zur Navigation springen

Grosse Fortschritte bei der Wiederaufforstung : Joldelund holt sich seinen Wald zurück

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die nach den Orkanen vor zwei Jahren nötig gewordene Wiederaufforstung der „Joldelunder Schweiz“ macht große Fortschritte. Davon überzeugte sich die Forstbetriebsgemeinschaft Nordfriesland/Schleswigsche Geest.

von
erstellt am 15.Jun.2015 | 15:00 Uhr

Zwischen Baumstümpfen und Kleinholz bahnt sich immer mehr Grün seinen Weg. Die Setzlinge – Eichen und Linden, Douglas-Tannen und Lärchen – sind bereits hüft- bis schulterhoch. Und wo vor Kurzem noch Chaos herrschte, sind breite Wege entstanden. Die Fortschritte bei der Wiederaufforstung des Joldelunder Waldes sind deutlich zu sehen. Nachdem vor knapp zwei Jahren die Orkane Christian und Xaver 1000 Hektar Wald in den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg zerstörten, hat sich viel getan.

Davon wollten sich jetzt vor allem die Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft Nordfriesland/Schleswigsche Geest (FBG) überzeugen. Zusammen mit den Kammerförstern, die der Landwirtschaftkammer Schleswig-Holstein angehören, machten sie eine ausgiebige Waldbegehung, bevor sie sich zu ihrer 36. Mitgliederversammlung trafen.

„Viele haben es nicht für möglich gehalten, dass dieser Wald jemals wieder begehbar wird“, erklärt Walter Rahtkens von der Bezirksförsterei Nordfriesland, der das Gebiet betreut. Ende vergangenen Jahres, nachdem die umgestürzten Bäume aus dem Wald geräumt waren, begann die Aufforstung. Erst wurde gemulcht, dann wurden mit dem Blockzahngrubber Pflanzplätze angelegt, damit die Bäume in Streifen gesetzt werden konnten. „Wichtig ist dabei, zu beachten, dass die verschiedenen Baumarten auch unterschiedliche Boden- und Lagebedingungen benötigen“, erklärt Rathkens. Deshalb hat man in Blöcken gepflanzt – sodass zum Beispiel Buche und Lärche nicht zusammenstehen. Um Wildschäden zu vermeiden, wurde die Fläche eingezäunt. Da die Gemeinde Joldelund sehr viel Wert darauf legt, dass der Wald begehbar wird, wurden mehr als zwei Kilometer Wege angelegt.

Bevor 2013 die Stürme wüteten und nahezu den ganzen Bestand zerstörten, wuchsen in der „Joldelunder Schweiz“ vorwiegend Fichten und Lärchen. Die Wiederaufforstung belastete die Gemeinde, die Eigentümerin des Waldes ist, mit 80.000 Euro. „Bei etlichen Waldbesitzern decken die Erlöse aus dem Holzverkauf nicht die Aufforstungskosten. Wenn sie Glück haben, wird es ein Nullsummenspiel“, gibt Thomas Kühl von der FBG zu bedenken. Deshalb hat sich Joldelund entschieden, öffentliche Fördermittel zu beantragen. Da die Gemeinde den Höchstsatz anpeilt, müssen mindestens 80 Prozent Laub- und 20 Prozent Nadelbäume gepflanzt werden. Wer überhaupt auf eine Förderung aus ist, muss mindestens 40 Prozent Laubbäume setzen. Was für die Artenvielfalt eine Errungenschaft ist, stellt ein Dilemma für alle dar, die auf den Holzertrag angewiesen sind. Denn: Mit Nadelholz lässt sich mehr verdienen und die Bäume lassen sich leichter pflegen.

„Für die ‚Joldelunder Schweiz‘ heißt es jetzt, Daumen drücken, dass wir diesen Sommer ein typisches durchwachsenes Schleswig-Holstein-Wetter bekommen“, sagt Kammerförster Ingo Ahrenhold. Das sei wichtig, sonst drohten die mühevoll angepflanzten Setzlinge zu vertrocknen oder die Wurzeln zu verfaulen – und die jungen Bäume werden von Anfang an zu Sorgenkindern.

Vom Wald in den Joldelunder Dörpskrog: Die Mitgliederversammlung der FBG begann mit einer Schweigeminute für den im März überraschend verstorbenen Vorsitzenden Helmut Wree. Der frühere Kreispräsident war 76 Jahre alt geworden und hatte immer wieder durch sein Engagement für die Wälder Nordfrieslands und auch für die plattdeutsche Sprache von sich reden gemacht. Als Nachfolger wurde der stellvertretende Vorsitzende Thomas Kühl (54) gewählt – und das einstimmig. Der Ostenfelder ist bereits seit 2002 im Vorstand der FBG aktiv. „Ich trete in große Fußstapfen“, kommentierte Kühl seine Wahl. Stellvertretender Vorsitzender wurde der Langstedter Jakob Bunsen (70).

Die FBG hat auch in Zukunft mit einigen Problemen zu kämpfen. „Kummer bereitet mir, dass im Moment nicht genug Geld vorhanden ist, um die sofortige Aufforstung aller Wälder in Angriff zu nehmen“, erklärte Kühl auf Anfrage unserer Zeitung. „Es wird sich über drei Jahre ziehen, bis die beantragten Förderungen eintreffen. In der Zwischenzeit werden sich aber ungewollte Gehölze wie Brombeere und Traubenkirsche ausbreiten – für uns ist das ein riesiger Aufwand!“

Darüber hinaus ziehen für die Waldbesitzer dunkle Wolken am vom Gesetzgeber bestimmten Horizont auf. So stehen unter anderem Verschärfungen des Landesnaturschutzgesetzes an.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen