Projekt in Friedrichstadt : Jugendliche entdecken ihre Talente

Enya Fritzi  hat die Bewegungsabläufe der blauen „Außerirdischen“ für eine Szene noch einmal überprüft.
Enya Fritzi hat die Bewegungsabläufe der blauen „Außerirdischen“ für eine Szene noch einmal überprüft.

In Friedrichstadt drehen elf Jugendliche beim Talent-Campus der Volkshochschule Trickfilme.

shz.de von
20. August 2018, 12:00 Uhr

„Kamera ab“, sagt kurz und knapp Zoe. Die Elfjährige schaut konzentriert auf ihren Computerbildschirm und drückt „Enter“ auf der Tastatur. Die mit dem Rechner verbundene Fotokamera löst drei Serienfotos einer Szene aus, in diesem Fall stehen drei Knetmännchen in Blau im Bild. Sie stellen Außerirdische dar und „erzählen“ gerade gestenreich, den Irdischen, woher sie kommen. Unschwer ist zu erkennen, dass die dreiköpfige Arbeitsgruppe mit Zoe, Enya Fritzi sowie Thore, gerade Szenen für einen Trickfilm bearbeitet.

Filme drehen gemeinsam mit Fachleuten, dieser Traum ging für elf Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren aus Friedrichstadt und der näheren Umgebung in Erfüllung. Fünf Tage lang nahmen sie an einem von der Volkshochschule Friedrichstadt ausgeschriebenen Projekt „talentCAMPus“ teil.

Zur Verfügung gestellt wurden dafür die Räume des Jugendzentrums Friedrichstadt im kirchlichen Gemeindehaus. Die Durchführung selbst wurde durch das Förderprogramm „Kultur macht stark, Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ermöglicht und stand unter dem Inklusions-Gedanken „alle sind gleich“. „Für die Kinder war die Teilnahme kostenlos“, so die ehrenamtliche Leiterin, Tanja Quade, die jeden Tag dabei war. Sie kümmerte sich um das stimmige Drumherum. Die Arbeit mit den Förderanträgen habe sich doppelt gelohnt, so die Leiterin, weil die Mittel bis 2022 gebunden werden konnten. „Das heißt praktisch, dass wir jedes Jahr ein solches Projekt starten können“, so Quade. Stadtmanagerin Kerstin Lamp habe sogar Möglichkeiten aufgetan, um es auf noch größere Beine zu stellen. Das sei im Moment aber noch nicht spruchreif. Jedenfalls wolle Vater Staat mit dem Förderprogramm Kindern und Jugendlichen mit schwierigen Voraussetzungen zu neuen, positiven Lernerfahrungen und damit unabhängig von der Herkunft zu bestmöglichen Bildungschancen verhelfen.

Die Experten des weltweit agierenden Studios für Animation und Freie Trickfilmschule namens HollaenderArt aus Lüneburg – Mareike und Björn Hollaender, beide ausgebildete Pädagogen sowie Regisseure, und dem technischen Leiter Jonas Nahnsen – führten die jungen Leute in die Geheimnisse des Filmemachens und der Technik ein. „Wir haben uns gemeinsam eine Geschichte ausgedacht und mit den Fachleuten besprochen, ob das umzusetzen ist. Unsere Aufgabe war es außerdem, eine Mischung aus Trick- und Realfilm zu entwickeln und mit einer Handlung zu versehen. Das war schon eine Herausforderung“, erzählt der 17-jährige Benjamin. Er selbst habe viel gelernt und Spaß daran gehabt. Doch einen Fünf-Minuten-Film in fünf Tagen zu erarbeiten, sei schon hart. Sowas sei, so glaube er, nichts für ihn. Höchstens im Realfilm könnte er sich eine berufliche Heimat vorstellen. Im Team habe man sich entschieden, erzählt Lasse (13), einen Reportagefilm zu drehen mit Frage- und Antwortspiel. Jeweils einer aus der Gruppe musste real den Reporter spielen, ein weiterer wurde interviewt zur Frage „Gibt es Außerirdische?“, und der dritte musste die Kamera bedienen. Die Trickfilmaufnahmen mit den „Außerirdischen“ seien dann ebenfalls mit Dialogen versehen dazugemischt worden, so nach dem Motto „Hallo, uns gibt es doch – oder glaubt ihr das nicht und sind wir nun grün oder blau?“

Der Film wird übrigens in den nächsten Wochen im Lüneburger Studio professionell noch einmal nachbearbeitet, bevor die Jugendlichen ihn zu sehen bekommen, vielleicht ja auch einmal öffentlich zeigen können. Aber das müsse, so die VHS-Leiterin, auch wegen des Datenschutzes noch abgeklärt werden.

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