche Arzt. „Bis zum Vorliegen des Ergebnisses isolieren wir die Patienten in speziellen Zimmern, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren.“

Risikopatienten sind beispielsweise Menschen, die unter chronischen Wunden leiden oder/und sich in der Vergangenheit bereits langwierigen Antibiotikabehandlungen unterziehen mussten. Untersucht wird, ob im Körper des Betroffenen multiresistente, gramnegative Keime (MRGN) zu finden sind. Dabei handelt es sich um Stäbchenbakterien, die vermehrt resistent gegenüber verschiedenen Antibiotika geworden sind. Auch die Weltgesundheitsorganisation hat bereits Alarm geschlagen.

„Sowohl auf den Testkosten als auch auf den Summen für die Isolierung bleiben wir sitzen“, kritisiert Geschäftsführer Frank Pietrowski. „An die Kliniken werden immer höhere und mehr Anforderungen gestellt, aber bei der Honorierung herrscht weitgehend Fehlanzeige.“ So bekommt das Klinikum Nordfriesland bei keinem der folgenden Maßnahmen ein Extrabudget:

>das schon erwähnte Screening samt erforderlicher Isolationen

> die Qualifizierung von Personal in Hygienefragen. Das Klinikum Nordfriesland bildet zurzeit 25 sogenannte Link-Nurses aus; diese Hygiene-beauftragten Pflegekräfte werden in allen Abteilungen die „Schnittstelle“ zwischen den hygiene-verantwortlichen Ärzten sowie den internen Hygiene-Fachkräften und den vor Ort arbeitenden Beschäftigten darstellen und auf die Umsetzung der vorhandenen Hygienepläne achten und ihr Wissen weitergeben.

>Bereits im Jahr 2000 ist im Klinikum damit begonnen worden, intern Daten zu Krankenhaus-Keimen zu erfassen – „als eines der ersten Krankenhäuser überhaupt“. Die „nosokomiale Infektionsstatistik“ ist nach Jens Rohs, dem Qualitätsmanager des Klinikums, „unauffällig“.

Selbstverständlich sei es im Klinikum Nordfriesland, dass an der Aktion „Saubere Hand“ teilgenommen werde, dass überall Hygienepläne aushängen, Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen vorgenommen und kontrolliert und bei Baumaßnahmen die Anforderungen an die Hygiene eingehalten werden. „Dabei holen wir uns immer Rat von entsprechenden Spezialisten, zum Beispiel von der Universität Kiel“, erklärte Dr. Grande. „Das, was wir können, tun wir – zur Sicherheit unserer Patienten, Besucher und natürlich auch der Beschäftigten“, betonen Pietrowski, Grande und Rohs. „Und es wäre schön, wenn diese sinnvollen und wichtigen Maßnahmen auch finanziell besser honoriert werden.“

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erstellt am 21.Nov.2014 | 11:30 Uhr

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