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Treff im alten Melkstand : Jugend kümmert sich um Jugend

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In Norstedt haben die jungen Leute ein eigenes Gremium, das seine Ideen auch schon in die Nachbargemeinden getragen hat. Ihr Treff ist ein ehemaliger Melkstand.

Der Jugendgemeinderat (JGR) ist längst zum unverzichtbaren Teil der politischen Gemeindearbeit in Norstedt geworden. Eine Gemeindevertreter-Sitzung ohne jugendliche Teilnehmer, deren Meinung auch ernsthaft abgefragt wird, ist dort seit 2013 nicht mehr denkbar.

Zu verdanken ist dies vor allem dem außerordentlichen Engagement von Gunnar Jensen (14), der sich als JGR-Vorsitzender nicht nur um die Interessen der Kinder und Jugendlichen seines eigenen Dorfes kümmert, sondern weitsichtig genug ist, auch die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden im Visier zu haben. Dort ebenfalls die Installation von Jugendgremien anzustoßen, ist in seinem dritten Amtsjahr eines seiner wichtigsten Ziele – basierend auf der grundlegenden Idee der Jugendgemeinderäte, den Zusammenhalt im Dorf zu stärken und die Gemeinde so für die Dorfjugend langfristig attraktiv zu halten.

Unter dem Motto „Hand in Hand für Norstedt“ hat die neunköpfige Truppe um den JGR-Vorsitzenden schon viel erreicht. So haben die jungen Leute am Neujahrsmorgen mit Müllbeuteln bewaffnet die Straßen vom Silvestermüll befreit, an der Durchführung aller öffentlichen Feste, der Umgestaltung des Busplatzes und an einer Baumfäll-Aktion im Schwimmbad mitgewirkt und die Gemeinde beim Aufbau einer „Geben-und-Nehmen-Hütte“ unterstützt. Das größte Projekt der letzten Monate war die Einrichtung eines Jugendtreff, wobei dieser mit Blick auf die gemeindeübergreifende Zielsetzung nicht nur den Norstedter Kids offenstehen soll: „Bei uns sind alle Jungs und Mädchen auch aus der näheren Umgebung willkommen“, so Gunnar Jensen, der im nächsten Jahr zusätzlich zu den abendlichen Treffs der Jugendlichen ein Nachmittagsangebot für Kinder anstrebt.

Zuvor aber steht nun die offizielle Einweihung des Jugendtreffs vor der Tür: „Im Oktober soll ein Fest stattfinden. Vielleicht ein Grillabend oder so. Wir werden rechtzeitig dazu einladen.“ Doch schon jetzt treffen sich am Ende des Schlagwegs jeden Freitag- und Sonnabend von 19 bis 23 Uhr bis zu 20 junge Leute in einem umgebauten Melkstand. „1988 wurden hier zum letzten Mal Kühe gemolken, danach war die Blechhütte immer mal wieder ein beliebter Treffpunkt für die Dorfjugend“, hat Gunnar in Erfahrung gebracht. Dass aus der ehemaligen „Bude“ nun ein kleines Schmuckstück werden konnte, das verdankt der JGR vielen großzügigen Spendern im Dorf und natürlich der Gemeinde, die das Projekt finanziell unterstützt. Unter fachkundiger Anleitung haben die jungen Leute vieles selbst gemacht. So wurden das Dach, der Fußboden und die Elektrik erneuert, die 60 Quadratmeter große Hütte bekam Fenster und Türen, und im Außenbereich entstand eine Terrasse mit Grillplatz. „Seit 19 Monaten haben wir hier jedes Wochenende hart gearbeitet“, erzählt Gunnar. Auch Jesse (13), Iven (13), Mario (15), Patrick (14) und Silas (15) kommen gerne mit dem Fahrrad raus zur Hütte, um gemeinsam den Abend zu verbringen – ohne elterliche Aufsicht, versteht sich. Dass dies ohne Zoff klappt, liegt sicher auch daran, dass sie hier ihr eigenes kleines Paradies am Dorfrand sehr zu schätzen wissen. Bis zur offiziellen Eröffnung wartet nun noch ein wenig Arbeit auf sie: Ein ordentlicher Fußbodenbelag soll verlegt werden und die Bar bekommt noch eine Holzverkleidung.

Aber das sei im Vergleich zu der Arbeit der letzten Monate ein Klacks, meinen die Jungs, zumal es in der Hütte jetzt schon urgemütlich ist: Ein Kachelofen sorgt bei Bedarf für behagliche Wärme im Raum. Tischkicker, Dartscheibe und Spiele stehen den Kids ebenso zur Verfügung wie eine kleine Orgel für musikalische Experimente. Einer der beiden Treffpunkt-Tage am Wochenende ist meist einem Thema gewidmet: Mal wird gepokert, mal lümmeln sich alle in der gemütlichen Sofaecke vor dem Fernseher und schauen Filme an. Um die Stromkosten bezahlen zu können, verkauft „Barkeeper“ Gunnar Getränke. Was an den Abenden genau geplant ist, wird in einer Whatsapp-Gruppe verkündet, ist aber auch auf der Internetseite www.jugend-treff-norstedt.de.tl nachzulesen.

Nebenbei geht es mehr denn je darum, die Idee des Jugendgemeinderats in die Nachbargemeinden zu transportieren und dort bei der Realisierung zu helfen. In Löwenstedt und Wester-Ohrstedt war das Team um Gunnar Jensen schon erfolgreich. Mit diesen und anderen JGR zusammen auch auf höheren politischen Ebenen Einfluss nehmen zu können, das ist das Bestreben des engagierten jungen Norstedters: „Im November planen wir eine Informationsveranstaltung für Gemeindevertreter und sonstige Interessierte am Thema Jugendgemeinderat“, erklärt er und gibt Informationen dazu unter der Mail-Adresse: gunnar.jensen@jisses.de.

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