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Schäden für Bauern : Kahle Weiden durch Gänse-Invasion

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zigtausende Gänse fressen vor allem im Raum Westerhever die Weiden kahl. Der Umweltausschuss des nordfriesischen Kreistages nimmt sich der Sorgen und finanziellen Nöte der Eiderstedter Landwirte an.

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erstellt am 14.Mai.2014 | 13:30 Uhr

Gänse fressen die Weiden kahl – bis zur Grasnarbe. Überall liegt Gänsekot, auch in der Tränke, sodass Krankheitserreger auf das Weidevieh übertragen werden können. Probleme, die seit vielen Jahren bekannt, aber bis heute nicht behoben sind. Landwirte und Deichschäfer in Westerhever suchen händeringend nach Lösungen, denn der exorbitante Anstieg der Gänse-Population ist für sie ein wirtschaftliches Fiasko. Alle betroffenen Bauern müssen zufüttern, um ihr Vieh satt zu bekommen.

Zurzeit befinden sich laut Bürgermeister Olaf Dircks allein im Raum Westerhever und weiten Teilen der Halbinsel Eiderstedt etwa 48 000 Gänse. Dies hätten Zählungen von Junge Hans von Ahnen, Landwirt der Lammerswarft, ergeben. „In der Spitze waren es sogar 70 000 Tiere“, betonte Dircks bei einem Ortstermin von Mitgliedern des Umwelt- und Energieausschusses des nordfriesischen Kreistages. Dessen Vorsitzende Kerstin Mock-Hofeditz (Grüne) hatte zu der Begehung eingeladen, um sich selbst ein Bild des Schadens machen zu können. Vor 23 Jahren hatte die gebürtige Bonnerin, so erzählte sie, ihre Diplomarbeit über die Gänse-Population in Westerhever verfasst. „Damals waren es noch etwa 15 000“, erinnert sich die Ausschussvorsitzende.

Mehr als 60 Landwirte, Deichschäfer und Michael Kruse vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein sowie Heiner Rickers, agrar- und umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, waren der Einladung zu dem Termin gefolgt.

Von den rund 1100 Hektar Weideflächen sind laut Bürgermeister Dircks etwa 500 betroffen. „Das können wir uns nicht leisten“, monierte Karsten Alberts. Der stark betroffene Landwirt hatte vergangenes Jahr nur im Zeitraum vom 20. Juni bis zum 20. September die Möglichkeit, seine Rinder auf der Weide ohne Zufütterung satt zu bekommen. Die Problematik verfolgt „Kaschi“ Alberts – bekannt aus der TV-Show „Bauer sucht Frau“ – schon seit Jahren. Auch hatte er sich bereits mit Umweltminister Robert Habeck über Lösungsmöglichkeiten ausgetauscht – ohne Ergebnis. Alberts ist sogar bereit, seinen Hof zu tauschen – weg aus Westerhever. Denn es gebe keine akzeptable Ausgleichszahlung von der Landesregierung und ein Vergrämen der Gänse sei nicht gewünscht. Alberts Hof hat 60 Hektar. „Bei 500 Euro Verlust pro Hektar kostet es mich 15 000 Euro“, rechnet er vor.

Diese Bilanz wollte Michael Kruse vom Landwirtschaftsministerium in seinem Vortrag zum Gänsemanagement in Schleswig-Holstein nicht unkommentiert stehen lassen: Landwirte erhielten unentgeltliche 130 Hektar „störungsfreie“ Poolflächen für Weidegänge und die Winterfutter-Gewinnung, wenn auf eine Vergrämung verzichtet wird. „Deshalb geht es den Westerheveraner Bauern nicht ganz so schlecht“, sprach Kruse vom Klagen auf hohem Niveau. Entschädigungszahlungen seien laut EU-Recht nicht zulässig, so Kruse. Hier werde von „unerlaubten Subventionen“ gesprochen. Auch der Fachmann des Ministeriums strebt allerdings Verbesserungen an. So möchte er eine optimierte Vergrämung erproben. „Drohnen könnten eine Möglichkeit sein“, verriet er. Flankierend dazu seien auch die Jagdzeiten erweitert worden – für Grau-, Nonnen- und Ringelgänse. Auch ein Ranger-Einsatz wurde vorgeschlagen.

Als weitere Lösung brachten sowohl Westerhevers Bürgermeister Dircks als auch der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Jensen (CDU) die Beweidung des Vorlands ins Gespräch. „Zurück in den Nationalpark Wattenmeer ist zwar keine goldene Lösung, aber eine Entwicklung“, umschreibt Dircks diese Idee, um der Gänse-Population Herr zu werden. Denn die bereits praktizierte Ablenkungs-Fütterung war nicht von Erfolg gekrönt. Deshalb hofft Dircks, dass der Ausschuss einen Empfehlungsbeschluss fasst, der die Situation befrieden könnte.

Mit 50 Euro pro Hektar sei auch keinem Bauern geholfen. Deshalb wäre es vielleicht sinnvoller, den stark betroffenen Landwirten aus Westerhever entsprechende Poolflächen häufiger und länger zur freien Nutzung zur Verfügung zustellen als auswärtigen Pächtern. Und in Abstimmung mit der EU müsse sichergestellt werden, Möglichkeiten zu schaffen, dass Schäden durch Gänse mit Mitteln aus dem Landeshaushalt ausgeglichen werden dürfen.

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