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Der alte Husumer Hafen : Kachelbild in letzter Sekunde gerettet

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein fast 500-teiliges Kunstwerk des 1990 verstorbenen Husumer Malers Günther Knortz blieb bei einem Hotel-Abriss gerade noch verschont. Der Besitzer möchte es nun einem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen.

Das Hotel in Schobüll existiert nicht mehr. Doch was ist nach seinem Abriss mit dem Kachelbild geschehen, das einst die Küche zierte? Wurde es mit in Schutt und Asche gelegt und als Baumüll entsorgt? So schien es zunächst – und damit der großflächige Wandschmuck, der den Husumer Hafen vermutlich im 19. oder 20. Jahrhundert mit der angeschlossen Werft abbildet, für immer verloren.

Doch nun hat sich Eigentümer Oliver Tauffenbach mit einer guten Nachricht gemeldet: „Gott sei Dank konnten wird das Kunstwerk in letzter Sekunde retten.“ Diese Dramaturgie ist beileibe keine Übertreibung: „Noch am Abend vor dem Abriss saßen meine Frau und ich in der Küche und überlegten miteinander, wie man das einzigartige Kachelbild doch noch erhalten könnte“, so Tauffenbach.

Zuvor hatte er mehrere Tage lang mit Hammer und Meißel versucht, das aus fast 500 bemalten Kacheln hergestellte Wandbild zu retten – ohne Erfolg. Irgendwann gab er es dann doch auf. Zu groß war die Angst, das Motiv dabei zu zerstören. „Noch in der Nacht rief ich einen Freund an und fragte ihn um Rat“, erinnert sich Tauffenbach. Und tatsächlich kam sein Gesprächspartner auf eine Idee: „Mit einer Flex könnte man die einzelnen Kacheln aus der Wand schneiden!“ Der ehemalige Hotel-Besitzer kann sich noch an die sehr unruhige Nacht erinnern: „Es tat mir in der Seele weh, dieses Kunstwerk der Abrissbirne preiszugeben.“

Ruhe kehrte in diese aufregende Zeit erst ein, als sein Freund anrief und Entwarnung gab. „Allerdings hatte er mich zuvor auf die Folter gespannt und herumgeeiert, bis er mit der erlösenden Nachricht rüberkam.“ Die frohe Botschaft: „Wir konnten 95 Prozent des Kunstwerkes retten!“ Lediglich einige blaue Kacheln, mit denen das eigentliche Bild umrahmt wurde, seien beim Herausschneiden zu Bruch gegangen.

In der linken unteren Kachel hat sich Günther Knortz mit der Jahreszahl 74 verewigt. Wie und unter welchen Umständen der 1919 in Neuss am Rhein geborene Künstler das Meisterwerk schuf, ist nicht bekannt. Ebenso, ob er es anhand einer Vorlage malte oder dabei direkt vor dem Hafen saß. Manuel Knortz, Sohn des 1990 in Husum verstorbenen Urhebers, weiß allerdings eines noch ganz genau: „Der Husumer Hafen gehörte zu den Lieblingsmotiven meines Vaters. Er hat das Bild sehr gut im Kopf gehabt und fürs Bemalen der Fliesen keine Vorlage benötigt.“

Doch wohin nun mit den guten Stücken? Derzeit sind die bemalten Fliesen sorgfältig verpackt und lagern gut geschützt in der Tönninger Firma Nissen, wo Tauffenbach beschäftigt ist. Selbst kann er das Werk in seinem neuen Haus nicht unterbringen. „Auf der einen Seite hänge ich an diesem Bild und würde es gerne behalten, auf der anderen Seite möchte ich es aber der Öffentlichkeit zugänglich machen.“ Geld verdienen will er damit nicht.

Zusammen mit seiner Frau hat Tauffenbach daher eine Idee entwickelt. „Wir möchten die bemalte Fliesenwand als Dauerleihgabe an ein Husumer Museum vergeben.“ Denkbar wäre auch, dass das Hafenbild im Eingangsbereich eines Hotels angebracht wird. Auf jeden Fall soll es in Husum bleiben. Und eines macht Tauffenbach noch klar: „Verkauft wird das Bild auf keinen Fall!“

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